Ein Trend entsteht dann, wenn aus Veränderungen in eine bestimmte Richtung und über einen gewissen Zeitraum eine konkrete Entwicklungstendenz entsteht. Es gab Trends, die verschwunden sind, bevor sie richtig wahrgenommen wurden. Andere sind gekommen, um zu bleiben. «Das ist genau das, was wir suchen», betont Nik Jud die Absicht von ihm und seinem Partner Phil Bonadimann, mit dem er die Trendsporthalle Unik Playground in Bümpliz betreibt. In ihrer unternehmerischen Laufbahn lernten sie unterschiedlichste Arten von Trends kennen: «Es gibt vieles, das kurz aufflackert und bald danach verschwindet», fährt er fort und definiert den Wunsch der Betreiber so: «Wir möchten Sachen entdecken, die den Wert der Neuheit haben, damit wir unseren Gästen etwas bieten können, das sie bisher aus der Praxis nicht kannten. Sobald etwas Neues in einen übersättigten Markt drängt, ist es für uns zu spät, weil es nicht unserem Anspruch als Pioniere in Trendsportarten entspricht.»
Ideen aufnehmen und ausprobieren
Dieses Streben nach Neuem basiere durchaus auf Eigennutz, so Jud, nicht in erster Linie auf betriebswirtschaftlichen Überlegungen, sondern: «Neue Ideen aufnehmen, weiterentwickeln und ausprobieren: Das ist die grosse Faszination für uns.» Die Neugierde auf Unbekanntes ist jedoch für die Inhaber der Multisportanlage noch kein Garant für eine erfolgreiche Umsetzung. Obwohl es gemäss Jud durchaus Kriterien gibt, die erkennen lassen, ob ein Trend das Potenzial hat, sich durchzusetzen. Als Beispiel dazu nennt er die beiden Rutschbahnschanzen, seit der Eröffnung vor gut eineinhalb Jahren eine besondere Attraktion in der Trendsporthalle: «Wenn eine Anlage wie diese einfach in der Nutzung ist, wenn sie für das Publikum, insbesondere für Kinder, ungefährlich und ohne spezielles Training leicht zugänglich ist: Ja, dann besteht eine realistische Chance, dass sich ein Trend erfolgreich durchsetzt.»
Erkennen von Trends
Was noch fehlt, ist das Gespür für Strömungen und Tendenzen in der Gesellschaft. Das sei als Anbieter von Trendsportarten jedoch eine Voraussetzung, ist Jud überzeugt. Er und sein Partner haben bewiesen, dass sie einen Trend rechtzeitig erkennen. Die Anlage mit den Rutschbahnschanzen in Bümpliz war erst die zweite in Europa, die dritte ist im englischen Nottingham und wurde erst vor zwei Monaten eröffnet. «Je mehr Leute von etwas Neuem erfahren, desto grösser ist die Chance, dass es zu einem Trend wird», weiss der Sportwissenschaftler, der an der Universität Bern als Praxisdozent unterrichtet. Je schwieriger eine Sportart zum Erlernen ist, desto aufwendiger wird auch die erfolgreiche Umsetzung zu einer Trendsportart. Beispielsweise beim Skateboarding, wo für viele die Sturzgefahr zu gross und der Boden zu hart sei.
Lebensgefühl als Basis
Die Frage, ob am Anfang eines Trends eine Zielgruppe oder eine neue Aktivität steht, lasse sich nicht eindeutig beantworten, sagt Nik Jud: «Sicher ist, dass es eine gewisse Anzahl Menschen braucht, die sehr viel Spass daran haben, gemeinsam eine bestimmte Bewegungsform auszuüben. Später kommen Kriterien wie Zugänglichkeit, praktische Umsetzung und Bezahlbarkeit dazu.» Die ideale Erfüllung all dieser Voraussetzungen erkennt er im Trampolinsport: «Früher hatte niemand ein Trampolin im Garten. Kaum waren bezahlbare Trampoline mit einfachem Handling auf dem Markt, verbreitete sich das Trampolinspringen schnell.» Das Bedürfnis des Menschen nach Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft sei ein charakteristisches Merkmal von Trends, ebenso der Umstand, dass diese eher aus einem Lebensgefühl und ohne Leistungsgedanken entstehen. «Erst später», stellt Nik Jud fest, «nachdem sich eine neue Sportart etabliert hat, entsteht der Wettkampfgedanke und damit das Bedürfnis, sich zu messen. Daran ist nichts Schlechtes und für Kinder ist es sogar ein wichtiger Entwicklungsschritt, weil so der Umgang mit Sieg und Niederlage erlernt wird.»