Aussergewöhnliche Projekte

Julie Schulhofer
Der Verein Avertamain bekommt den 1. Preis für seine Arbeit in der sozialen Inklusion.

Foto: JS

Einfach erklärt
Jährlich verleiht der Samariterverein den Samariterpreis und den Prix Union. Dieses Jahr ging der erste Preis an den Verein Avertamain. Er setzt sich für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen ein. Mit den Auszeichnungen würdigt der Verein engagierte Projekte, Organisationen und Personen.
Mitte Juni findet im Stadttheater die 19. Ver­leihung des Samariterpreises und des Prix Union statt. Mitglieder, Gönne­rinnen und Gönner sowie Interessierte des Samaritervereins kommen zusammen für einen Abend voller Begegnungen, ­Anerkennung und Geschichten zusammen, die allesamt zeigen, wie viel Engagement in dieser Stadt steckt.

Die Samaritervereinigung der Stadt Bern vergibt die beiden Preise jährlich an Projekte, Organisationen oder Einzelpersonen, die einen besonderen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Dieses Jahr steht die Veranstaltung ganz im Zeichen der Inklusion. Die Hintergründe der Preisträgerinnen und Preisträger könnten unterschiedlicher kaum sein, doch eines verbindet sie: Sie schaffen Räume, in denen Menschen gesehen werden. Menschen, die oft eher am Rand der Gesellschaft stehen. Bei den diesjährigen Preistragenden gehen diese Personen nicht vergessen. Im Gegenteil: Sie werden zelebriert.

Begegnung statt Berührungs­angst

Den dritten Preis erhalten die Mitarbeitenden der Cafébar Vita B. Su Lizano ruft das Café im Kulturgut Bümpliz im September 2025 ins Leben. Der gleichnamige Verein Vita B führt das Café. Getragen wird das Projekt von Freiwilligen, die Inklusion nicht nur predigen, sondern leben. Zu fünft stehen Maja Häberli, Peter Wüthrich, Patrick Wellig und Daniel Knöpfel gemeinsam mit Su Lizano auf der Bühne. Was trägt zum besonderen Ambiente des Cafés bei? «Man wird dort als Mensch begrüsst», sagt Daniel Knöpfel. Ihr Ziel sei es, dass die Besuchenden das Café mit einem Lächeln verlassen. Die Gruppe zeigt sich sichtlich berührt, als sie den Preis und die Blumen entgegennimmt.

Medizinische Hilfe im Café

Der zweite Preis geht an das amm Café Med, ein Projekt, das den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt, indem es einfach zugängliche medizinische Beratung anbietet. «amm» steht für «Akademie Menschen Medizin». Im Generationenhaus beim Bahnhof arbeiten pensionierte Ärztinnen und Psychologen ehrenamtlich und bieten kostenlose Unterstützung für Menschen an, die keine anderen Möglichkeiten haben. Das Angebot stelle eine praktische erste Anlaufstelle dar, wenn jemand physische oder psychische Beschwerden hat. 

Alle Fachpersonen sitzen an einem Tisch; je nach Anliegen wird man an die passende Fachperson zugewiesen. «Wir nehmen uns viel Zeit», erklären Dr. Helen Hartmann und Dr. Hermann Saxenhofer. Das Konzept stammt aus Zürich, Bern hat es übernommen. Die grösste Herausforderung sei, dass viele Menschen das Angebot noch nicht kennen. «Wir haben viele Hausärztinnen, die mitwirken. Sie decken ein breiteres Spektrum ab, anstelle von Spezialisten», erzählt Hartmann. Der gewonnene Preis helfe, der Grundversorgung mehr Sichtbarkeit zu verleihen. Über eine Webseite versucht das Team, auf das Angebot aufmerksam zu machen.

Eigenständiges Leben ­ermöglichen

Den ersten Preis erhält der Verein Avertamain, der Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen ein selbstständiges Wohnen ermöglicht. «Menschen sollen da leben, wo sie sich wohlfühlen», sagt Geschäfts- und Heimleiter Ursicin Poltera. Gemeinsam mit Irina Nydegger nimmt er den Preis entgegen. Avertamain arbeitet personenzentriert – ein Ansatz, der Vertrauen schafft, aber auch herausfordernd bleibt. In Nachbarschaften fehle manchmal das Verständnis für Menschen, die anders ticken. «Dieses Vertrauen ist alles», betont Nydegger. Der Preis bedeute ihnen viel, denn ihr Beitrag richtet sich an Menschen, die sonst oft durchs Raster fallen.

Leben voller Engagement

Der diesjährige Spezialpreis geht an Elisabeth Weber, die sich seit 1968 für die Samaritervereinigung engagiert. Mit 18 Jahren tritt sie bei und ist seither Teil davon. Auf die Frage, weshalb sie damals beigetreten sei, antwortet sie lachend: «Das weiss ich auch nicht mehr.» Ein leichter, menschlicher Moment in einem Abend voller Wertschätzung.

Zukunftsenergie für Bern

Der Prix Union wird an das Berner Unternehmen Bym Solar GmbH vergeben. Geschäftsführer Yves Mertenat nimmt den Preis entgegen. Das Unternehmen setzt sich für erneuerbare Energie ein und öffnet seine Türen regelmäs­sig für Projektwochen: 30 bis 40 Kinder lernen dort, wie Strom produziert wird und wie grüne Energie funktioniert. Ein Beitrag der zeigt, wie früh Nachhaltigkeit erfahrbar gemacht werden kann.

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