Der Biber spielt eine wichtige Schlüsselrolle für die Artenvielfalt der Gewässer und der angrenzenden Lebensräume. Zudem erhöhen Biberteiche die Widerstandsfähigkeit der Gewässer gegenüber Klimaeinflüssen: Sie speichern Wasser in der Landschaft, führen dem Grundwasser Reserven zu und können dazu beitragen, Bäche im Sommer kühl zu halten. Zudem wirken sie wie natürliche Kläranlagen, die helfen, Wasser zu reinigen. Nicht zuletzt können Biberfeuchtgebiete grosse Mengen Kohlenstoff speichern. Der Biber verdeutlicht, wie bedeutend naturbelassene Lebensräume sind und wie sehr sie das Ökosystem bereichern können.
Am Gäbelbach und am Wohlensee ist der Biber an mehreren Stellen heimisch, wobei sich seine Anwesenheit durch Bauten, gefällte Bäume und Dämme bemerkbar macht. Ein bewohnter Bau liegt in der Wohlei am Nord-ufer der Insel direkt oberhalb der Wohleibrücke und lässt sich gut beobachten.
Wir wollten spätabends von einem Biber wissen, wie es sich so lebt im Westen von Bern. Er gab zwar bereitwillig Auskunft, tauchte dann aber immer wieder unter Wasser, um irgendetwas an seinem Wohnkessel zu richten oder an einem Stamm die Rinde zu entfernen.
Das eigentliche Holz wird aber nicht gefressen. Dieses nutzt er als Baumaterial. Nur die nährstoffreiche Rinde sowie die Knospen werden als Nahrung verzehrt, auch im Winter. An Gewässern wachsen meist geeignete Weichholzarten wie Weiden, Pappeln und Erlen. Sie lassen sich leicht nagen. Mit viel Schilf werden die Bauten abgedichtet, bis der Damm das Wasser staut.
Unser Biber nagt gerade wie wild an seinem Holzstamm. Macht das nicht die Zähne stumpf, möchte ich von ihm wissen. Er schüttelt den Kopf und klärt mich auf, dass seine Schneidezähne mit eisenoxidhaltigem Zahnschmelz verstärkt seien. Beim Knabbern am Holz reiben die oberen und unteren Schneidezähne aneinander, und es entsteht eine scharfe, meisselförmige Kante. Der Zahn schärft sich wie ein Rasiermesser von selbst. Weil das Nagen an Stämmen die Zähne stark abnutzt, wachsen die Schneidezähne des Bibers ein Leben lang ununterbrochen nach. Sie legen jeden Tag bis zu einem Millimeter an Länge zu. Würde der Biber nicht ständig Holz nagen, würden die Zähne zu lang werden und ihn beim Fressen behindern. Das Nagen ist also gleichzeitig Abnutzung und lebensnotwendige Pflege.
Er sieht mich wohl nicht als Gefahr. Sonst würde er mit seiner Kelle, dem breiten Biberschwanz, laut auf das Wasser klatschen. Damit signalisiert er sonst den anderen Familienmitgliedern drohende Gefahr. Er schaut mich friedlich an und beginnt, seinen Pelz mit den Krallen säuberlich zu kämmen. Warum das? Menschliche Kopfhaut bringt es auf etwa 300 Haare pro Quadratzentimeter. Pro Quadratzentimeter Biberrücken wachsen hingegen 12‚000 Haare, auf dem Bauch sind es mit 23‚000 Haaren fast doppelt so viele. Zwischen zwei Pelzschichten bildet sich beim Abtauchen eine feine Luftschicht. Sie sorgt dafür, dass die Haut schön trocken bleibt. Zusätzlich dient sie als Wärmeisolation. Mit dem Imprägnieren seines Fells nimmt es der Biber ganz genau. Deshalb verbringt er viel Zeit mit der Fellpflege. Ich muss schmunzeln, und er verschwindet wieder in der Tiefe.
Wenn Biber Gärten besuchen
Die Nager steigen auch gerne einmal in nahe gelegene Privatgärten. Die Anwohnenden möchten aber den schönen Kirschbaum sicher nur ungern den Tieren als Baumaterial zur Verfügung stellen. Deshalb gibt es bei Stadtgrün ein praktisches Merkblatt «Biber in der Stadt Bern», das die besten Massnahmen für den Baumschutz wie Gitter und Schälschutzpaste erklärt.