Eltern von Fussball spielenden Kindern kennen es: Vom Frühling bis in den Herbst stehen sie Wochenende für Wochenende am Spielfeldrand von Rasenplätzen aus der ganzen Region, im Winter stehen Hallenturniere an. Die aktiven Mannschaften hingegen geniessen zwischen November und März eine Winterpause. Alle Spielerinnen und Spieler? Nein – seit diesem Herbst hat der FC Bethlehem auch zwei Futsal-Teams: eines der Aktiven in der Swiss Futsal Women’s Second League SFWSL und ein FF14-Team.
Attraktiv dank Tempo
Futsal, die international anerkannte Variante von Hallenfussball, besticht durch das meist höhere Tempo, bedingt durch das kleinere Spielfeld, die bloss vier Feldspielenden – die zudem fliegend wechseln dürfen – und Regeln wie jene, die ruhende Bälle oder Rückpässe zum Goalie weniger oder nur wenige Sekunden lang erlauben. In der Schweiz ist das «kleine Geschwisterkind» des Fussballs noch wenig bekannt, doch gerade in und um Bern gibt es mit Futsal Minerva und Mobulu Futsal Uni Bern zwei ganz starke Clubs.
Im Technischen profitieren
«Spielerinnen der 2.- und 4.-Liga-Teams bekundeten Interesse an der Gründung einer Futsal-Mannschaft», erzählt Club-Präsident Michael Ramseier. Auch der Sportchef der Damen weibelte dafür. Beim Vorstand stiessen sie auf offene Ohren, obwohl das Projekt Mehrkosten mit sich bringt. «Wir erhoffen uns, dass die Spielerinnen vor allem im technischen Bereich profitieren und das Gelernte in die normale Meisterschaft mitnehmen können», erklärt Ramseier. «Mit der zusätzlichen Halleneinheit trainieren sie nun dreimal wöchentlich und bestreiten auch im Winter Wettkämpfe.»
Schub für die Weiterentwicklung
Zudem gebe das Pilotprojekt dem ganzen Club Schub. Dieser befindet sich aktuell in einer Weiterentwicklung, so Ramseier. Er hat den langjährigen Präsidenten Jörg Schüpbach letzten Herbst abgelöst. In den vergangenen zwei Jahren wurde zudem bei den Herren viel aufgebaut. Hervorzuheben ist etwa die Verpflichtung von Patrick Dürig (YB, Münsingen, Esperia, Ostermundigen) als Trainer der 1. Mannschaft der Männer im April 2024. Apropos Trainer – auch im Bereich Futsal ist den Verantwortlichen ein Coup gelungen: Mitte Dezember übernahm Philipp Eich das Traineramt der Aktiven. Der ehemalige Profispieler (YB, Mannheim, Winterthur, Breitenrain) soll die richtigen Impulse setzen, damit die motivierten Spielerinnen fortan auch punkten. Denn aus den bis Redaktionsschluss drei gespielten Begegnungen resultierten null Punkte. Die Liga ist mit sieben Mannschaften überschaubar, allerdings finden die Spiele in der ganzen Schweiz statt, die Reise geht etwa bis ins Tessin oder an den Zürichsee. «Klar, die Reisetätigkeit bedeutet einen ziemlichen Aufwand», gibt Ramseier zu, «doch das gemeinsame Reisen sowie die zusätzlichen Spiele fördern den Teamgeist.»
Stärkerer Zusammenhalt
Überhaupt möchte der Vorstand das Familiäre im Verein wieder verstärkt ins Zentrum stellen. Mit seinen zahlreichen Juniorinnen- und Juniorenteams ist der FCB klar ein Breitenfussballverein. «Wir haben eine starke Jugendbewegung und möchten diesen Weg weitergehen.» In Zukunft möchten die Verantwortlichen die Damen und Herren näher zusammenbringen, so, wie es schon früher der Fall gewesen sei. «Da gingen die Männer viel häufiger die Matches der Frauen schauen – und umgekehrt. Leider hat das in den letzten Jahren abgenommen», konstatiert der Präsident. Doch es gäbe auch Lichtpunkte: «Als die Junioren C ihr Aufstiegsspiel hatten, sah ich unter den Zuschauern manche Aktive der Frauen wie auch der Männer sowie viele Juniorinnen und Junioren», freut er sich. Der Austausch innerhalb des Clubs dürfte einfacher gepflegt werden können, wenn der neue Rasen im Brünnenpark gewachsen ist und bespielt werden darf. Bis dahin gastiert der FCB auf der Bodenweid und weiteren Plätzen – ohne Clubhaus. Dass aktuell das Bauernhaus beim Spielfeld umgebaut wird, vereinfacht das Ganze nicht. Doch von dem dort geplanten Jugendzentrum erhofft sich Ramseier auch den einen oder anderen schönen Nebeneffekt, etwa weitere Spielende in den Nachwuchsteams.
Bis die Rückrunde für die Fussballmannschaften im Frühling beginnt – noch ist nicht klar, ob der neue Rasen bis dahin bereit ist – absolvieren die Futsalspielerinnen noch drei Matches. Nicht viel Spielzeit unter dem neuen Trainer, dessen ist sich auch Ramseier bewusst. Der Vorstand werde sich im Frühling Gedanken darüber machen, ob der Pilot in die Verlängerung geht oder gar auf die Männer ausgedehnt wird. «Entscheidend wird auch sein, wie gross das Interesse der Spielerinnen nach dieser Saison noch ist», ordnet er ein. Und fügt guten Mutes an: «Bis jetzt ist es sehr positiv.»
Futsal-Spiele
Der FC Bethlehem absolviert seine Futsal-Heimspiele in der Sporthalle Wankdorf. Bis Ende Saison bestreitet er noch drei Spiele, davon eines daheim. Die Spielerinnen freuen sich über viele Zuschauende.
– Sa, 31. Januar, 16 Uhr,
SC Rappiranhas (Jona)
– Sa, 7. Februar, 13 Uhr, US
Jogaleros Brissago (Bonstetten)
– So, 15. Februar, 17.30 Uhr, Futsal Minerva 2 (Sporthalle Wankdorf)