E skurrile Troum

Ursula Pinheiro-Weber
Der Fabian tätscht im Troum mit der Gutsche vom Jeremias Gotthälf zäme.

Foto: zvg

Einfach erklärt
Verstehen Sie die verwendeten Wörter? Zahlreiche sind auch heute noch in Gebrauch. Berndeutsch ist vorwiegend eine gesprochene Sprache. Wenn man den Text laut vorliest, wird die Sprache farbig und lebendig.
Der jung Wirtschaftsstudänt Fabian Heutschi intressiert sech nid nume für wirtschaftlechi Frage. Sit zwölfi isch är agfrässe vo de Gschichte vom Jeremias Gotthälf, däm Pfarrer u berüemte Schriftsteller us Lützelflüe. Dä het üs afangs 19. Jahrhundert e tiefe Yblick i di mönschlechi Seel u i d Wält vo de Buure ggä, u sys Sprachegmisch us Hochdütsch u Dialäkt fasziniert üse Fabian.

Einisch ire ysig chalte Winternacht het er e Troum: Bim Outofahre tätscht är uf ere Chrüzig zmittst im Ämmital ine Gutsche, wo langsam häre schnaagget. Em Fabian ischs ganz gschmuech worde. Är versteckt sech tiefer i sym Hoodie u ziet d Kapuze über d Stirne. Da stygt der Jeremias Gotthälf us der Gutsche, himpet dür ne Fläre Schneematsch u päägget: «Was bisch du für ne Glünggi?» Der Fabian fragt sech, ob dä villech gchäppelet syg. U seit: «Das tuet mir leid, aber werum syt dihr so aggro? Es isch ja nüt passiert.» Da tuet Gotthälf sy Chutte uuf u futteret: «Oh du verflüemerete Schwauderi! Aggro? I ha ke Acher deheime, aber my Gutsche isch hinde ganz ydrückt. I ha nüt falsch gmacht. Was mache mer?» 

Zäme rede

Da seit drufabe der Fabian: «I schicke öich es E-Mail, de chöit’er myni Kontaktdate downloade u my Versicherig kontaktiere. Die postet de die nötige Massnahme diräkt uf öjes Handy.» Der Gotthälf isch platt: «Was redsch du da? I eschtimiere dys Gschwafel gar nid. E-Mail? My Gutsche isch nid emailliert. Downloade? Zum Underelade ha ni ke Platz meh im Ahänger. Poste? Ga poschte mues i o nid u d Händ sy zum Glück no ganz. Oder was isch überhoupt es Handy?» U der Fabian: «So nes Alütiteili, es Telefon zum Umetrage, das het doch jede.» Gotthälf fingt dä Pralaaggi kurlig u meint, dä heig es Dürenand im Oberstübli u wöll doch alls nume vernüütige. U der Fabian fragt sech, wi si das Ganze wei agattige, we si sech gar nid chöi verstah…

Genau i däm Momänt erwachet der Fabian, ganz verhürschet. Gotthälf? Isch ja klar, dennzmal hets all di Grät u Wörter no nid ggä. Da lütet ds Telefon: «Hie isch ds Gotthälf Zäntrum Lützelflüe, grüessech Herr Heutschi. Mir hei hüt hinder em Museum uf der Weid öjes Handy gfunde. Chönntet’ers glägentlech cho abhole? Oder sölle mirs mit der Poschtgutsche schicke?» 

WAS GENAU?
schnaagge – kriechen
gschmuech – übel, schwach (vor Hunger, Hitze oder Beklemmung)
Gutsche f. – Kutsche
himpe – hinken
Fläre m. – ausgebreitetes Stück (Brot, Kot, Schnee)
päägge – schreien, heulen
Glünggi m. – Trottel
gchäppelet – betrunken
Chutte f. – Jacke des Männerkleides
futtere – schimpfen
verflüemeret – verflixt
Schwauderi m. – jemand der unüberlegt und aufs Geratewohl etwas tut oder redet
Alütiteili n. – Gerät zum Anrufen
Pralaaggi m. – Aufschneider, Prahlhans
Oberstübli n. – Gehirn, Kopf
vernüütige – als nichtig hinstellen, herabwürdigen
agattige – in Angriff nehmen
verhürschet – verwirrt
dennzmal – dannzumal, damals

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