Rebekka Portner, wo sind Sie zur Welt gekommen, wo aufgewachsen?
Churz und bündig: geboren in Langenthal, z’Langethe, aufgewachsen in Walliswil bei Murgenthal, einem idyllischen Weiler, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Ich bin diplomierte Pflegefachfrau, Krankenschwester AKP, wie das damals hiess. Zuerst habe ich im Regionalspital Langenthal gearbeitet, später im Salemspital Bern.
Damals und heute: Was hat sich in diesem Beruf geändert?
Das fragen Sie die Falsche, habe ich doch die Arbeit einer Pflegefachfrau im Spital gegen eine Arztpraxis eingetauscht. Was ich aber allgemein höre: Das Administrative verhindert es zunehmend, dass Pflegende ihre Zeit wirklich für die Patienten einsetzen können.
Erinnerungen an die ersten Monate im Regionalspital in Langenthal?
(Sehr spontan) Stress! Und das vor allem, weil schlichtweg die Zeit fehlte, um alles richtig und sorgfältig machen zu können. Dazu kam die grosse Verantwortung … Das war eine echte Herausforderung, so frisch ab Presse (lacht). Aber auch damals hielt uns die Administration in Atem, mit einer gewaltigen Papierflut, die unterdessen von der Informatik abgelöst wurde. Es kam regelmässig vor, dass ich nach einer Ablösung zur nächsten Schicht zwei, drei Stunden damit verbracht habe, alles aufzuschreiben, was es aufzuschreiben gab. Es war die Zeit, als es noch Sechserzimmer gab. Wenn da alles Schwerkranke lagen, musste man sich zuerst um sie kümmern, nicht um den Papierkram.
Sie sagten, dass Sie heute in einer Arztpraxis arbeiten. In welcher?
Vor fünf Jahren wurde mir die Stelle in der Herzpraxis Bern West «vor die Füsse gelegt», nachdem ich mich einige Jahre lang vorwiegend der Familie gewidmet hatte. Meine beiden inzwischen erwachsenen Söhne betonen immer wieder, wie wertvoll es für sie war, dass ich während ihrer Jugendzeit «zu Hause» war. In der Herzpraxis schätze ich die regelmässigen Arbeitszeiten und das wertschätzende Arbeitsklima.
Rätsel gelöst. Viele Lesende werden Sie kennen. Vor allem ältere?
Grösstenteils ja, aber zu uns kommen Menschen aller Generationen, oft auch Sportlerinnen und Sportler (schmunzelt). In der Regel werden sie von ihren Hausärzten an die Kardiologen überwiesen.
Und diese Spezialisten gehen dann gleich zur Sache, was horrende Kosten verursacht?
Ich kann nur über die Herzpraxis Bern West sprechen. Nein, wir gehen nicht gleich «zur Sache», wie Sie es nennen. Uns ist wichtig, dass wir Schritt für Schritt vorgehen und sorgfältig feststellen, welche Abklärungen unter Umständen noch gemacht werden müssen.
Wie gehen Ihre Patientinnen und Patienten mit ihren Beschwerden um?
Das ist ganz unterschiedlich, manche akzeptieren die veränderten Lebensbedingungen, andere wiederum haben Mühe damit. Herzbeschwerden können Ängste auslösen, deshalb gilt es, die Umstände sorgfältig abzuklären. Es kann dabei durchaus vorkommen, dass Menschen nur glauben, sie seien herzkrank. Das Schönste ist, wenn die Patienten dann strahlend aus der Praxis gehen können, weil mit ihrem Herzen alles in Ordnung ist – «und es het öper zueglost und se ärnst gno».
Hat Rebekka Portner auch Hobbys?
Ja. Sport machen, Fussballmatches der Söhne zuschauen, und singen, in einem grossen Chor, im Ensemble Animato, um genau zu sein. Und um Ihrer nächsten Frage gleich zuvorzukommen (schmunzelt): Das Ensemble Animato führt seit 1992 Konzerte unter der Leitung von Markus Geissbühler auf. Unter dem Markenzeichen Symphonic Worship präsentiert Animato alle zwei Jahre Klassik, alte Hymnen, Spirituals und moderne christliche Songs in thematisch angelegten Konzerten. Eine Konzertserie wird jeweils von mehreren tausend Zuhörenden mitverfolgt, der YouTube-Kanal verzeichnet bereits über 15 Mio. Interessierte.
Wie viele Leute bilden das Ensemble Animato?
Es sind ungefähr 170 Singende und 60 Musiker im Orchester. Bei dieser Grösse kommt in unserer Region einzig das Casino Bern in Frage. Im Moment sind wir daran, die CD und einen Film zu realisieren, die wir bei den vier komplett ausverkauften Konzerten an Ostern aufgenommen haben. Und um gleich ein bisschen Werbung zu machen: animato.ch.