«Für gute Ausbildung muss man brennen»

Sacha Jacqueroud
Von Sacha Jacqueroud - Chefredaktor
Tobias Meyer erklärt den anwesenden KMU aus Köniz, anlässlich des Business-Lunches der Gemeinde Köniz, die Vorteile, am Top-Ausbildungsbetrieb-Programm teilzunehmen.

Foto: SJ

Einfach erklärt
Tobias Meyer gilt mit Bill und Meyer Gärten als Top-Ausbildungsbetrieb. Er erzählt vom „Top“-System. Es hilft der Firma bei den Standards für Ausbildung.
Es ist ein Entscheid mit Folgen. Für KMU bedeutet die Ausbildung von Lernenden einen Mehraufwand, dafür aber ist es eine Investition in die Zukunft. Noch mehr vom Mehraufwand macht die Firma Bill + Meyer Gärten. Freiwillig partizipieren sie am Programm «Top-Ausbildungsbetriebe» und haben dort als nur eines von sechzehn Unternehmen in der Schweiz die höchste Stufe erreicht. Ein Gespräch mit Tobias Meyer, weshalb sich dieser Schritt für sein KMU trotz hohem Aufwand lohnt.

Bill + Meyer Gärten gehört zu den nur 16 Betrieben in der Schweiz, die das Top-Ausbildungsbetrieb-Label auf Stufe 3 erreicht haben. Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie und Ihr Unternehmen?

Das ist eine grosse Ehre für uns und ist eine grosse Verpflichtung und Motivation zugleich.

Es ist eine Auszeichnung über die Ausbildung, welche wir hier bei uns anbieten. Die Stufe 3 erreichen nicht viele Unternehmen und da ist es natürlich auch selbstredend, dass man nicht stehen bleiben darf/will und sich laufend weiterentwickelt.

Für mich als Berufsbildenden bedeutet diese Auszeichnung eine motivierende Bestätigung für die geleistete Arbeit.

Der Weg zur höchsten Zertifizierungsstufe ist anspruchsvoll – mit Coachings, externen Assessments und Weiterbildungen. Ist das für ein KMU überhaupt stemmbar?

Da wir in der Lehrlingsausbildung schon sehr viel gemacht hatten, war der Schritt dazu nicht mehr so riesig. Das Zusammentragen und Dokumentieren aller erforderlichen Unterlagen beansprucht aber schon entsprechend Zeit. Für ein KMU, das zwar erfolgreich Lernende ausbildet, aber noch kaum etwas schriftlich dokumentiert hat, ist der Aufwand schon enorm gross. Auf jeden Fall muss man das Ganze mit viel Herzblut angehen und voll für die Sache brennen. Bis Stufe 2 ist der Aufwand aber sicherlich vertretbar und absolut zu empfehlen.

Die Ausbildung junger Berufsleute stellt heute hohe fachliche und soziale Anforderungen an Berufsbildnerinnen und Berufsbildner. Was macht aus Ihrer Sicht eine wirklich gute Lehrlingsausbildung aus?

Sich Zeit für die Lernenden nehmen. Klare Regeln und Abmachungen vereinbaren, aber auch genügend Freiheiten lassen und die Eigenverantwortung fördern. Die jungen Berufsleute wollen etwas leisten, sind motiviert und können sich gut selbst einschätzen. Wer weiss, was von einem erwartet wird, und das Ziel kennt, kann bessere Leistungen bringen und arbeitet selbstständiger.

Wichtig ist, die heutigen Jugendlichen zu verstehen, ohne von den eigenen Prinzipien abzuweichen.

Was würden Sie anderen Firmen sagen, die überlegen, ihre Ausbildungsqualität weiterzuentwickeln oder selbst das Top-Ausbildungsbetrieb-Label anzustreben?

Kleine Schritte, welche unmittelbar umgesetzt werden, sind erfolgversprechender als grosse Pläne, welche nie umgesetzt werden. Den Besuch des Top-Ausbildungsbetriebs-Kurses für die Stufe 1 kann ich absolut empfehlen. Auch die Kurse zur Stufe 2 und das Erlernen des IPERKA-Modells (informieren, planen, entscheiden, realisieren, kontrollieren, auswerten) sind super Möglichkeiten, um die Ausbildungsqualität zu verbessern. Wer keinen Kurs besuchen kann oder will, sollte mit dem Bildungsbericht anfangen. Halbjährliche Rückmeldungen an die Lernenden mit klar messbar formulierten Zielen, welche schriftlich festgehalten sind, können sehr viel bewirken.

Welche Vorteile und Impulse bringt das Label?

Es macht nach aussen hin sichtbar, welchen Stellenwert die Ausbildung bei uns hat und welche Qualität wir anbieten. Zugleich ist es auch eine Verpflichtung, in diesem Bereich stetig besser zu werden. Dies betrifft sowohl mich als Berufsbildenden wie aber auch alle Praxisbildner und jede und jeden einzelnen Mitarbeiter im Unternehmen.

Info: top-ausbildungsbetrieb.ch

Top-Ausbildungsbetriebe aller Stufen in der Region:
• Carrosserie G&G AG, Niederwangen
• Buffolino, Wohlen bei Bern
• Bindella tvv SA, Rest. Kornhauskeller & Bar, Bern
• Bill + Meyer Gartenbau AG, Köniz
• Simu dr Maler GmbH, Wabern
Bemerkung: Es handelt sich dabei lediglich um KMU, die diesem Modell folgen, andere Betriebe können genauso qualitativ hochwertige Lehrlingsbetriebe sein.

 

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