Eingeladen hat der Verein «Auto Classic Frauenkappelen/Bern». Die Mitglieder des Vereins besitzen selbst Oldtimer und engagieren sich für deren Erhalt. Frauenkappelen hat nämlich eine starke Auto- und Motorsport-Tradition. In den 70er-Jahren wurden am Wohlensee regelmässig Trial-Schweizermeisterschaftsläufe durchgeführt. Später folgten Motocross-Rennen und das «GP Suisse Berne»-Memorial. Autoangefressene Frauenkappeler konnten schon im Jugendalter bei Roland Salomon, dem vierfachen Schweizer-Rennwagenmeister, in die Garage schauen oder bei Roos Engineering einen Blick erhaschen, wenn exklusive Aston Martins restauriert wurden. In der Gemeinde wohnen zahlreiche Besitzer von klassischen Autos, die selbst daran schrauben oder zumindest hier ihre Preziosen untergebracht haben.
Autos in allen Jahrgängen
Etwa 350 Oldtimer fuhren an diesem Sonntag aus allen Richtungen nach Frauenkappelen. Wenige (vor allem Rennfahrzeuge) kamen auf dem Anhänger, die meisten aber ganz selbständig, denn sie sind natürlich immer noch für den Verkehr zugelassen, je nach Alter auch ohne Gurte. Vom ältesten Fahrzeug, einem Willys-Knight 88-4 von 1917, bis zu einem Ferrari 348 TS von 1990 war eine enorm grosse Auswahl an Fahrzeugen vertreten. Das Publikum zog aus ganz unterschiedlichen Motiven von Auto zu Auto. Da gab es erst einmal die Eigner der Ausstellungs-Objekte, die sich fast alle kennen und zusammen fachsimpeln, aber gerne auch Auskunft über ihre Fahrzeuge geben oder sogar den Ledergurt rund um die Motorhaube lösen, um den Neugierigen Einblick in die Organe zu gewähren. Oft hörte man: «Das waren noch Motoren. Du siehst, wo die Kraft herkommt und wie sie die Räder zum Drehen bringt.» Andere ergötzten sich an den gediegenen Interieurs, wo Holz, Chrom und Leder zum Fahrvergnügen beitrugen. Ein roter Strich auf dem grossen Drehzahlmesser zeigte an: bis hier und nicht weiter.
Von Enten und Käfern
Es waren auch beliebte und bekannte Kultautos der 80er-Jahre zu sehen. Ein stolzer Veteran schwelgte in Erinnerung: «So eine Ente hatte ich auch – mit vier Aschenbechern.» Und wo trafen sich die Rennwagen-Fans in Frauenkappelen? Für sie und alle anderen holte die Equipe Bernoise zusammen mit dem Veranstalter jene Boliden aus der Garage, die damals an Rennserien wie der DTM, Nascar und Procar starteten und zum Teil noch heute an Rennen für Klassiker teilnehmen. Heisser Gummi und brüllende Motoren.
Ein Volksfest für alle
Der Erfolg der Veranstaltung liegt aber nicht nur in der Präsentation von spannenden Fahrzeugen. Den 2000 Zuschauern wurde im Dorf mit knapp 1500 Einwohnern nämlich ein richtiges Volksfest geboten, das allen etwas bringt. Die Jazzband Sugartown sorgte für eine fröhliche Stimmung, und es gab ein gutes einheimisches Gastronomie-Angebot im Bistro Barbara, im Dorfladen mit seinem Kafi und natürlich im Restaurant Bären. Ganz beliebt waren die einmaligen Taxifahrten in Oldtimern quer durch die Ausstellung, deren Erlös an das Allani-Kinderhospiz in Riedbach ging.
«Es ist uns sehr wichtig, allen etwas zu bieten,» erklärt Erich Spahr vom Verein Auto Classic Frauenkappelen Bern. Eintritt frei und genügend Parkplätze – dieses Konzept hat sich bewährt.
Gibt es im nächsten Jahr auch eine Auto Classic? Nein, sagt Marketingchef Hanspeter Stucki. «Wir lassen 2027 bewusst aus, um dem Dorf etwas Ruhe zu gönnen und die Vorfreude zu steigern.» Die nächste Auto Classic findet am Sonntag, 11. Juni 2028, statt. Ich werde dabei sein.