Was «nahezu ausgeglichen» bedeutet

Sacha Jacqueroud
Von Sacha Jacqueroud - Chefredaktor
Finanzdirektorin und Regierungsrätin Astrid Bärtschi (die Mitte).

Foto: zvg

Einfach erklärt
Der Kanton Bern verzeichnet ein leicht negatives Jahresergebnis. Auch die Schulden steigen etwas an. Verglichen mit den Gesamtzahlen des Kantons sind diese Resultate aber wenig bedrohlich.
«Die Aufwände und Erträge halten sich – wie budgetiert – die Waage», schreibt der Kanton über die Jahresrechnung 2024. Doch ein Minus von 10,7 Mio. Franken klingt erstmal dennoch wenig erfreulich.

Wäre der Kanton eine Gemeinde, dann wären minus 10,7 Mio. Franken eine Tragödie. Doch man muss die hohe Zahl relativieren. Der Kanton Bern weist einen Aufwand von 12,9 Mrd. Franken auf. Demgegenüber steht ein Ertrag von 12,89 Mrd. Franken. So gesehen ist die Differenz von 10,7 Mio. Franken eben in der Tat relativ klein, oder wie es der Kanton Bern schreibt «nahezu ausgeglichen». 

Doch damit kann man keine Entwarnung geben und den Jahresabschluss sorgenfrei beiseite legen. Budgetiert war ein kleiner Gewinn von 8 Mio. Franken. Das Ziel wurde dann bereits um 18,4 Mio. Franken verpasst. Die höheren Steuereinnahmen haben wenig geholfen, denn der Kanton verursachte einige Mehrausgaben. Alleine die Personalkosten stiegen um satte 64,2 Mio. Franken. Noch etwas sorgenreicher sieht es bei der Verschuldung aus. Seit drei Jahren steigt diese erstmals wieder. Die Nettoverschuldung steigt um 164 Mio. Franken. Die Zinsschuld beläuft sich auf 59 Mio. Franken und bleibt auf einem «tiefen Stand», wie der Kanton schreibt. Durchaus, denn die Stadt Bern weist in etwa die gleiche Zinsschuld auf. Sie bezahlt damit so viele Zinsen wie der ganze Kanton Bern zusammengezählt. Der Kanton Bern bleibt also «nahezu ausgeglichen».

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