Muskelkraft, Fahrvermögen – und Technikraffinesse

Salome Guida
Von Salome Guida - Redaktorin
Der «Lightrider R3 Worldcup».

Foto: zvg/maxsulliphoto

Einfach erklärt
Mathias Flückiger und Alessandra Keller sind Mountainbike-Profis. Sie fahren fürs Team «Thömus maxon». Sie werden für die Schweiz an den Olympischen Spielen fahren. Ihr Bike wurde in der Schweiz entwickelt.
Die «Thömus maxon»-Fahrer Mathias Flückiger und Alessandra Keller werden an den Olympischen Spielen für die Schweiz antreten. Einen grossen Unterschied soll ihr in Oberried entwickeltes Bike machen.

Ende Juli wird der Name Thömus auf einer der ganz grossen Bühnen zu sehen sein: Zwei der vier Schweizer Mountainbiker sind vom Team «Thömus maxon». Sie werden in der Kategorie XCO (Cross Country Olympische Distanz) die Schweiz vertreten. Einen grossen Vorteil gegenüber der Konkurrenz soll ihnen das Hightech-Velo aus Oberried bringen. 

Viele Weltklassefahrer, aber nur vier Nominierte

Die Qualifikation verlief nicht ganz gradlinig: Die Selektion für die Olympischen Spiele läuft anhand von vordefinierten Kriterien über Swiss Olympics. In diesem Jahr erhielt jedoch jedes Land nur je zwei Startplätze Männer bzw. Frauen im Cross Country. Die Kriterien wurden aber von vielen Athleten erreicht, denn die Schweiz gehört zu den führenden Mountainbike-Nationen. Schliesslich nominierte die Selektionskommission von Swiss Olympic nebst den beiden «Thömus maxon»-Fahrern noch  Jolanda Neff und Nino Schurter.  Für den Berner Mathias Flückiger ist es die dritte Olympiateilnahme, die Nidwaldnerin Alessandra Keller wird zum ersten Mal olympisch starten. 

Nicht nur Paris

Beide fahren zudem noch im Weltcup sowie kleinere Rennen, etwa im September die ÖKK Bike Revolution in Huttwil. In Paris dürften die Ziele insbesondere für Keller  hoch gesteckt sein: Sie führt aktuell das Weltcup-Ranking an. Flückiger «hat seine Saisonplanung auf die Olympischen Spiele ausgerichtet, um dort in Topform zu sein und ganz vorne mitzufahren», so Teammanager Ralph Näf. So ist auch die Jahresplanung des «Thömus maxon»-Teams auf die Spiele ausgelegt. Danach bleibt nicht viel Erholungszeit: Ende August finden die Weltmeisterschaften in Andorra statt.

1876 Gramm leichter Rahmen

«Das kompletteste und schnellste XCO-Bike» wollten die Verantwortlichen von Thömus bauen. Mit dem «Lightrider R3 Worldcup» hätten sie das Ziel erreicht, schrieben sie Ende Mai in einer Medienmitteilung. «Beim Biken auf Profi-Niveau dreht sich sehr vieles ums Gewicht», erklärt Bikeentwickler und Ingenieur Loris Huguenin. Jedes Gramm müsse über die steilen und schwierigen Passagen «hochgeschleppt» werden. Auf dem Weg hinunter jedoch seien die Steifigkeit und die Kurvenfähigkeit ausschlaggebend. Bei «Lightrider R3 Worldcup» wurden Geometrie und Kinematik komplett überarbeitet: Ein virtueller Drehpunkt auf dem Hinterbau und eine damit verbundene flexiblere Sitzstrebe reduzieren die ungefederte Masse. Das senkt das Gesamtgewicht und sorgt damit für bessere Sensibilität der Federung. Der Schwerpunkt des Lightriders ist noch tiefer, seine Kurvenfähigkeit noch radikaler. Das neue Unterrohr ist konisch optimiert, womit weniger Dreck haften bleibt. «Das war gerade bei den schlammigen Bedingungen in diesem Frühsommer ein Riesenvorteil», schwärmt Huguenin. Das Rahmenset inklusive Dämpfer wiegt nur 1876 Gramm. Dies auch dank den speziellen Carbonfasern, welche zudem eine höhere Steifigkeit des Bikes zur Folge haben. Diese sorgt für mehr Effizienz bei der Kraftübertragung. Rund drei Jahre lang tüftelte das Team an der Entwicklung des Hochleistungsrades. Dabei waren Flückiger und Keller voll involviert; ihre Rückmeldungen wurden in jeden nächsten Entwicklungsschritt aufgenommen.

Ein Leichtgewicht aus Oberried unter den Schwergewichten in Paris. Dazu eine Athletin und ein Athlet, die das Bike mitentwickelt und bereits ausgiebig gefahren haben. Beste Voraussetzungen also für den olympischen Traum.

Olympia: Startzeiten
Damen Cross-Country: Sonntag, 28. Juli, 14.10 Uhr
Herren Cross-Country: Montag, 29. Juli, 14.10 Uhr

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