Technische Innovation & Hochpräzision in Bümpliz

Kurt Heilinger
Dr. med. Thomas-Oliver Schneider, Vertrauensarzt und Knie-Chirurg beim BSC Young Boys antwortet im Gespräch mit der BümplizWochen auf Fragen zu Knieproblemen von Fussballprofis.

Foto: KH

Einfach erklärt
 
Die Knie-Prothese ist eine bewährte Möglichkeit, die Funktion eines geschädigten Kniegelenkes zu ersetzen. Die BümplizWochen hat sich von Dr. med. Thomas-Oliver Schneider, Gründer und Leiter der Praxis «Kniechirurgie Bern» sowie Senior-Hauptoperateur im Berner Prothetikzentrum, aktuelle Innovationen und Entwicklungen in der Kniechirurgie vorführen lassen.

Wussten Sie, dass sich eine der grössten Spezialpraxen der Schweiz, welche sich ausschliesslich mit der operativen Behandlung von Erkrankungen und Verletzungen des Kniegelenks befasst, in der Klinik Permanence in Bümpliz beheimatet ist? Die Praxis «Kniechirurgie Bern» setzt pro Jahr über 400 Krieprothesen bei Patienten mit Arthrose am Kniegelenk ein. Die Gruppe «Hirslanden Bern», in deren Räumlichkeiten die Kniechirurgie Bern eingemietet ist, führt insgesamt pro Jahr sogar über 900 Kniegelenksersatzoperationen durch – stets mit dem Ziel, dem Patienten für jede Art der Arthrose die beste Prothese zu implantieren, sei dies eine Total- oder Teilprothese, eine Roboter- oder eine massgefertigte Individualprothese. Der bekannten amerikanischen Skifahrerin Lindsey Vonn wurde eine Teilprothese derselben Art implantiert, wie sie auch in Bümpliz verwendet wird. Und bei der Operation in Florida wurde der Chirurg vom selben MAKO-Roboter unterstützt, der auch bei Kniechirurgie Bern im Einsatz steht.

Robotergestützte Prothesen 

Bei der operativen Implantierung der Knieprothese unterstützt in der Regel der MAKO-Roboter der USA-Firma Stryker die Arbeit des Knie-Chirurgen – insbesondere bei der Durchführung von millimetergenauen Knochenschnitte. Eine vorgängig erstellte Computertomographie wird während der Operation auf dem Monitor eingeblendet und leitet den Chirurgen präzise durch die Operation. Grüne Sicherheitslinien, die beim Sägevorgang nicht überschritten werden dürfen, signalisieren dem Chirurgen Grenzen, um Verletzungen an Bändern oder Weichteilen des Patienten zu vermeiden. Weicht der Chirurg von diesen Linien ab, wird der Vorgang automatisch gestoppt. Mit den millimetergenauen Sägeschnitten am Knochen können auch X- oder O-Beine infolge verschobener Beinachse ausgeglichen werden. Potenzielle Änderungen des Operationsplans können in Echtzeit simuliert werden, noch bevor Sägeschnitte am Knochen durchgeführt werden. Die neue hochpräzise Unterstützung des MAKO-Roboters möchte Knie-Chirurg Schneider nicht mehr missen: «Es ist schwierig bei Knie-Operationen die erforderlichen Frässchnitte mit Augenmass von Hand durchzuführen. Man macht das am besten mit der Unterstützung des MAKO-Roboters, der dem Chirurgen auf dem Monitor millimetergenau die notwendigen Angaben liefert.»

Individualprothesen

Durch die Verwendung von massgefertigten Prothesen haben sich neue Perspektiven ergeben, wie Thomas-Oliver Schneider ausführt: «Mithilfe einer computerbasierten Planung der Knie-Operation wird eine dreidimensionale digitale Kopie des Kniegelenkes erstellt. Entscheidend ist dabei, dass nicht eine Kopie des durch die Arthrose veränderten Kniegelenks erstellt wird. Vielmehr wird durch eine spezialisierte Software errechnet, wie das Kniegelenk vor seiner Erkrankung ohne Fehlstellung und Deformation ausgesehen hat. Auf Grundlage dieser optimierten Kopie wird dann eine massgefertigte Individualprothese angefertigt. Die Vorteile einer Individualprothese liegen auf der Hand: Nichts funktioniert so gut wie das Original. Die Individualprothesen werden übrigens in der Schweiz hergestellt, und zwar vom innovativen Medizintechnik-Unternehmen «Symbios» aus Yverdon. Vorzugsweise wird die Individualprothese bei Fehlstellungen der Beinachse wie X-Beinen verwendet.

Ambulante Prothetik

Nach der Knieoperation ist heute international nicht mehr zwingend ein stationärer Spitalaufenthalt notwendig. Dies wird mittelfristig auch in der Schweiz angestrebt. «Mit unserer sinkenden Aufenthaltsdauer im Spital nach der Operation, einer verbesserten Schmerzkontrolle und sofortiger Belastbarkeit sind wir – gemäss unserem Konzept ‹Optimal Recovery› – auch in der Kniechirurgie Bern bereit für einen baldigen Wechsel zur ambulanten Versorgung. Ich habe das in den USA bereits gesehen: Der Patient kommt um 9 Uhr ins Spital, wird um 10 Uhr operiert und geht um 15 Uhr mit einem neuen Knie wieder nach Hause. In ein bis zwei Jahren wird es auch bei uns so weit sein, dass Knie-Prothesen ambulant operiert werden können» so Schneider.

Herr Schneider, Sie haben bereits mehrere YB-Spieler mit Kreuzbandrissen behandelt. Ist es für Sie überraschend, dass auch Spieler darunter waren, welche nach siebeneinhalb Monaten ihr Comeback in der Super League gegeben haben?

Grundsätzlich ist nach einer Kreuzband-Operation die Verfassung des Patienten zum Zeitpunkt der Operation mitentscheidend, wie lange er in der Rehabilitation bleiben muss. Welche Möglichkeiten ihm dann noch physiotherapeutisch zur Verfügung stehen, ist ebenso wichtig wie eine gute Operation. Heute muss ein Kreuzbandriss nicht mehr zwingend das Ende einer Fussballer-Karriere bedeuten. Manchmal ist man dann eben nach wenigen Monaten wieder auf dem Feld.

Sehen Sie einen Zusammenhang von Kreuzband-Verletzungen bei Fussballprofis mit der steigenden Belastung infolge der stark zunehmenden Spielpläne?

Ich bin seit über 10 Jahren als Knie-Chirurg beim BSC Young Boys tätig, zunächst bei den Jugendmannschaften, später auch bei den Profis. In dieser Zeit sind einige Spieler der ersten Mannschaft in der Kniechirurgie Bern behandelt worden. Die Anfälligkeit für Knie-Verletzungen ist sicher gestiegen durch die hohe Athletik und den steigenden Anspruch an die Spieler, immer athletischer und schneller zu werden. Früher war man beispielsweise entweder ein Links- oder Rechtsfuss, heute erwartet man, dass man beidfüs-sig schiessen kann. Die zusätzliche Beanspruchung durch die vielen Spiele in der Super League, im Schweizer Cup und international im Europapokal oder in der Champions League trägt sicher ihren Teil zur gestiegenen Verletzungsanfälligkeit von Fussballprofis bei.

 

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