Schwarze Null dank Sondereffekten

Sacha Jacqueroud
Von Sacha Jacqueroud - Chefredaktor
Gemeinderätin Melanie Mettler.

Foto: zvg

Einfach erklärt
Bern hat 2025 mehr Steuern eingenommen. Darum gibt es 1,7 Mio. Gewinn statt Verlust. Viele Einnahmen sind einmalig. Die Stadt hat weiter hohe Schulden und Ausgaben. Die Finanzlage bleibt schwierig.
Höhere Steuereinnahmen sorgen für überraschenden Überschuss – doch die strukturellen Herausforderungen bleiben bestehen. Die Stadt Bern hat das Rechnungsjahr 2025 mit einem kleinen Überschuss abgeschlossen – und das entgegen den ursprünglichen Erwartungen eines deutlichen Defizits. Hauptgrund dafür sind ausserordentlich hohe Steuereinnahmen. Doch ein genauer Blick zeigt: Der positive Abschluss ist nur bedingt nachhaltig.

Die Jahresrechnung 2025 der Stadt Bern fällt deutlich besser aus als budgetiert. Statt des prognostizierten Defizits von 29,8 Mio. Franken resultiert ein Überschuss von 1,7 Mio. Franken. Bei einem Gesamtumsatz von 1,51 Mrd. Franken ist dies zwar nur ein kleiner Gewinn, politisch aber dennoch von Bedeutung. Die finanzpolitischen Reserven steigen damit auf 96,2 Mio. Franken. Das angestrebte Eigenkapitalziel von 120 bis 180 Mio. Franken bleibt jedoch weiterhin aus-ser Reichweite.

Ausschlaggebend für das bessere Ergebnis sind vor allem höhere Steuererträge. Insgesamt liegen diese mit 648 Mio. Franken um 37 Mio. Franken beziehungsweise 6,1 % über dem Budget. Den grössten Beitrag leisten dabei die Steuern von natürlichen Personen, die um 31,9 Mio. Franken höher ausfallen als erwartet. Ein Teil dieses Zuwachses ist jedoch auf Nachfakturierungen bei Quellensteuern zurückzuführen – konkret 7,1 Mio. Franken, die als einmaliger Effekt zu werten sind.

Auch die juristischen Personen tragen zum positiven Ergebnis bei, allerdings mit einer entscheidenden Einschränkung. Zwar resultiert insgesamt ein Plus von 3,5 Mio. Franken, dieses ist jedoch auf einen ausserordentlichen Einzelertrag in Höhe von 18,4 Mio. Franken zurückzuführen. Ohne diesen Sondereffekt wären die Einnahmen aus Unternehmenssteuern deutlich unter den Erwartungen geblieben. Das hängt damit zusammen, dass zusehends KMU die Stadt Bern verlassen. Insgesamt stammen somit rund 25,5 Mio. Franken – etwa zwei Drittel des Steuermehrertrags – aus einmaligen oder ausserordentlichen Quellen.

Die strukturelle Finanzlage der Stadt bleibt damit angespannt. Dies zeigt sich auch bei den Investitionen: Mit Nettoinvestitionen von 159,9 Mio. Franken wurde 2025 erneut ein sehr hohes Niveau erreicht, nur knapp unter dem Rekordwert von 2023. Der grösste Teil floss in Hochbauprojekte (96 Mio. Franken), gefolgt vom Tiefbau (43 Mio. Franken), aber auch stolze 16 Mio. Franken alleine für Investitionen in die Informatik der Gemeinde. Bemerkenswert ist aber die hohe Umsetzungsquote von über 83 % der geplanten Projekte. Ein Wert, den sich Köniz zum Beispiel in diesen Tagen nur wünschen würde.

Ein Rückgang der Investitionstätigkeit ist mittelfristig nicht in Sicht. Damit wächst der Druck auf die laufenden Ausgaben weiter. Insbesondere weil auch die steigenden Betriebs- und Unterhaltskosten sowie der zusätzliche Personalbedarf immer mehr belasten. Gleichzeitig bleibt die Selbstfinanzierungskraft der Stadt begrenzt: Mit einem Selbstfinanzierungsgrad von lediglich 60,3 % liegt dieser deutlich unter dem schweizweiten Schnitt, ja sogar in dem Bereich, der als nicht mehr ausreichend angeschaut wird. Erfreulich wiederum ist aber, dass die Verschuldung nicht weiter anwächst, sondern bei 1,5 Mrd. Franken bleibt. Wobei die damit verbundene Pro-Kopf-Verschuldung nach wie vor hoch bleibt. Die Zahl entspricht 11’000 Franken pro Bernerin oder Berner.

Auch bei den finanzpolitischen Zielsetzungen zeigt sich ein gemischtes Bild. Von den vier übergeordneten Zielen der städtischen Finanzstrategie wird lediglich eines erreicht: der Bruttoverschuldungsanteil liegt bei 132,9 %. Der positive Rechnungsabschluss darf deshalb nicht als Trendwende interpretiert werden. Vielmehr handelt es sich um ein Ergebnis, das stark von Sondereffekten geprägt ist.

Der Gemeinderat sieht sich dennoch in seinem eingeschlagenen Kurs bestätigt. Ziel bleibt es, eine nachhaltige Finanzpolitik zu verfolgen, die ohne drastische Sparprogramme auskommt und gleichzeitig stabile Steuerfüsse gewährleistet. Dabei sollen die finanziellen Reserven langfristig gestärkt und die Ausgaben sorgfältig gesteuert werden. Gemeinderätin Melanie Mettler (GLP) ist ihr erstes Amtsjahr gut gelungen.

Die Rechnung 2025 zeigt ein ambivalentes Bild: kurzfristig stabilisiert durch ausserordentliche Einnahmen, langfristig jedoch weiterhin mit strukturellen Herausforderungen konfrontiert. Für die Finanzpolitik der Stadt Bern bedeutet dies vor allem eines – der Handlungsspielraum bleibt begrenzt.

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