Wenn Engagement Feuer fängt

Christine Vogt
Die Übung war anspruchvoll – und lehrreich.

Foto: zvg / CV

Einfach erklärt
Freiwillige üben in Riedbach für die Feuerwehr. Sie lernen, zu löschen, Leitern zu sichern und Geräte zu nutzen. Im Brandcorps West sind rund 50 Mitglieder. Es hilft bei Wasser, Unfällen und Feuer.
Fast eine mystische Stimmung breitet sich in Riedbach auf dem Übungsgelände mitten im Wald aus – es ist Zeit für die Rekrutinnen und Rekruten der Milizfeuerwehr, zu zeigen, was sie können. Sie gehören zu den Freiwilligen für die Brandcorps West und Ost.

Zwischen 25 und 30 Jahre alt sind die jungen Frauen und Männer, die sich diesen Frühling dem Rekrutierungsprozess stellen. Die motivierten Rekrutinnen und Rekruten haben sich nach dem Informationsabend für den Weg bei der freiwilligen Feuerwehr entschieden und sich beworben. Nicht alle schaffen den Weg zur Milizfeuerwehr: Nebst dem persönlichen Interview mit dem jeweiligen Kommandanten muss auch ein ärztlicher Test bestanden werden. Hat man diese beiden Hürden genommen, stehen Rekrutierungsübungen an: In Vollmontur lernt man die wichtigsten Handgriffe, um im Notfall richtig zu agieren, und die Mitglieder der Kompanie kennen. Erst mit dem Abschluss der obligatorischen Basisausbildung der Gebäudeversicherung Bern (GVB) ist man voll einsatzfähig und wird im Notfall aufgeboten.

Dem Sturm und der Kälte trotzen

Rund zwanzig Personen versammeln sich auf dem Übungsgelände: Aus vier Einheiten (West, Ost, Bolligen und Ostermundigen) sind sie angereist und werden von sechs Einsatzleitern empfangen. Trotz wilden Schneegestöbers erlernen sie heute den Leiterdienst, den Rückhalt, die Beleuchtung, die Brandbekämpfung sowie die Bedienung des Tanklöschfahrzeugs (TLF). Es ist bitterkalt – doch das stört die in Vollmontur ausgerüsteten Rekrutinnen und Rekruten nicht. Viel zu spannend sind die heutigen Aufgaben, als dass man sich über das Wetter mokieren würde – welches im Ernstfall ohnehin keine Rolle spielen darf. Sie üben Knoten wie den Achter und den Mastwurf. Eine Leiter wird an ein hohes Gebäude angelehnt und korrekt gesichert. Mit einem Generator beleuchten sie den Einsatzplatz. Sie entrollen Wasserschläuche und verstauen sie anschliessend korrekt im TLF. Und dann, als Höhepunkt zum Abschluss, werden zwei lodernde Feuer gelöscht. Eine Aufgabe, die sich als gar nicht so einfach herausstellt: Mit zu viel Wasserdruck «spritzt» das Feuer regelrecht in alle Richtungen, und es besteht die Gefahr, dass es sich weiter ausbreitet. Doch mit der richtigen Technik lässt sich schliesslich auch das zweite Feuer bezwingen.

Blutgruppe F

Mit viel Leidenschaft ist Stephan Gerber, Kommandant des Brandcorps West, seit 26 Jahren bei der Milizfeuerwehr tätig. Nach der absolvierten Rekrutenschule war für ihn klar, dass er sich entweder in einem Verein oder bei der freiwilligen Feuerwehr engagieren möchte: In einem Dorf wie seinem sei das ganz normal. Damit er neben seiner Arbeit für die Milizfeuerwehr so viel Zeit und Energie investieren kann, braucht es eine Familie, die ihn unterstützt. Das hat ihm ermöglicht, im letzten Jahr die Kompanie West zu übernehmen. In seinen Einsatzjahren hat Gerber viele spannende Momente erlebt. Natürlich seien darunter auch schwierige Situationen gewesen, doch er möchte die Arbeit im Brandcorps auf keinen Fall missen. Hilfsbereitschaft sei sein grösster Antrieb: Besonders den Zusammenhalt unter den Kolleginnen und Kollegen schätzt Gerber sehr. Auch ausserhalb der Einsätze pflegt man wertvolle Freundschaften, und die Nachbarschaft wird aktiv gelebt. Mit einem verschmitzten Lächeln erklärt der Feuerwehrmann, er habe die «Blutgruppe F».

Beinahe wöchentliche Einsätze

Rund 30 bis 50 Einsätze leistet das Brandcorps West pro Jahr. Das heisst, alle sind stets einsatzbereit und reagieren bei bestimmten Alarmstichwörtern sofort. Bei Unwettern rückt die Milizfeuerwehr am häufigsten aus: Denn starke Niederschläge führen oft dazu, dass Keller oder Einstellhallen überflutet werden und vom Wasser befreit werden müssen. Aber auch bei Unfällen und Bränden sind Gerber und sein Team gefragt. Dank der 49 Freiwilligen sind immer genügend Personen einsatzbereit und können oft rasch reagieren. Das Wertvolle ist, dass sich die Feuerwehr stets als Einheit versteht: Zwischen den Kompanien besteht keine Konkurrenz – es ist ein Miteinander, das mit Herz und Leidenschaft gepflegt wird.

Feuerwehrfest Oberbottigen
Freitag, 26. Juni, ab 18 Uhr beim neuen Schulhaus Oberbottigen: Fahrzeugausstellung, Gastwirtschaft mit Grillade, Platzkonzert der Feuerwehrmusik Bern um 20 Uhr, Abendunterhaltung.

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