Auf einem Spitalschiff

Thomas Bornhauser
Alina Klemm, inmitten anderer Crewmitglieder.

Foto: zvg

Einfach erklärt

Alina Klemm aus Bümpliz hat zwölf Monate auf einem Spitalschiff gearbeitet. Die Global Mercy liegt zurzeit in Freetown im westafrikanischen Sierra Leone vor Anker. Hier werden Menschen mit wenig Hab und Gut oder ohne Dach über dem Kopf kostenlos medizinisch betreut.

Man kann eine Unbekannte – in diesem Fall für unsere Serie «Zufällig getroffen» – auch auf Umwegen zum Gespräch bitten, wie heute Alina Klemm, die im Moment beim Pfisternbeck im Bachmätteli beschäftigt ist. Der Tipp kam bei einem Treffen mit Markus Gerber, Schulleiter des Schwabgut, der von einer ehemaligen Schülerin sagte, sie sei eine «aussergewöhnliche» junge Frau. Er sollte Recht behalten.

Alina Klemm, Ihre Beziehung zu Bümpliz?

(Lacht.) Bümplizerin durch und durch. Hier geboren, hier aufgewachsen, hier zur Schule gegangen – ich wohne auch noch zuhause bei meinen Eltern.

Ihre Ausbildung auch in 3018?

Nein, ich wurde während drei Jahren in Lyss im Hotel Weisses Kreuz zur Hotelfachfrau ausgebildet. Als vorgesehene Zwischenlösung habe ich in den Verkauf beim Pfisternbeck im Bachmätteli gewechselt. Mein Wunsch war es immer, ins Ausland zu gehen – sei es zum Reisen oder um zu arbeiten. Also habe ich zu suchen
begonnen.

Und gefunden?

Ja, auf eher ungewöhnliche Weise, mit freundlicher Beteiligung meines Vaters, der mir einen Link zu den Mercy-Spitalschiffen gezeigt hat: mercyships.ch Diese Hilfsorganisation – der Schweizer Sitz ist in Belp – suchte jemanden im Bereich Hotellerie, also habe ich mich schlau gemacht. Es handelt sich um eine internationale, christlich motivierte Hilfsorganisation, die seit 1978 Schiffe in Entwicklungsländern betreibt, derzeit die Global Mercy – auf der war ich – und die Africa Mercy, die beiden grössten zivilen Spitalschiffe der Welt. Sie behandeln dank der gemeinnützigen Arbeit der Crew Patienten kostenlos, unabhängig von deren Religion, Herkunft oder Geschlecht.

Haben Sie auf dem Schiff in der Hotellerie gearbeitet?

Ja. Als ich die Zusage erhielt, bin ich via Brüssel nach Freetown geflogen, der Hauptstadt von Sierra Leone in Westafrika. Die Global Mercy ist gegenwärtig dort im Einsatz, wird aber nächstes Jahr einen anderen afrikanischen Hafen anlaufen. Ich habe mich für zwölf Monate verpflichtet. Als Teamleiterin war ich mit fünf Kolleginnen und Kollegen dafür verantwortlich, die Kabinen des 600-köpfigen Bordpersonals aus den verschiedensten Berufsrichtungen sauber zu halten. Ein Schlendrian bei unserer Arbeit lag nicht drin (schmunzelt). Wir waren auch für das Einchecken neuer Crewmitglieder zuständig. Dabei handelt es sich ausschliesslich um Freiwillige, Kost und Logis sind inbegriffen, mehr nicht.

Und wie kommen die Patientinnen und Patienten an Bord?

Wie alles andere auch ist dies von langer Hand geplant. Die Mitarbeitenden an Land organisieren die Aufenthalte der Patientinnen und Patienten, die auf dem Schiff betreut werden und so lange an Bord bleiben, wie es ihre Situation erfordert. Es handelt sich durchaus um arme Menschen, die sonst keinen Zugang zu medizinischer Betreuung hätten. Auf der Global Mercy sind weit über 150 Patientenbetten und sechs Operationssäle vorhanden. Die Freiwilligen verpflichten sich je nach Arbeitsbereich für unterschiedliche Zeitspannen.

Sie waren zwölf Monate dort.

Genau. Die Organisation hat mich gefragt, ob ich bereit wäre, zwölf Monate zu bleiben. Sie würden mir dafür den Job als Teamleiterin anbieten. Die Ärzte aus aller Welt wechseln hingegen in kurzen Abständen. Die meisten bleiben nur zwei Wochen, das Pflegepersonal drei Monate. Sie sehen: Es ist ein ständiges Kommen und Gehen.

Bordsprache?

Englisch – für mich kein Problem. Ich bin zweisprachig aufgewachsen, mein Vater stammt ursprünglich aus Südafrika. Und bevor Sie fragen: Ich habe alles selber finanziert. Weil ich meistens zuhause gewohnt habe, konnte ich einiges zur Seite legen. Die Krankenkasse und andere Kosten in der Schweiz galt es weiterhin zu zahlen.

Chapeau. Freizeit – gab es das?

Ja, ich hatte – wie die anderen Kolleginnen und Kollegen an Bord auch – einen geregelten Arbeitsvertrag mit zwei freien Tagen pro Woche. Diese Zeit habe ich genutzt, um Land und Leute von Sierra Leone kennenzulernen. Das macht man meistens in Gruppen, nicht allein. Besonders eindrücklich sind die Freundlichkeit und Herzlichkeit der Menschen dort. Sie sind arm, leben in bescheidenen Verhältnissen, haben jedoch eine Lebensfreude, die ansteckend ist – ganz anders als in Wohlstandsländern.

Und nach Ihrer Rückkehr haben Sie wieder den Weg ins Bachmätteli gefunden.

Genau, wir sind ein tolles Team hier. Ich bin inzwischen stellvertretende Filialleiterin bei Eva Adorjan. Mein Weg ist hier aber nicht zu Ende. Ich möchte als Backpackerin zusammen mit einer Freundin wieder auf Reisen gehen – nach Südamerika. Und was dann kommt? Schauen wir mal.

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