Kleine Lebensschule

Thomas Bornhauser
Familie Gobeli fährt demnächst nach Italien.

Foto: BO

Einfach erklärt
Familie Gobeli aus Frauenkappelen spaziert fast jeden Sonntag zum Zmittag ins Westside. Demnächst fahren Ilona, Geri, Emma und Maro für zwei Monate nach Süditalien. Das Leben auf engstem Raum schweisst die Familie zusammen.
Bewusst haben wir den Sonntagnachmittag für das Interview gewählt. Was sind das wohl für Zeitgenossen, die zum Beispiel die Olympischen Spiele – zum Zeitpunkt unseres Gesprächs – nicht verfolgen? Ilona Gobeli lüftet dabei das letzte grosse Geheimnis der Menschheit rund um den Schweizer Abfahrts-Olympiasieger.

Ilona Gobeli, kein Interesse an Sport, dass Sie heute Mittag mit der Familie im Restaurant sitzen?

Doch, schon, die Herrenabfahrt habe ich als Odi-Fan geschaut, bin «scho e chly truurig», dass es für ihn in der Königsdisziplin nicht für eine Medaille gereicht hat, vor allem für Odi selber.

Sagen Sie, was ich bis jetzt nicht herausgefunden habe: Woher kommt der Vorname Franjo von Allmen?

(Lacht) Laut Taufschein heisst er Franz-Joseph von Allmen.

(Jetzt schmunzle ich.) Danke für die Nachhilfestunde. Retour ins Westside. Waren Sie mit den Kindern jetzt baden?

Nein, zusammen mit meinem Mann Geri und den Kindern Emma (6) und Maro (4) spazieren  wir in fünf Viertelstunden fast jeden Sonntag von Frauenkappelen ins Westside und verpflegen uns hier meistens mit Sushi. Das heisst: Geri und ich, die Kinder wissen, was sie wollen. Und retour nehmen wir jeweils den öV.

Die Kinder, McDonalds?

Genau, ist ja nicht schwer zu erraten (lacht). Übrigens ist heute ein besonderer Tag, nämlich unser Hochzeitstag.

Gratulation. Weil wir immer mit einem leeren Blatt aufkreuzen, noch ahnungslos, was niedergeschrieben wird: Was beschäftigt Sie im Moment?

(Ganz spontan) Unsere bevorstehenden Ferien. Wir können Emma und Maro für zwei Monate aus dem Kindergarten und der Spielgruppe nehmen und werden mit unserem Wohnwagen wieder in den Süden von Italien fahren – zuunterst an den Stiefel, in Richtung Lecce, via Adria. Den Rückweg nehmen wir über die andere Küstenseite unter die Räder. Ach ja, wenn immer möglich besuchen wir auf der Hinreise Bekannte und Familienangehörige in Verona.

Dann sind Sie bestimmt ein guter Tenor, Geri Gobeli…

(Mit Augenzwinkern) Eher nein, ich bin mehr der Pizza-/Vino-Typ.

Das interessiert jetzt, Geri Gobeli: Weshalb Wohnwagen während zwei Monaten, auf kleiner Fläche mit zwei Kindern?

Da müssen wir zurückblenden. Als Ilona und ich uns kennenlernten, haben wir festgestellt, dass uns Camping passt, zuerst nur in Zelten. Aber die Liebe zu dieser Art von Entspannen ist uns geblieben, deshalb später auch der Kauf eines Wohnwagens, Marke Fendt, wie die landwirtschaftlichen Geräte von Fendt.

Tönt ihr Wohnwagen entsprechend nach Traktor?

Achtung… Wir haben einen Wohnwagen, keinen Camper.

Das sehen Sie, wie viel Ahnung ich habe, ist nicht meine Kernkompetenz…

Kein Problem. Als Zugfahrzeug fahren wir einen VW T6, der viel Platz für Gepäck bietet. 

Befinden sich die Velos im Wohnwagen?

Keine Velos, aber Trottis. Wissen Sie, in einem Wohnwagen lernt man seine Familie so richtig kennen, da ist man auch ein Team, und das klappt – wenigstens bis jetzt – bei uns hervorragend. Für Emma und Maro ist es im weitesten Sinn auch eine kleine Lebensschule. 

Wie ist das zu verstehen?

Wir fahren immer ans Meer, das ist ein Muss. Und dort trifft man natürlich auf viele Familien mit Kindern. Emma und Maro lernen so auf spielerische Weise Fremdsprachen, unterhalten sich zuerst mit Händen und Füssen, nach erstaunlich kurzer Zeit verständigen sie sich ohne Gestik. Ich finde das super. Kommt hinzu, dass es in einem Wohnwagen keinen Platz für Ego-Trips gibt. Man nimmt auf andere Rücksicht.

 Was sagen Ihre Bekannten und Freunde, wenn sie von diesen 8-Wochen-Ferien erzählen? Bewunderung oder Neid?

Das kommt wohl darauf an, mit wem man spricht. In unserer Verwandtschaft findet man das super, auch bei unseren guten Bekannten. Was andere dazu sagen? Keine Ahnung, vor allem nicht hinter vorgehaltener Hand. «Aber das isch ja o glych…»

Was hat der Gipser- und Malermeister sonst für Hobbys?

Ein Böötli auf dem Wohlensee. Damit gehe ich mit den Kindern auf Fischfang, habe selbstverständlich ein entsprechendes Patent. Bis jetzt hatten wir 2026 jedoch noch kein Glück.

 Die Fische klammheimlich also vom Grossverteiler?

Neiiiiin…

Adesso, buon viaggio!

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