Letzter Halt

Marc de Roche
Die letzte Fahrt.

Foto: MDR

Einfach erklärt
An der Haltestelle Stöckacker halten jetzt keine Züge mehr. Erst Ende 2027 wird dafür am Europaplatz Nord die neue Station eröffnet. Wer in die Stadt oder ins Westside will, nimmt die Tramlinie Nr. 8.
Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember wurde der Bahnhof Stöckacker zugunsten des Baus des neuen Bahnhofs Europaplatz Nord aufgehoben. Bis dieser voraussichtlich im Dezember 2027 mit den ersten zwei Perronkanten in Betrieb geht, fehlt auf der Linie Bern–Neuenburg ein Bahnhof. Mit der Tramlinie 8 bleibt das Stöckacker-Quartier aber auch währenddessen an den öV angeschlossen.

Mit je einem lauten und langen Signalton bei Ein- und Ausfahrt und der Anzeige «Danke Stöckacker» bedankten sich die Lokführer am 13. Dezember für mehr als ein Jahrhundert Fahrgäste. Fast 1000 Reisende benutzten diese Haltestelle täglich. Die Schlies-sung wurde zwar an der Haltestelle selbst eher diskret angekündigt, aber im ganzen Quartier wusste man Bescheid. Am letzten Betriebstag äusserten sich nur jene Pendlerinnen und Pendler negativ, die am Bahnhof Bern auf einen weiteren Zug zum Arbeitsort umsteigen müssen. In Zukunft dauert ihre Reise etwas länger. Eine Frau wies ausserdem darauf hin, dass der Einkauf im Westside bisher sehr bequem gewesen sei. «Mit dem Tram schleppe ich meine Taschen ein paar hundert Meter weiter und nehme halt jetzt vielleicht öfters das Auto.»   

Neu mit dem Velo oder Bus

Und in der Studentenresidenz Stöckacker, aus der fast 50 Studierende täglich zur Uni und zurück in die Länggasse fahren? «Wir nehmen kaum das Tram, sondern bummeln zum Weyermannshaus und nehmen dort den Bus aus Hinterkappelen», erklären sie. «Ich habe mir ein Velo gekauft», sagt jemand anderes. Mit Wehmut nimmt auch Fritz Schmid vom Quartierleist Abschied von der Haltestelle. Er sieht aber auch viel Positives. «Stöckacker und Untermatt kriegen in den nächsten Jahren neuen  Wohnraum, grosszügige Grün- und Freizeitanlagen, Arbeitsplätze, Gastronomie und Kultur sowie optimale Verkehrsverbindungen am Europaplatz.» 

Wichtige Verbindung

Trotz der Verschiebung der Haltestelle Stöckacker nach Osten bleibt die bestehende Personenunterführung Untermattweg eine wichtige Verbindung zwischen den umliegenden Quartieren, insbesondere auch für Schulkinder. Mit der geplanten Entwicklung des Areals Weyermannshaus West wird ihre Bedeutung weiter steigen. Deshalb saniert und wertet die Stadt die Unterführung auf: Sie erstellt alle Zugänge (Rampen und Treppen) neu und gestaltet sie hindernisfrei. Zudem erneuert sie die Beleuchtung. Auf der Nordseite entsteht ein neuer Zugang direkt zum Areal Weyermannshaus West.

Der Rückbau der Haltestelle beginnt in den nächsten Wochen. Die Weiterführung der Unterführung Richtung Norden, einschliesslich des Zugangs zum Areal Weyermannshaus West, sowie die Rampe zum Untermattweg werden im Rahmen der Arbeiten am Areal Weyermannshaus West wohl erst 2029 realisiert.

Unterführung benutzen
Anwohnende beobachten immer wieder Personen, welche die Gleise überqueren, um auf die gegenüberliegende Seite zu gelangen. Diese haben die Sperrkette tiefer gehängt, damit sie ungehindert darübersteigen können. Das sei gefährlich und deshalb keine gute Idee, sagt die BLS. Dazu sei die bestehende Unterführung da.

Die Haltestelle in den Schlagzeilen
Im Jahr 1972 schaffte die Haltestelle Stöckacker den Sprung vom Berner-Vorort-Dasein zu internationaler Berühmtheit. Ein Zug war zu früh abgefahren, noch bevor der Kondukteur gepfiffen hatte. Der Übeltäter: ein Beo, der in einem Käfig auf einem Balkon nahe der Bahnstrecke in der Volière sass und offenbar gelernt hatte, den langen Pfiff zu imitieren. Über den Vorfall muss die Depeschenagentur offenbar berichtet haben, da die Nachricht von den Zeitungen in ganz Europa verbreitet wurde. Die BLS hat den Besitzer des Beos dringlichst angehalten, seinen gefiederten Lausebengel vom Balkon in die Stube zu zügeln.

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