Am Tag der offenen Werkstatt

Kurt Heilinger
Äthiopien: Der Rollstuhl ermöglicht diesem Mädchen selbständige Mobilität und die Teilnahme am Schulalltag.

Foto: zvg

Einfach erklärt
Der Verein «rollaid» hilft mehreren Menschen. Einerseits solchen in anderen Ländern, die Hilfe benötigen. Und auch jungen Leuten hier. Sie erhalten durch die Arbeit eine Tagesstruktur. 
Der Verein «rollaid» hat an der Freiburgstrasse in Bümpliz seinen neuen Werkstattstandort eröffnet und am 13. November zum Tag der offenen Tür eingeladen. Der Betrieb verbindet seit 2017 drei Bereiche: soziale und berufliche Integration von jungen Menschen, Recycling von wertvollem Material sowie humanitäre Hilfe in Ländern mit hohem Armutsdruck. Das Zusammenspiel dieser Elemente bildet den Kern der Arbeit des Vereins.

Jährlich sammelt der Verein «rollaid» in der Schweiz rund 1000 ausgemusterte Rollstühle und andere Hilfsmittel ein. Diese werden unter fachlicher Anleitung im Rahmen eines Tagesstrukturprogramms durch Jugendliche und junge Erwachsene repariert und wieder einsatzfähig gemacht. Ein grosser Teil dieses Materials geht an das Partnerprojekt Addis Guzo in Addis Abeba. 

Anfänge in Äthiopien

Vereinspräsidentin Christine Oberli und Gründer Bernhard Wissler hatten in den Jahren 2011 bis 2013 Addis Guzo in
Äthiopien aufgebaut. Aus einer kleinen Werkstatt entstanden dort über die Jahre ein anerkanntes Kompetenzzentrum und ein umfassendes Unterstützungsangebot für Menschen mit Behinderungen. Die steigende Nachfrage nach fachgerecht aufbereiteten Hilfsmitteln führte 2017 zur Gründung von «rollaid» in der Schweiz. Die Werkstatt wurde von Beginn an als Ergänzung zu Addis Guzo konzipiert und zwischen 2017 und 2025 in Zusammenarbeit mit dem Sozialunternehmen Qualifutura in Interlaken betrieben. 

Werkstatt in Bümpliz

Mit dem Ende dieser Kooperation per März dieses Jahres stand für den Verein eine Neuausrichtung an. Die Geschäftsleitung und der Vorstand überarbeiteten das Konzept und ergänzten das Team gezielt. Mit Martin Grossen als neuem Geschäftsführer und Nadine Bärtschi als Arbeitsagogin kamen zwei Fachpersonen dazu, die den Umbau der Werkstatt und die Weiterentwicklung des Betriebs engagiert mittragen. Gleichzeitig suchte der Verein nach geeigneten Lokalitäten in und um Bern. Die Wahl fiel schliesslich auf die Räumlichkeiten an der Freiburgstrasse in Bümpliz. Projektinitiator Bernhard Wissler beschreibt die Vorteile so: «Der Standort mit seinem Hinterhofcharme passt bestens zu unserer Recycling-Werkstatt. Die Räume liegen alle auf einer Ebene, haben viel Tageslicht und bieten genügend Platz für Werkstattbetrieb, Lager und Schulungsraum. Die Arbeitsatmosphäre ist wunderbar.» Zur Eröffnung erschienen zahlreiche Unterstützerinnen und Unterstützer, darunter Regula Rytz, ehemalige Nationalrätin und Präsidentin der Grünen Partei. Sie würdigte das Engagement des Vereins: «‹rollaid› vereint nachhaltige und soziale Aspekte, gibt Menschen eine Chance auf ein besseres Leben und schont dabei die Umwelt. Das kann ich voll und ganz unterstützen.»

Eine Chance für alle

Am Tag der offenen Tür war ebenfalls Claudia R. anwesend, die dem Projekt als ehemalige Teilnehmerin verbunden ist. Sie hatte 2019 selbst am Tagesstrukturprogramm teilgenommen, als sie sich in einer schwierigen Lebenssituation befand. 2024 schloss sie erfolgreich ihre Ausbildung zur Fachfrau Betriebsunterhalt ab. «Zu sehen, dass meine Arbeit in der Werkstatt einen konkreten Nutzen für Menschen in Äthiopien hat, war für mich sehr motivierend», erklärt sie rückblickend im Gespräch mit der BümplizWochen. Seit Kurzem ist auch die 17-jährige Ronja M. Teil des Programms. Sie nutzt die Tagesstruktur, um persönliche Stabilität zu entwickeln und berufliche Grundkompetenzen aufzubauen. «Als ich die Werkstatt zum ersten Mal gesehen habe, wusste ich sofort, dass ich hier arbeiten will», beschreibt sie ihren Einstieg. 

Mit dem Umzug nach Bümpliz, der Teamerweiterung und einem aktualisierten Konzept für die Tagesstruktur richtet sich «rollaid» für die kommenden Jahre neu aus. Der Verein bleibt seinem Grundauftrag treu: Ressourcen sinnvoll nutzen, junge Menschen stärken und gleichzeitig einen Beitrag zur internationalen Solidarität leisten. 

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