Neuer Treffpunkt fürs Bouldern

Nadine Geissbühler
Das Team des Vereins Chübu in der zukünftigen Boulderhalle in Bümpliz.

Foto: Noah Ming

Einfach erklärt

Bouldern wird das Klettern auf Absprunghöhe genannt. Die Sportart gewinnt immer mehr an Beliebtheit. Die Infrastruktur im zukünftigen Chübu wurde aus Hallen, die schliessen mussten, nach Bümpliz gebracht. Fachpersonen aus dem Klettersport haben das Material nach dem Transport inspiziert.

Es waren einmal ein paar boulderbegeisterte Menschen, die erfahren haben, dass in Zug eine Boulderhalle umziehen und die Infrastruktur nicht mitnehmen will. Sie kamen sich vor wie in einem bösen Traum, denn wer will fast neuwertige Wände und Klettergriffe einfach wegschmeissen?

So kam es, dass sich ca. 15 Menschen aufmachten, während einer Woche lang die Halle in Zug ab- und rauszubauen. Dieser durchmischte Haufen gründete den Verein «Chübu». Er legte so den Grundstein für die neue Boulderhalle, die nun an der Freiburg-strasse 255 in Bümpliz am Entstehen ist.

Anfangs in Köniz, nun aber in Bümpliz

Die Geschichte um den Chübu zieht sich bereits etwas länger hin. Es war schon alles in den Startlöchern – bereit für den Bau und auch ein entsprechender Eröffnungszeitraum war bereits vorgesehen – dann kam die Ernüchterung: Die ursprünglich anvisierte Halle an der Gartenstadtstrasse in Köniz entsprach den baulichen Anforderungen einer öffentlichen Boulderhalle nicht und damit war der Traum vorerst geplatzt. Die Gründer des Chübu machten sich auf die Suche nach anderen Räumlichkeiten. Der Gebäudekomplex mit Sheddach bei der Bodenweid, in der Nähe des Bahnhofs und mit ähnlicher Fläche, war eine gute Alternative für die Realisierung des Projekts gefunden.

Eine geteilte Leidenschaft

Der grosse Vorteil des Klettersports gegenüber anderen Sportarten sei, dass hier nicht gegeneinander, sondern gegen ein Boulderproblem oder eine schwierige Passage in einer Kletterroute «gekämpft» werde, erzählt Mirko Indumi, einer der Mitbegründer des Chübu. «Gemeinsam an einer kniffligen Boulderroute zu tüfteln und jeden Fortschritt zu feiern, wenn jemand einen Griff weiterkommt, entfacht in den meisten von uns ein mitreissendes Gefühl von Zugehörigkeit. Gleichzeitig wird beim Bouldern und Klettern der Körper ganzheitlich trainiert und das Erfolgserlebnis, nachdem eine Route geschafft wurde, gibt ein gutes Selbstvertrauen», erklärt Indumi.

Synergien nutzen

Dass die zukünftige Boulderhalle Chübu direkt neben zwei weiteren komplementären Sporthallen – namentlich dem Unik Playground und der Fusion Sports Academy – einziehen wird, sei reiner Zufall, gleichzeitig aber auch ein riesiger Glücksfall. «Schon heute tauschen wir uns regelmässig aus. Vor allem bei der Realisierung profitieren wir vom Erfahrungsschatz unserer Nachbarn. Sie haben dieselben administrativen Prozesse, die wir momentan durchlaufen, schon absolviert und kennen das Gebäude sehr gut», erzählt Indumi. Er ist zuversichtlich, dass diese Synergien auch weiterhin zusammen genutzt werden können. Als aussenstehende Person könnte man meinen, dass es nicht noch eine weitere Kletterhalle in Bern braucht. Indumi aber hält dagegen: «Die Beliebtheit vom Bouldersport wächst momentan immer noch leicht. Die Halle im Muubeeri im Stadtzentrum ist lediglich eine Zwischennutzung, und mittlerweile wissen wir, dass diese Ende 2026 definitiv beendet wird. Im Osten von Bern gibt es eine grosse Konzentration an Kletterangeboten und um diese zu nutzen, nehmen viele den Weg durch die ganze Stadt auf sich. Mit dem Chübu wird eine Halle, spezifisch fürs Bouldern, im westlichen Bern einziehen und damit das Angebot und die Möglichkeiten ergänzen.

Das Team des Vereins Chübu hat sich grosse Ziele gesteckt

Der Plan ist, in Bümpliz ein vielfältiges Angebot für alle Kletterniveaus zu formen. Es soll ein offener Treffpunkt für alle Menschen sein, unabhängig von Alter, Erfahrung, Herkunft oder körperlichen Voraussetzungen. Sowie ein familienfreundliches Freizeitangebot und ein komplementäres Sport- und Kulturprogramm bieten. Indumi ergänzt: «Ein zentrales Alleinstellungsmerkmal ist die Schaffung sinnvoller, geschützter Arbeitsplätze für Menschen aus dem zweiten Arbeitsmarkt. Daneben sollen auch regelmässig verschiedene kulturelle Veranstaltungen auf der Bühne im Bistrobereich stattfinden.» Mit gemeinnützigem Begegnungsort samt Boulderhalle sind Indumi und sein Team immer wieder auf externe finanzielle Unterstützung angewiesen. Ende 2026 und hoffentlich pünktlich – wenn die Boulderhalle Muubeeri ihre Tore schliessen muss – kann im Chübu ausgiebig ausprobiert, trainiert und geklettert werden.

GEKENNZEICHNET:
Teile diesen Artikel

Neue Beiträge

Neues Kleid

Die Haut des 6,2 Tonnen schweren Chamäleons vor dem Einkaufszentrum ist – wie sie auch in der Heimat dieser Tiere, in Madagaskar, vorkommen mag – in den letzten Jahren etwas…

2 Min. zum Lesen

100’000 PS in Frauenkappelen

Am ersten Juni-Sonntag war die Hauptstrasse in Frauenkappelen nur langsam befahrbar. Die…

4 Min. zum Lesen

Wichtige Forschung an Organoiden

Der aktuelle Ebola-Ausbruch zeigt einmal mehr, wie wichtig das Wissen über Krankheits­erreger…

4 Min. zum Lesen

Herzbeschwerden und Ängste

Spontan haben wir heute eine Frau angesprochen, die vermutlich der einen Leserin…

5 Min. zum Lesen

Maisgetränk «Chicha»

Mais, Äpfel und Quitten: Peruanische Kultur und Schweizer Handwerk werden im neuen…

2 Min. zum Lesen