«Das könnte unsere fünfjährige Tochter auch», ist dann und wann zu hören, wenn Menschen, mit zeitgenössischer Kunst nicht so vertraut, ein, wie sie sagen, «modernes Bild» zu Gesicht bekommen. Ich entgegne dann immer mit: «Super. Sie soll doch auch einmal mit einem oder zwei Bleistiftstrichen eine Friedenstaube wie Picasso zeichnen.» Stille herrscht anschliessend jeweils. Weil man nicht weiss, wovon die Rede ist? Egal. Daniela Camponovo schmunzelt. «Das habe ich auch schon zu hören bekommen. Ich sage dann einfach, dass das toll ist und die Tochter weiter an sich arbeiten soll. Unbedingt.»
Jede und jeder sieht anderes
Je länger man sich mit Daniela Camponovo unterhält, desto mehr beginnt man, sich für den Menschen in ihr zu interessieren. Eine faszinierende Persönlichkeit, über die man hier allein eine Seite füllen könnte, ohne dass Langeweile aufkommt. Ihr starkes Ich ist nämlich die Quelle ihrer Inspirationen. Das Aus-sich-Herauskommen ihre DNA. Salopp formuliert: Heute so, morgen so.
Nichts illustriert das besser als ihre Werke. Als ehemalige und begeisterte Fussballerin – «Zusammen mit anderen Frauen haben wir bereits 1970 den Damen Fussballclub Bern gegründet» – ist das auf einem ihrer Bilder zu sehen. Ihre Landschaftsbilder wiederum, alle in ihrer Fantasie entstanden, begeistern Betrachtende. Natur pur, in all ihren
Facetten.
Womit wir im eigentlichen Hier und Jetzt angekommen wären, in der zeitgenössischen Malerei. Auf einem der Fotos sehen wir die Malerin neben einem abstrakten Picknick. «Links lässt sich eine Person erkennen, unten in der Mitte das ausgebreitete Picknicktuch.» Und das orange Rechteck rechts?» – «Das überlasse ich Ihrer Fantasie, jede und jeder sieht darin etwas anderes.» Wie hat es mir der Künstler Alois Lichtsteiner einmal formuliert? Zeitgenössische Kunst bestehe darin, dass sie nur die Hälfte des Gesamten ausmache. «Die andere Hälfte spielt sich in Ihrer Wahrnehmung ab, was Sie sehen und erahnen wollen.»
Zwischen den Welten
Kunstkritiker stufen sie als Künstlerin mit Abstraktem und Figurativem ein, zwischen Expressionismus und Körpern jenseits klassischer Schönheit, durchaus auch mit politischen Botschaften. Auffallend dabei: Keine Kunstkritik vergleicht sie mit anderen Malenden, was wiederum kein Wunder ist. Daniela Camponovo lässt sich in keine Schublade stecken. Sie ist ebenso provokativ wie fordernd sich selber gegenüber, ebenso Lamm wie Wolf. Über alles gesehen: eine aussergewöhnliche Malerin.