Denn dies ist ein Phänomen. «Aber die Postfiliale Bümpliz war und ist immer eine der bestlaufenden in der Region», sagt Filialleiter Müller. Seine Worte unterstreichen die Bümplizerinnen und Bümplizer gleich selbst. Die einen kommen mit einem Paket unter dem Arm herbei, andere zieht es wie magisch an den Empfang, denn der Poststempel 3018 vom Eröffnungstag ist heiss begehrt. Die Post lebt – hier in Bümpliz vielleicht noch ein bisschen mehr.
Der perfekte Ort
Deshalb «spienzeln» die anwesenden Gäste der Eröffnung immer wieder ein wenig zu den Schaltern. Das rege Treiben fasziniert, und das Team hat von Anfang an alle Hände voll zu tun. Der Berner Gemeinderat Matthias Aebischer (SP) weiss auch, weshalb das an diesem Ort gut funktioniert: «Wir sind hier mitten in Bümpliz, zen-tral und für alle gut zu erreichen.» Wohl wahr, insbesondere wenn man bedenkt, dass die Fussgängerzone etwas mehr Leben vertragen könnte. Seit ihrer Eröffnung im Jahr 1994 gestaltet es sich schwierig, der Bümplizstrasse genügend Leben einzuhauchen. Gut, gibt es das Gasthaus Sternen und den Coop-Supermarkt, sonst wäre die Laufkundschaft wohl merklich kleiner. Und gut, gibt es nun auch die neue Postfiliale an diesem Standort.
Zwischen Moderne und Vergangenheit
Wer in der Fussgängerzone steht, erkennt schon, dass die Post neu hier zu Hause ist. Die Postfachanlage steht draussen unter dem Vordach und bietet einen 24-Stunden-Service an. Ja, auch die Besichtigung dieser «grössten Anlage weit und breit», wie die Post während der Begehung sagt, wird bereits rege genutzt. Die Gäste müssen kurz weichen, damit jene Dame, die gleich zwei Pakete auf den Armen balanciert, ihre sperrige Fracht deponieren kann.
Moderne Technologie trifft hier auf nostalgische Gefühle. Denn im Inneren erläutert «Pan» Anliker die Geschichte der Post in Bümpliz. Ein Blick zurück, den die BümplizWoche noch gesondert behandeln wird – weniger wegen der Nostalgie, sondern vielmehr, weil dieser Teil schon fast zur Bümplizer DNA gehört.
Ein klein wenig Nostalgie gibt es aber auch an den Schaltern. In hochdigitalen Zeiten, in denen ältere Menschen reihenweise überfordert zurückgelassen werden, sind offene Theken mit echten Menschen, echten Gesprächen und freundlichen Hilfestellungen schon fast eine Art Oase. Hier wirkt das Postgelb wie eine Sonne über dem anonymen Firmament der Digitalität. Und dies bei angenehmen Öffnungszeiten. Jeweils montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr und samstags von 8 bis 11 Uhr begrüsst, berät und bedient die Postfiliale die Bümplizerinnen und Bümplizer.
Das Glück von Bümpliz
Und immer mehr Menschen darüber hinaus. Denn die Post schliesst hüben wie drüben ihre Filialen. Weil die Kundschaft ausbleibt und die Umsätze sinken, heisst es auf Seiten des gelben Riesen. Aus Sicht der Bevölkerung sieht es subjektiv anders aus. Dort, wo es noch eine Poststelle gibt, heisst es oft: Ticket ziehen und warten. Dort, wo eine Filiale schliesst, fehlen wichtige Dienstleistungen im Ort – und damit verschwindet ein kleines Stück Dorfleben.
Und die Tendenz wird sich fortsetzen. Bis 2028 sollen nur noch knapp 600 eigenbetriebene Filialen vorhanden sein. Verteilt auf 2121 Gemeinden, wobei die Städte gleich mehrere Filialen aufweisen. So kommt es, dass man etwa vom idyllisch gelegenen Oberbalm bald einmal eine 20-minütige Autofahrt unternehmen muss, um eine Postfiliale zu erreichen. Mit dem öV dauert die Reise, mit Verlaub, eine halbe Jahreszeit. Für ältere Menschen ist das kaum mehr machbar.
Der Ersatz in den Läden des Detailhandels vermag zwar Abhilfe zu schaffen (wie im Beispiel Oberbalm), aber es ist dennoch ein bisschen so, als würde man eine Arztpraxis durch einen Samariterposten ersetzen. Gut, aber kein vollwertiger Ersatz.
Nicht so in Bümpliz. Hier freut sich Gemeinderat Matthias Aebischer im Namen der Bevölkerung über den Verbleib der Post mitten im Dorf. Die Menschen, die hier hineinströmen, die Politik und die Post selbst singen vereint im Chor: «Hurra, hurra, die Post bleibt da.