Heidi Kropf, erzählen Sie uns doch kurz aus Ihrer Jugend.
(Belustigt) Hoppla… Gleich mit der Tür ins Haus. Ich bin an der Lenk geboren und bin dort auch zur Schule gegangen. Gelernt habe ich Kauffrau in einer Metzgerei in Gstaad.
Und Sie, Ruth Sommer?
Ich bin in Feutersoey geboren und aufgewachsen.
Gstaad, bei Feutersoey?
(Lacht.) Wenn Sie so wollen… Zuhause waren wir fünf Geschwister. Unser Vater sagte uns, dass nicht jedes Kind eine Lehre machen könne, weshalb ich «nur» ein Jahr im Welschland verbringen konnte, in Corselles-près-Payerne. Zurück in der Deutschschweiz, habe ich in der Gastronomie gearbeitet, danach 29 Jahre beim BAND in Bethlehem.
Heidi Kropf, und Sie, der Metzgerei treu geblieben?
Jein. Ich war tatsächlich ein Jahr nach Lehrschluss bei der Metzgerei Richner in Bern beschäftigt, dann ging es für ein Jahr als Aupair nach London. Wieder in Bern hat mich Meinen angestellt, wo ich zweieinhalb Jahre im Büro tätig war.
BAND – wir haben kürzlich in der BümplizWochen einen Bericht veröffentlicht – in welcher Abteilung tätig, Ruth Sommer?
In der Kantine. Nun gut, heute spricht man etwas nobler vom Personalrestaurant, aber schliesslich ist es aufs Gleiche rausgekommen. Ah! Und bevor Sie fragen: Seit 48 Jahren bin ich mit Fritz verheiratet, wir haben eine Tochter, Manuela, und einen Sohn, Daniel. Ich bin auch Grossmutter, hüte an fixen Tagen, aber durchaus auch sporadisch. Man ist ja flexibel (schmunzelt).
Wie sieht es bei Ihnen aus, Heidi Kropf?
Zwei Töchter, Stefanie und Andrea. Übrigens, nach der Metzgerei Meinen habe ich beim Bund – nicht der Zeitung – gearbeitet, in der Abteilung Statistik, zuständig für die Übernachtungszahlen in den Hotels. Sie können sich ja vorstellen, mit welcher Freude man mir im Stress der Hochsaison Auskunft gegeben hat. Anschliessend hatte ich zehn Jahre lang einen Job bei der Bäckerei Christener, dann (überlegt kurz) … drei Jahre Cafeteria Swisscom, zwei Jahre Sportamt und zehn Jahre Empfang beim Bernaqua.
Und worüber plaudern die beiden Oberländerinnen, wenn Sie beim «Käffele» sind, Heidi Kropf?
Hallooo..? Wir plaudern nicht, wir unterhalten uns, führen Diskus-sionen, auch über Themen, die im Leben eine Rolle spielen. Ich hatte zum Beispiel in letzter Zeit mehrere Todesfälle in meinem Familien- und Bekanntenkreis. Da merkt man plötzlich, dass unser aller Leben endlich ist.
Und weil wir noch nicht an diesem Punkt angelangt sind: Ruth Sommer, was unternehmen Sie gerne in Ihrer Freizeit?
Ich habe mich viele Jahre um den Aufenthaltsraum in unserem Wohnblock gekümmert, den wir für viele Feste benutzt haben, diese Beschäftigung habe ich allerdings abgegeben. Mein Mann und ich reisen gerne, wir waren soeben auf einer Mittelmeerkreuzfahrt mit Costa Cruises. Es war wirklich schön. Badeferien haben wir schon in der Südtürkei verbracht, übrigens mit Heidi. Und ich bin gerne in der Natur.
Heidi Kropf, Freizeit?
Nun, ich weiss nicht, ob ich das als Freizeit bezeichnen kann. Ich habe zwei Jahre lang die Ausbildung zum Wellness-Coach absolviert – und sehr vieles über die Gesundheit gelernt, ausserhalb des Pillenschluckens. Dieses Wissen gebe ich weiter, mit gutem Erfolg. Es geht dabei im Wesentlichen um Anti Aging. Mit relativ wenig Aufwand kann man viel erreichen, um länger fit und zufrieden zu sein.
Und worüber haben Sie beide gesprochen, bevor ich unaufgefordert an Ihren Tisch gekommen bin, Heidi Kropf?
Über die Entwicklung in der Technik. Und ich sage ausdrücklich Entwicklung, nicht Fortschritt. Denn kann man es als Fortschritt bezeichnen, wenn man sich nicht von einer Telefonistin verbinden lassen kann, sondern von einem programmierten Sprachroboter, «Für Deutsch drücken Sie die Taste 1, für Französisch drücken Sie die Taste 2», anschliessend «für Kundenanliegen drücken Sie die Taste 3». Und so weiter und so fort, Sie wissen schon…
Ruth Sommer?
Meine Worte. Wenn ich schon nur daran denke, was alles immer ändert, wenn ich mein Handy benutze. In solchen Momenten bin ich leicht überfordert, da hilft mein Mann.