Lieber springen als aufstellen

Martin Jost
Besonders bei Kindern und Jugendlichen ist Bewegung wichtig.

Foto: MJ/zvg

Einfach erklärt
Mehrere Schulen nutzen nebem dem gewöhnlichen Turnunterricht Angebote für Bewegung. Fachpersonen erklären, warum solche Angebote sinnvoll sein können und wieso Bewegung wichtig ist. Ziel ist es, dass Kinder und Jugendliche Freude daran haben und nicht nur leisten müssen.
Wie lässt sich der Schulsport vielfältiger und niederschwelliger gestalten? In Bern sammeln Schulen Erfahrungen mit alternativen Bewegungsangeboten ausserhalb der klassischen Turnhalle. Lehrpersonen sehen darin eine mögliche Ergänzung zum regulären Unterricht.

Die Tätigkeiten rund um eine Turnstunde sind hinlänglich bekannt: Erst müssen die Utensilien aus dem Magazin hergetragen, aufgestellt und danach ebendort wieder versorgt werden. Die Begeisterung der Schülerinnen und Schüler für diesen Teil der Sportstunde ist überschaubar. «Auf dem Trampolin zu springen macht mehr Spass, als ein Trampolin aufzustellen», sagt Nik Jud, Mitgründer und -betreiber des Bewegungsparks Unik Playground. Aus seiner Sicht kann ein solches Umfeld den Turnunterricht ergänzen. «Es geht nicht nur  um den Gewinn an effektiver Bewegungszeit. Viel wichtiger ist, dass man wegkommt von der Idee, dass der Turn- und Sportunterricht vor allem da ist, um Runden zu rennen und Leistung zu erbringen.» Die Lehrpersonen im Sportbereich, führt Jud weiter aus, bieten ihren Schülerinnen und Schülern durch das erweiterte Angebot einen anderen Zugang zur Bewegung.

Bewegung wichtiger denn je

Die Bedeutung körperlicher Aktivitäten sei gerade in Zeiten, welche die Mehrheit von uns sitzend verbringt, umso wichtiger. Besonders bei Kindern und Jugendlichen, da zwischen der Entwicklung der Motorik und des Gehirns ein unmittelbarer Zusammenhang bestehe, erklärt Jud weiter. Diese Einschätzung wird auch im schulischen Umfeld geteilt. Stephan Sailer ist Fachleiter Sport bei der gibb Berufsfachschule Bern, deren Klassen regelmässig die Anlage an der Freiburgstrasse nutzen. Die Bewegungszeit erkennt auch er als einer der Vorteile gegenüber einer konventionellen Sportstätte: «In einer Turnhalle gibt es im besten Fall drei Trampoline. Deshalb ist eine Einheit in der Turnhalle nicht mit einer Lektion im Playground vergleichbar, wo alle Schülerinnen und Schüler gleichzeitig springen können. Zudem ist die Sicherheit rund um die Trampoline einfacher zu gewährleisten.»

Ergänzung zum Schulsport 

Für Nik Jud ist wichtig, den Bewegungspark nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zum Schulsport zu verstehen: «Bewegung auf eine phantasievolle Art zu ergänzen, kann gerade für Kinder und Jugendliche spannend sein, die den Turnunterricht nicht besonders mögen.» Er erwähnt den betriebswirtschaftlichen Nutzen für sie als Betreiber der Anlage, weil Schulklassen zu Tageszeiten zu Gast sind, die ansonsten weniger stark frequentiert seien. Es sei jedoch auch die Aufgabe des Schulsports, den Kindern Möglichkeiten zu vielfältiger Bewegung aufzuzeigen. Sailer unterstützt diese Aussage: «Trampolinhallen wie diese im Playground sind aus dem Freizeitsport nicht mehr wegzudenken. Als Schule können wir einen Beitrag zur sicheren Benutzung und zur Freizeitgestaltung leisten, wenn wir im geführten Schulsetting solche Lektionen durchführen.» Die Vielfalt an Geräten kann solche Anlagen zu einer sinnvollen Ergänzung zu Turnhallen machen, die vielerorts stark ausgelastet sind.

 Vorstellungen für die Zukunft 

Auch grundsätzliche Gedanken über den Schulunterricht haben Platz, etwa eine Kombination aus aktivem schulischem Unterricht und Bewegungseinheiten. Für Stephan Sailer steht naturgemäss der sportliche Teil des Angebots im Fokus. Er kann sich eine Erhöhung der Lektionen sehr wohl vorstellen, denn er weiss: «Die Lernenden freuen sich jeweils sehr auf den Ausflug nach Bümpliz. Die Vielfalt des Angebotes animiert wie von selbst zum Bewegen.» Im breiten Bewegungsangebot erkennt Nik Jud zudem den sozialen Aspekt des Ausgleichs: «Es können auch Schülerinnen und Schüler Erfolgserlebnisse haben, die im herkömmlichen Turnunterricht weniger im Vordergrund stehen.»

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