Snooker ist im Grunde eine Art Schach auf grünem Tisch, nur mit Kugeln, Stöcken (Queues genannt) und sehr viel innerem Leiden. Zwei Leute stehen an einem riesigen Tisch und tun so, als wäre es völlig normal, mit einem Stock eine weisse Kugel millimetergenau durch die Gegend zu schieben, bis eine andere Kugel in einer der sechs Taschen landet. Ziel ist es, abwechselnd rote und andersfarbige Kugeln zu versenken und dabei möglichst mehr Punkte als der Gegner zu sammeln. Der Witz dabei: Rot bringt erstmal nur einen Punkt. Die anderen Farben zählen mehr. Und weil es einfach ja langweilig wäre, muss eine klare Reihenfolge beachtet werden. Wenn man die nächste Kugel nicht anspielen kann, versucht man, den weissen Spielball so fies zu hinterlassen, dass der andere Spieler das auch nicht kann. Er wird «gesnookert».
Kurz gesagt: Snooker ist ein Sport für Menschen, die Ruhe, Präzision und strategische Kriegsführung lieben. Jeder einzelne Stoss kann aussehen, als hätte ihn ein Mathematikprofessor mit psychologischer Ausbildung geplant. «Ich vergleiche den Sport gerne auch mit einem Auftritt im Theater. Man tritt auf die Bühne, und alles wartet gespannt», sagt Franz Stähli. Er ist Geschäftsführer des Snooker- und Billardcenters, Organisator des Turniers Bern Open und seit bald 15 Jahren Präsident der Sektion Snooker im Schweizer Billardverband.
International besetzt: Das Bern Open 2026
70 Spielerinnen und Spieler fanden den Weg nach Bümpliz und kämpften am Bern Open um Titel, Preisgeld und Prestige. Mit dabei waren zahlreiche bekannte Namen der internationalen Snookerszene wie der Schotte Ross Muir, die Ukrainer Julian Boiko und Anton Kazakov sowie der Schweizer Alex Ursenbacher. Auch erfahrene Ex-Profis wie Mark King und Darren Paris sorgten für grosse Aufmerksamkeit beim durchwegs sachkundigen Publikum. «Die alten Füchse haben es nicht verlernt.» Ergänzt wurde das starke Teilnehmerfeld durch viele ambitionierte Amateurspieler aus der Schweiz und aus dem nahen Ausland. Vier Schiedsrichter (sorry: Referees) sorgten für regelkonformes Zählen und Platzieren der glänzenden Kugeln, selbstverständlich mit weissen Handschuhen. Nach dem Start im Billardcenter Brunnhof im Jahr 2013 fand das Turnier dreimal in Folge statt. Danach war Pause bis im Jahr 2021, als das neue Lokal Benteli‘s eröffnet wurde. Von Jahr zu Jahr wuchs dieser Anlass. 2026 werden alle Spiele dort ausgetragen. Für die nächstjährige Ausgabe sollen im nahegelegenen Sternen-Saal weitere Tische und Zuschauerplätze installiert werden. Da herrscht grosse Vorfreude unter den Snooker-Fans.
Sieg eines Favoriten
Dieses Jahr gewann der Engländer Ashley Hugill. Mit einem überzeugenden 4:1-Finalsieg über Darren Paris aus Adliswil sicherte sich der Brite seinen bereits dritten Titelgewinn nach 2022. Er wird bestimmt auch im Sternen-Saal wieder dabei sein, vielleicht wieder mit Ross Muir, der das höchste Break mit 146 von 147 möglichen Punkten erreichte. Davon können Einsteiger nur träumen. Besonders packende Spiele vom Turnier können jederzeit noch in den Livestreams von Benteli‘s TV betrachtet werden. Etwas einfacher als Snooker ist Poolbillard, das auf Neun-Fuss-Tischen von 254 x 127 cm gespielt wird, meist mit acht oder neun Kugeln. Ziel ist es, die farbigen Objektkugeln regelkonform mit dem weissen Spielball in die vorgesehenen Taschen zu versenken. Zwei Events sind auch für Zuschauer hochspannend: Benteli‘s Jackpot Series vom 11. Juni und dann am Sonntag danach gleich Benteli‘s Sunday 10-Ball-Open.
Billard mit der Grossmutter? Ja, klar!
Das Spiel mit den farbigen Kugeln erfordert keine langen Trainingslager. Für Einsteiger beginnt der Spass meist beim Schnupperkurs vom BSC Bümpliz, jeweils am Mittwoch ab 18 Uhr. Dann gibt es auch passende Kurse am Montag- und Mittwochnachmittag ab 14 Uhr oder abends. Da können Kinder ab sechs Jahren mitmachen, betreut von einem Trainer oder einem erfahrenen Clubmitglied. Alles nötige Material steht zur Verfügung. Ganz neu lädt Christoph Kupferschmid zum «Training und begleiteten Spiel für Golden Agers» ein, jeweils am ersten Montag des Monats. Niemand ist zu alt, um die weisse Kugel zu treffen. Fast alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen haben sich schon spannende Snooker-Duelle im Fernsehen angeschaut, zuhause auf dem Sofa. Aber selber Billard spielen? «Sicher. Wir amüsieren uns köstlich.»