Kunst geniessen – auch wenn der Sehsinn fehlt

Miriam Schwarz
Von Miriam Schwarz - Redaktorin
Jonny Müller mit dem Bild für seinen erblindeten Nachbarn.

Foto: zvg

Einfach erklärt
Der Künstler Jonny Müller hat für seinen erblindeten Nachbarn ein Bild erstellt. Es ist speziell zum Abtasten gemacht, damit auch blinde Menschen Bilder erkennen und sich an ihnen erfreuen können.
Jonny Müller ist seit 1969 künstlerisch tätig und hat noch lange nicht vor, in den Ruhestand zu treten. Getreu seinem Lebensmotto «Suchen, aber nicht alles finden» hat sein neustes Werk ihn gefunden: ein Gemälde für einen Blinden.

«Ich bekam von unserem erblindeten Nachbarn in Bümpliz den Auftrag, für sein Wohnzimmer ein Bild zu kreieren, nachdem eines seiner Landschaftsposter kaputt ging», beginnt Müller. Der Nachbar wünschte sich Berge, doch auf Müllers Vorschlag, für ihn Eiger, Mönch und Jungfrau zu malen, meinte er: «Nein nein, ich weiss noch, wie die aussehen.» So kam für Müller als Ostschweizer nur der Alpstein mit Säntis, Kronberg und vorgelegenem Golfplatz in Gonten in Frage. Der Künstler baute das Bild auf drei Ebenen reliefartig auf. Beim Säntis ist der Schnee gemalt und der Fels mit Granitgranulat aufgebaut. Beim Kronberg ist der Wald mit kleinen Dreiecken gestaltet und die Wiesen mit einer leichten Struktur versehen, ebenso der Golfplatz. Säntis, Kronberg und Golfplatz sind mit Blindenschrift angeschrieben, Müllers Signatur unten am Bild ist ebenfalls in Braille. Zwei Bergdohlen am Himmel, die auch zum Abtasten gemacht sind, komplettieren das Werk. «Mein Nachbar meinte zu mir: ‹Mach einfach etwas, was meinen sehenden Gästen gefällt.› Für mich war jedoch klar: Das Bild ist für ihn, also soll es in erster Linie  ihm gefallen. So war es für mich ein sehr berührender Moment, als mein Nachbar bei der Übergabe meinte: ‹Doch, das ist wirklich sehr schön geworden.›»

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