Die anwesenden Gemeinderäte trifft dabei keine Schuld. Sie sitzen anfangs der Stadtratssitzung gleich zu dritt im Saal und so, als hätte man dies eingeübt, senken sie ihre Köpfe und verharren synchron in der Handy-Haltung. Abgetaucht bis zu ihren Voten. Ganz anders die Stadträte. Flink wie ein Wiesel huscht da einer durch die Bänke, andere verschwinden traktandenlang, um dann mit den Chipsresten um den Mund wieder in die Runde zu treten. Deutlich gemächlicher als der Wiesel zuvor. Wiederum andere genieren sich herzlich wenig, den Snack, während anderen ihre Voten halten, einzunehmen. Dass man dies wahrnimmt, liegt glücklicherweise nicht daran, dass Raclette-Öfen ihren Betrieb aufnehmen, sondern ist natürlich dem bösen Plastik geschuldet. Das Aufreissen der Verpackung signalisiert den Startschuss des Gelages. Währenddessen versucht eine Rednerin verzweifelt, zu den verbleibenden Menschen durchzudringen. Also zu jenen, die tatsächlich zuhören möchten. «Liebe Anwesende», heisst es da. Persönliche Anrede des Stadtratpräsidenten, des Gemeinderats, Fehlanzeige. Nicht mal die Stadtpräsidentin? Nein, nicht mal sie. Gut, dass in den folgenden Voten vermehrt die Höflichkeit einkehrt und andere die korrekte Anrede noch nutzen. Dann kommt plötzlich der Tambourenverein Hinterfultigen ins weite Rund. Ach nein, das waren nur die Metalldeckel, unter denen sich die Abstimmungsknöpfe befinden. Hinweis: Die Deckel müssen nicht zwingend scheppern, man darf sie auch behutsam wieder zuklappen. Doch wer nun glaubt, nur die Politikerinnen und Politiker stören ab und an den Seelenfrieden der «Handy-Gemeinderäte», der kennt die Journalisten nicht. Einer wagt es tatsächlich, zu telefonieren. Auf der Empore, 12 Minuten lang bekommt die «Welt» mit, worin das Problem beim nächsten Artikel liegt. Aha, dann wäre ja nun auch das geklärt. «Luege, lose, lafere» scheint die Devise. Deshalb ein kurzer Tipp: Der grosse Stadtrat darf ruhig einmal zum kleineren Parlament nach Köniz schielen. Dort wird mit Respekt debattiert. Gesittet, anständig und der Aufgabe einer Legislative würdig. «Lose und lifere», nennt man das dann vielleicht.
In den Stadtratssitzungen kann es mitunter sehr laut werden – einige Geräuschkulissen und Verhaltensweisen könnten jedoch vermieden werden.
Foto: zvg/EE
Einfach erklärt
Chefredaktor Sacha Jacqueroud hält fest, was ihm in den Berner Stadtratssitzungen auffällt. Diese Beobachtungen fallen nicht nur positiv aus.
Chefredaktor Sacha Jacqueroud hält fest, was ihm in den Berner Stadtratssitzungen auffällt. Diese Beobachtungen fallen nicht nur positiv aus.
Von Mikrofonen verstärkt hallen die Voten durch den altehrwürdigen grossen Saal im Rathaus. Dennoch fällt es mitunter schwer, den Worten zu folgen, zumindest für all jene, die das wirklich wollen. Der Stadtrat zählt nur einen Drittel an Personen im Vergleich zum Grossen Rat. Trotzdem schafft er es spielend, dessen Lärmkulisse noch zu überbieten. Eine Frage des Respekts?
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