Pracht am Wegrand

Marc de Roche
In unserer Gegend finden sich zahlreiche Orchideenarten.

Foto: MDR

Einfach erklärt
Orchideen sind Blumen. Sie wachsen wild auf Wiesen und in Wäldern. Auch in Bern West.
«Königskinder der Pflanzenwelt», so wird die Familie der Orchideen verehrt. Sie haben den Nimbus des Ungewöhnlichen, Kostbaren und Geheimnisvollen. Es sind tatsächlich beeindruckende Gewächse. Mit über 26'500 bekannten Arten bilden sie weltweit eine der grössten Familien der Blütenpflanzen. Immer noch werden neue Arten entdeckt. Gibt es sie bei uns nur als Züchtungen im Blumenladen oder auch als Wildpflanzen auf Wiesen und im Wald?

Die Antwort gibt uns Annemarie Masswadeh, die sich aktiv mit Flora und Fauna in unserer Gegend befasst. 

Achtsame Augen

Sie ist im Vorstand von NaturBernWest und setzt sich für den Erhalt von biologisch wertvollen Lebensräumen ein. So hat sie massgeblich dazu beigetragen, dass die Grube Rehhag nicht zu einer Schuttdeponie wurde, sondern als Biodiversitäts-Hotspot erhalten bleibt. Ausserdem meldet sie laufend Funde von Wildpflanzen an InfoFlora, das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Dort werden die Fundbeobachtungen gesammelt und in verschiedener Form an Akteure im Arten- und Lebensraumschutz weitergegeben. Nebst öffentlichen Amtsstellen (Bund, Kantone, Gemeinden) sind dies Ökofirmen, regionale Naturpärke und Naturschutzverbände. Auch für die Forschung werden die Daten genutzt.

Pflanze unter Schutz

Von 2013 bis 2015 war Masswadeh im Westen von Bern für das Floreninventar der Stadt Bern unterwegs und weiss darum recht gut, wo und wann welche Wildblumen und eben auch Orchideen zu finden sind. Dass wir hier nicht die genauen Standorte veröffentlichen, hat einen guten Grund. Wildwachsende Orchideenarten sind gesetzlich streng geschützt. In der Schweiz, Deutschland und Österreich steht die gesamte Familie der Orchideengewächse unter vollständigem Artenschutz. Es ist untersagt, wilde Orchideen zu pflücken, auszugraben, zu beschädigen oder deren Samen zu sammeln. Alle 76 heimischen Orchideenarten wie das Knabenkraut oder der Frauenschuh, der im Mittelland praktisch nicht mehr vorkommt, sind schweizweit vollständig geschützt. Wilde Orchideen leben in einer sensiblen Symbiose mit bestimmten Bodenpilzen. Auch ein sorgfältiges Ausgraben führt deshalb im eigenen Garten fast immer dazu, dass die Pflanze abstirbt.

Wer Orchideen entdecken will, geht am besten in einen stadtnahen Wald. Im Forst, Bremgartenwald, Spilwald, auf dem Wohleiberg, und am Chünizberg blühen die Schönheiten je nach Art schon ab April oder bis in den Hochsommer.

Eine Übersicht

Hier stellen wir ein paar der häufigsten Arten vor, die wir in Bern West entdecken können.

Männliches Knabenkraut

Das Männliche Knabenkraut wächst meist auf magerem Boden, hier direkt am Eingang zu einem grossen Industriebetrieb. Nein, es gibt kein weibliches Knabenkraut, aber noch etwa 20 weitere Knabenkräuter.

Rotes Waldvögelein

Welch ein poetischer Name für eine seltene Blume, die an Wegrändern bis über 2000 m ü.M. wächst. Sie verschwindet, wenn zu früh gemäht wird.

Fuchs‘ Fingerwurz

Fuchs‘ Fingerwurz ist eine von zehn Fingerwurz-Arten. Sie kommt auch in unseren naturnahen Gärten vor. Sogar auch links und rechts der Autobahn.

Breitblättriger Stendelwurz

Die Breitblättrige Stendelwurz macht sich an Waldwegen breit, zeigt ihre Blüten in verschiedenen Farben von Weiss bis Dunkelrot, und mag auch alpine
Weiden bis über 2300 m ü.M.

Sumpf-Stendelwurz

Die Sumpf-Stendelwurz braucht Moore, Seeufer, kalkreiche Ton- und Sumpfhumusböden, zur Not auch schattige Strassengräben. In diesem Sommer ist es ihr nicht gut ergangen.

Grosses Zweiblatt

Das unscheinbare Grosse Zweiblatt, mit grünen bis grüngelben Blüten, ist wohl die häufigste Orchideenart in der Schweiz, und ist bei uns auch in Gärten und Parkanlagen anzutreffen.

Spitzorchis

Majestätisch ist die Spitzorchis, eine Hundswurz-Art. Sie ist eine Insektentäuschblume, die keinen süssen Nektar bereithält, sondern lediglich darauf aus ist, Insekten zur Bestäubung anzulocken. Unsere Schmetterlinge können sich darauf ausruhen und ein Sonnenbad geniessen, nehmen aber beiläufig den Pollentransport zur Bestäubung einer anderen Orchis vor.

GEKENNZEICHNET:
Teile diesen Artikel

Neue Beiträge

Nicht nur schöne Erinnerungen

Lange ist es her, seit der SC Bümpliz 78 in der Nationalliga B spielte und dem stolzen FC Basel auf der Bodenweid ein 0:0 abtrotzte. Der 8. November 1992 ging…

10 Min. zum Lesen

Die Kegel wanken

Die laufenden Schweizermeisterschaften in Heimberg sind geprägt von Wettkampf und geselligem Beisammensein.…

5 Min. zum Lesen

Einstein – oder besser «die Einsteins»?

Vor langer Zeit lernte ich in der Schule, dass Albert Einstein ein…

3 Min. zum Lesen

«Bitte werft nichts aus dem Auto»

Zufällig im Migros-Restaurant Westside angetroffen – bei einer Gluthitze draussen: vier Leute…

5 Min. zum Lesen

Ein Jahrzehnt Ekstase

Zehn Jahre lang wurde auf der Hueb in Frauenkappelen getanzt und gefeiert.…

4 Min. zum Lesen