Blitzschnell vor dem Tor

Salome Guida
Von Salome Guida - Redaktorin
Lenni Kozuh in der Postfinance Arena.

Foto: SG

Einfach erklärt
Lenni Kozuh ist eine Stürmerin der SC Bern Frauen. Sie wurde Vize-Schweizermeisterin. Sie erzählt über ihre Karriere. Wichtige Stationen waren der EHC Bern 96, HC Wisle und HC Langenthal.
Die Eishockeyspielerin Lenni Kozuh ist mit den SCB Frauen Vize-Schweizermeisterin geworden. Die 21-jährige Stürmerin hat sich in ihrer ersten Saison in Bern bereits einen wichtigen Platz im Team erarbeitet.

Manche Tore sind Zufallsprodukte. Andere sind perfekt herausgespielt. Das 1:0 der SCB Frauen im entscheidenden Halbfinalspiel gegen Ambri-Piotta Women gehört zur zweiten Kategorie. In der 7. Minute erkennt Lenni Kozuh einen Schuss ihrer Mitspielerin Alizée Aymon, positioniert sich vor dem Tor, nimmt den Puck an, dreht sich einmal um die eigene Achse – und schiebt ihn der Tessiner Torhüterin zwischen den Beinen hindurch ins Netz. Es ist ihr zweiter Saisontreffer. 

Vom «Schlööfle» zur U13-Nati 

Am nächsten Tag, Mitte März, sitzt die Athletin im Arena Restaurant und erzählt. «Meine ganze Familie spielt Eishockey», sagt sie gleich zu Beginn. So sei es kein Wunder, dass auch sie, kaum konnte sie gehen, «Schlööf» an den Füssen hatte. Wie ihr Vater und ihr jüngerer Bruder spielt die im Berner Monbijouquartier und im Spiegel aufgewachsene Kozuh (ausgesprochen «Koschu») zunächst beim EHC Bern 96. Daneben macht sie anfänglich auch noch Eiskunstlauf, klettert und ist Karateka. Mit 13 wechselt sie nach Schwarzenburg zu den Blackburry Ladies, ein Jahr darauf steigt sie bei den HC Wisle Damen ein. Es folgen weitere Stationen, auch in den Juniorinnenteams der Nationalmannschaft. «Dort leckte ich Blut», sagt sie, «es gefiel mir, auf hohem Niveau zu spielen.» 

Kämpferin mit Speed 

In diesem Halbfinalspiel fällt auf: Kozuh kann dem Puck so schnell hinterherjagen wie wenige andere. «Vielleicht hat meine Schlittschuhtechnik mit meiner Eiskunstlauf-Vergangenheit zu tun», sinniert sie. Sie ist auch physisch präsent: Im Gerangel an der Bande ist ihr der Puck nicht leicht abzunehmen – mit 1,62 m Grösse nicht selbstverständlich. So erstaunt es nicht, dass die heute 21-Jährige bereits mit 15 nach Langenthal in die Leistungsklasse B wechselt. 2022 gelingt ihr mit den Damen der Aufstieg in die höchste Spielklasse. «Das war ein grosser Höhepunkt», erinnert sie sich. Die Könizerin bleibt insgesamt sechs Saisons bei den Oberaargauerinnen. Bereits auf die vorherige Saison hin kommt ein erstes Angebot vom damaligen Sportchef Köbi Kölliker. «Doch nach einer schwierigen Saison wollte ich das Team nicht im Stich lassen.» Vor rund einem Jahr kommt dann der Vertrag bei den Bärinnen zustande. Lenni Kozuh ist in den Zuschauerrängen der Postfinance Arena, als ihre zukünftigen Mitspielerinnen Ende März 2025 Schweizer Meisterinnen werden: «Ich feierte nach dem Match mit ihnen auf dem Eis.» 

Profi – mit 80%-Job 

Das Frauenteam des SC Bern gibt es erst seit dem 1. Juni 2023. In den letzten Jahren haben viele grosse Clubs in den Frauenbereich investiert. Man merkt, dass die Professionalisierung noch relativ jung ist – etwa bei Löhnen, den Trainingszeiten oder beim Publikumsaufmarsch. Lenni Kozuh arbeitet in einem 80%-Pensum bei der Kantonspolizei Bern im Sekretariat Technik, wo sie auch einen Teil der KV-Lehre absolviert hat. An drei Abenden pro Woche geht es nach der Arbeit direkt ins Training. Dazu kommt ein Skills-Training über den Mittag. Ein- bis zweimal pro Woche stehen Matches an, mit Reisen nach Ambri, Davos, Zug oder Neuenburg. Die Regeneration ist nur dank flexiblem Arbeitgeber und guter Planung möglich. Bei den Schweizer Meisterinnen 2025 spielt Kozuh gegen Ende Saison in der 2. Linie. «Ich fühle mich wohl und konnte Fortschritte machen», zieht sie kurz vor Ende ihrer ersten Saison in Bern Bilanz. Sie hat ihren Platz gefunden und unter Headcoach Michel Zwahlen viel Eiszeit erhalten. Nebst Schnelligkeit und Kampfgeist bringt die Spielerin mit der Nummer 13 auch weitere Qualitäten ein. «Ich sorge oft für gute Stimmung», sagt sie mit einem Schmunzeln. So sei sie zum Beispiel eine der DJanes in der Garderobe. 

Ende März unterlagen die Titelverteidigerinnen im Finale dem EV Zug. Schon vor der Finalserie war klar: Die Schliernerin bleibt beim SCB. Sie fühle sich wohl in der hiesigen Liga und möchte sich weiterentwickeln, zur Stammspielerin werden. Im Februar kam das Aufgebot für den erweiterten Kreis der A-Nationalmannschaft. Wer Lenni Kozuh verfolgt, ist sich sicher: Bietet sich die Chance, wird sie blitzschnell umschalten und sie nutzen. 

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