Gastgeber Timothy Halbenleib, seit zwei Jahren im Betrieb, empfängt die anrollenden Unternehmerinnen und Unternehmer. Familiär – man kennt sich, man duzt sich, und wer zu spät kommt, erhält die Begrüssung direkt vom Vorstand serviert.
Co-Präsident Michael Lüthi eröffnet die Runde, und schnell wird klar: Hier läufts. Norbert Mullis präsentiert die Finanzen mit der Ruhe eines Bankers, der weiss, dass die Zahlen auf seiner Seite sind. Einnahmen von knapp 17’000 Franken, Ausgaben um die 14’000 – ergibt einen Gewinn von rund 2900 Franken. Grund: Es gab schlicht weniger Anlässe. Sparen durch Geselligkeitsverzicht – keine Strategie, die anhalten soll, denn KMU Bern West ist einer der Gewerbevereine, die regelmässige Treffen fest im Jahreskalender haben.
Das Eigenkapital liegt bei stolzen 55’000 Franken. Da darf man sich dann auch mal eine neue Webseite leisten, findet Norbert Mullis. Und tatsächlich: Seit wenigen Tagen ist sie online. Der kantonale KMU-Verband hat vorgearbeitet, der Rest wurde nach einem Kurs selbst erledigt – und das Ganze auch noch als günstigste Lösung. Man spürt: Hier wird nicht nur geredet, sondern gemacht. Die Wahlen verlaufen dann so spannend wie ein Krimi ohne Täter: keine Gegenstimme weit und breit. Co-Präsidenten Shakeel Ahmed und Michael Lüthi werden mit Applaus wiedergewählt – so geht Wertschätzung. Auch der restliche Vorstand wird einstimmig bestätigt. Namen werden verlesen, Hände gehoben, Applaus folgt. Demokratie kann manchmal erstaunlich geräuschlos funktionieren.
Apropos Kontinuität: Bei den politischen Mehrheiten ist es ähnlich eindeutig. Grossratskandidierende dürfen sich vorstellen – allesamt sind bei der SVP – inklusive Thomas Fuchs, der offenbar schon fast zum Inventar gehört. Das bedeutet im Umkehrschluss: Das Gewerbe in Bümpliz tickt politisch ziemlich geschlossen. Für die FDP bleibt, so hart es klingt, in Bümpliz rund um das Gewerbe wenig zu holen.
Bei den Mitgliederbeiträgen bleibt alles beim Alten: 120 Franken für Aktive, 40 Franken für Branchenmitglieder, 20 Franken für Veteranen. Der Mitgliederbestand ist stabil – kein Boom, kein Einbruch. Solide, wie man es von einem funktionierenden Gewerbe erwartet.
Frischer Wind kommt dennoch rein: Neue Mitglieder stellen sich vor. Ein Akustiker, der sich um alles kümmert, «was mit Hören zu tun hat» – inklusive Schlafzimmer, wie er augenzwinkernd ergänzt. Ein neues Hörzentrum am Kreisel. Und ein Notariat, das Tradition und frische Energie verbindet. Man merkt: Das Gewerbe lebt – und hört gut zu.
Dann wird es politischer. Peter Steck, Präsident von KMU Stadt Bern, liefert Zahlen, die belegen, dass in der Stadt Bern ohne den Westen nichts geht: 164 Mitglieder zählt der Stadtverband, davon stammen 20 % aus dem Stadtteil VI. Bau und Handwerk dominieren, gefolgt von Dienstleistungen und Gesundheitswesen. Alles vereint, was der Grossraum Bern zum Leben braucht. Und genau das wird auch betont. Das Gewerbe repariert, baut, unterhält – es hält die Stadt am Laufen. Auch beim Thema Klima sieht man sich nicht als Zuschauer, sondern als Mitgestalter. Netto-Null, Kreislaufwirtschaft – alles schön und gut, aber umgesetzt wird es von denen, die Firmen betreiben. Oder wie man hier sagen würde: von den Machern, nicht von den Verwaltungen.
Das «Lieblingsthema» der KMUler, der Verkehr, verwandelt die gemütliche Runde zu einer mit Sorgenfalten. Pilotprojekte, Rückmeldungen, Gespräche mit Bernmobil – vieles läuft, aber nicht alles rund. Be- und Entladen bleibt eine Baustelle. Besonders heikel: geplante Sperrungen und Parkplatzreduktionen. Kornhausbrücke, Quartierstras-sen, Velostrassen – die Liste ist lang. Ein ganzes Quartier könnte bald nur noch über eine einzige Stras-se erreichbar sein. Für Handwerker und Lieferanten keine ideale Ausgangslage. Die Frage steht im Raum: Wie soll das Gewerbe unter solchen Bedingungen noch funktionieren? Erschwert, aber tun muss man es, so die einhellige und vorbildliche Einstellung.
Das verleitet den Co-Präsidenten Shakeel Ahmed zum Satz des Abends: «Jeder von euch ist ein James Bond in seinem Geschäft.» Man nickt, lacht – und merkt: Da steckt mehr Wahrheit drin, als man zuerst denkt. Denn tatsächlich braucht es inzwischen fast agentenhaftes Geschick, um sich durch Baustellen, Sperrungen und Vorschriften zu navigieren.
Die Mitgliederversammlung endet nach einem vorzüglichen Essen und mit vielen heiteren Geschichten. Es wächst die leise Erkenntnis: In Bümpliz wird nicht nur gearbeitet – hier wird auch diskutiert, entschieden und manchmal eben auch mit einem Augenzwinkern politisiert. Oder anders gesagt: Ein Abend im Zeichen des Gewerbes – mit Zahlen, Wahlen und einer Prise 007.