Ein Rhythmus für alle

Miriam Schwarz
Von Miriam Schwarz - Redaktorin
Tanz verbindet – eindrücklich zu sehen auf dem Bundesplatz.

Foto: Joël Strübi

Einfach erklärt
 
Vom 9. März bis 7. Mai verwandelt sich der Kanton Bern in eine einzige grosse Tanzfläche. Im Rahmen des Projekts «Welttanztag» erarbeiten 100 Schulklassen der 3. bis 8. Klasse aus 24 Gemeinden zwischen Stadt und Land eine eigens kreierte Choreografie.

Initiiert und geleitet wird das seit 2017 bestehende Format von den Choreografinnen Lucía Baumgartner, Maja Brönnimann und Regula Mahler, unterstützt von vier weiteren Tanzpädagoginnen. Mit finanzieller Rückendeckung von «Kultur und Schule» des Kantons Bern wird hier eine wesentliche Lücke im Lehrplan 21 geschlossen: Obwohl Tanz als Kompetenzanforderung figuriert, widmen sich viele Lehrpersonen dem Thema im regulären Sport- oder Musikunterricht kaum. Das Projekt bietet daher einen essenziellen, niederschwelligen Erstkontakt. Kinder und Jugendliche aller sozialen Schichten setzen sich kreativ mit ihrem Körper auseinander, diskutieren Fragen wie «Was ist Tanz?» und erfahren sich selbst als Gestaltende. Besonders intensiv wird in der Stadt Bern getanzt: Zwischen dem 17. März und 1. April sind Schulen wie Pestalozzi, Marzili, Stöckacker, Kirchenfeld, Sonnenhof und Statthalter Bümpliz in die Workshops eingebunden. Für jeweils 90 Minuten kommen Tanzprofis in die Schulhäuser, um mit den Schülerinnen und Schülern die Choreografie zum Musikstück des Berner Komponisten Andreas Renggli einzustudieren. Die finanzielle Hürde ist dabei minimal: Der Kanton trägt den Grossteil der Kosten, die Schulen beteiligen sich mit 90 Franken pro Workshop. Nach dem initialen Impuls durch die Profis liegt die Verantwortung bei den Klassen. Während der Wochen zwischen Workshop und Finale üben die Lehrpersonen selbstständig mit ihren Schülern, unterstützt durch bereitgestellte Musik, Video-Tutorials und schriftliche Choreografie-Notationen. Kurz vor dem grossen Auftritt kehrt das Welttanztag-Team für eine zusätzliche, kostenlose Hauptprobe zurück, um an Details zu feilen und die Motivation für den öffentlichen Auftritt zu steigern. Dieser ganzheitliche Ansatz – von der kreativen Erarbeitung bis zur professionellen Präsentation – hat das Projekt in den letzten neun Jahren zu einem Erfolg gemacht: Über 1000 Schulklassen haben bereits profitiert, und das Angebot ist jährlich lange vor Anmeldeschluss ausgebucht. Der emotionale Höhepunkt folgt am Freitag, 8. Mai. Schätzungsweise 1500 Kinder und Jugendliche werden gleichzeitig in Bern (Bundesplatz), Biel (Place Joran) und Thun (Aarefeldplatz) auftreten. Verbunden durch denselben Rhythmus erleben sie nicht nur ihren eigenen Auftritt im öffentlichen Raum, sondern werden im Anschluss auch zu Zuschauenden einer professionellen Tanzcompagnie im Rahmen des regulären Tanzfest-Programms. Dieses duale Erlebnis – selbst tanzen und professionellen Tanz sehen – vertieft das Kunstverständnis nachhaltig. Die Auftritte werden zudem professionell gefilmt, was den Schulen eine bleibende Erinnerung an dieses aussergewöhnliche Gemeinschaftserlebnis sichert. Das Projekt ist als gefördertes Kulturangebot «prêt-à-participer» auch für die Jahre 2027 und 2028 gesichert und wird weiterhin als fester Bestandteil der kulturellen Bildung im Kanton Bern etabliert bleiben.

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