Es ist eine Reise in die Vergangenheit, wenn man sich mit Kurt Brönnimann unterhält. Geboren wurde er in Bern im alten Frauenspital. Zur Schule ging er im Wylerdörfli, die Familie wohnte damals im sogenannten Arbeiter-Wylerhüttli-Quartier. «Darüber gibt es sogar ein Buch», sagt er. Am 23. Oktober 1959 folgte der Umzug an die Fellerstrasse 40, bevor Brönnimann schlussendlich an die Waldmannstrasse zog.
Als Kutschen lackiert werden mussten
Gelernt hat Kurt Brönnimann den Beruf eines Auto- und Wagenlackierers bei der Robert Fisler AG an der Looslistrasse. Wagen deshalb, weil es damals in der ersten Hälfte der Sechziger-jahre noch galt, Kutschen flott aussehen zu lassen – vermutlich ähnlich jenen, die der Bundesrat zum Neujahresempfang mit den Botschaftern auffahren lässt. Er wechselt nach seiner Lehre als Industriemaler zu den Emch Aufzügen, wo es ihm jedoch nicht wirklich gefällt. Nächste Station: Schlotterbeck mit der Citroën-Palette an der Freiburgstrasse. Seine letzte Station bis zu seiner Pensionierung vor 16 Jahren ist der kantonale Autobahnwerkhof, wo Brönnimann 36 Jahre als Allrounder arbeitet. Winterdienst, Toiletten reinigen, Mähen, Wildzäume flicken. Unterhaltsarbeiten der verschiedensten Sorte.
Das Restaurant Tscharnergut war «ganz viel früher» nur ein Tea-Room, alkoholische Getränke gabe es auf der Karte nicht. «Fürs Bier sind wir jeweils ins Restaurant Nordbahnhof zu Maria und Enzo Castaglione.» Es sei ein wunderbarer Ort gewesen, beschreibt Brönnimann. «Mit vielen Kastanienbäumen, die sogar den Regen abgehalten haben, so dass wir draussen sitzen bleiben konnten.» Es sei eine Schande, dass das Haus abgerissen worden sei. «Heute undenkbar.»
Das Einkaufszentrum 1959
Als Kurt Brönnimann mit der Familie an die Fellerstrasse zieht, 1959, gibt es weit und breit keine hohen Wohnblöcke; «nur einzelne kleine». Das Tscharnergut beginnt ab 1963 zu wachsen, unter anderem mit einem kleinen Einkaufszen-trum, das demnächst einer Alterssiedlung weichen muss. Brönnimanns Gedächtnis ist phänomenal. «Es gab dort einen Coop. Eine Bäckerei, eine Metzgerei, einen Milchladen, einen Coiffeur, einen Optiker und einen Kiosk.» – «Und einen Schuhmacher», ergänzt er. Heute, gemäss dem, was man so höre, würden dort in der neuen Überbauung ein Denner Discount, eine Apotheke und die Post einziehen. Natürlich habe sich im Vergleich zu früher einiges verändert. «Früher kannte man sich persönlich, heute ist das anders. Weiter ist das Quartier heute multikultureller, das führt gelegentlich zu sprachlichen Hindernissen», schildert er seine Beobachtungen.
YB-Fan durch und durch
Die Uhr, die Brönnimann trägt, fällt auf. Sie ist nicht bloss ein Zeitmesser, sondern beinhaltet kleine Überreste des alten Wankdorfstadions. «Die silberne und die goldene Ausführung gibt es einzig in einer Auflage von je 3000 Exemplaren.»
1953 geht Kurt Brönnimann erstmals an einen YB-Match. Man erinnert sich: Matchprogramm mit Tottomat, Flusco, YB-Wurst. «Meine Schulfreunde und ich sammelten jeweils Pfandflaschen. Dafür gab es 30 Rappen pro Stück». So sei es vielfach vorgekommen, dass das gesammelte Pfandgeld die Preise der Eintritttickets bei weitem überstiegen habe.
Und an ein Spiel erinnert er sich ganz speziell – an das Halbfinal-Hinspiel im Europapokal der Landesmeister gegen Stade Reims, als 63’000 Zuschauende (!) anwesend waren und Geni «der Bomber» in der 13. Minute das einzige Tor schoss. Leider setzten sich die Franzosen im Rückspiel mit 3:0 durch.
«Heute sitze ich bei den Spielen übrigens neben dem Mann einer bekannten Gemeindepräsidentin», verrät er mit einem Lachen.