Bern West im Spiegel

Salome Guida
Von Salome Guida - Redaktorin
Riedern: Ein Quartier mit vielen älteren Bewohnenden.

Foto: zvg/Geodaten Stadt Bern

Einfach erklärt
Ein neues Monitoring zeigt: Bern West steht sozial unter Druck. In Bümpliz und Bethlehem sind Ausländeranteil, Sozialhilfe und Einkommen auffällig. Andere Quartiere sind stabiler. Ähnliche Probleme gibt es auch in anderen Stadtteilen.
Bern West gehört weiterhin zu den Stadtregionen mit den grössten sozialen Herausforderungen. Das zeigt die neue Ausgabe des «Monitorings Sozialräumliche Stadtentwicklung» der Stadt Bern, das erstmals als interaktive Kartensammlung vorliegt. Mehrere Quartiere fallen bei verschiedenen sozialen Indikatoren auf.

Das Monitoring «Sozialräumliche Stadtentwicklung» analysiert die Lage und Entwicklung der Berner Wohnquartiere zwischen 2018 und 2024 anhand von rund 40 Themenkarten. Es berücksichtigt unter anderem Bevölkerungsentwicklung, Altersstruktur, Sozialhilfe- und Ergänzungsleistungsquoten, Einkommen sowie Wohnverhältnisse. Eine sogenannte Synthesekarte fasst ausgewählte Kennzahlen zu einem Gesamtwert zusammen und zeigt, welche Quartiere im innerstädtischen Vergleich eher begünstigt oder benachteiligt sind. Seit 2018 hat sich der Synthesewert in 17 Quartieren verbessert, in 19 hingegen verschlechtert. Die Veränderungen halten sich methodisch bedingt insgesamt die Waage – dennoch lassen sich klare räumliche Muster erkennen. Die Autorinnen und Autoren erklären: «Ein positiver Synthesewert bedeutet, dass das Quartier hinsichtlich der so-ziostrukturellen Merkmale im innerstädtischen Vergleich eher begünstigt ist. Erhält ein Quartier einen Synthesewert unter null, deutet dies auf vergleichsweise höhere soziale Herausforderungen hin. Die Wohngebiete mit dem Synthesewert 0 sind jene, die hinsichtlich der sozialen Situation im Mittelfeld liegen und hinsichtlich der Bevölkerungsstruktur somit weder besonders belastet noch besonders begünstigt sind.»

Bümpliz: Konzentration sozialer Belastungen

In Bümpliz zeigt das Monitoring eine deutliche Häufung sozialer Herausforderungen, insbesondere im östlichen Teil. Quartiere wie Stöckacker, Schwabgut, Stapfenacker, Winterhale und Kleefeld sowie Wangenmatt, Hohliebe, Weidmatt und Bodenweid weisen überdurchschnittlich hohe Anteile ausländischer Wohnbevölkerung auf. In mehreren dieser Quartiere liegen die Sozialhilfe- und Ergänzungsleistungsquoten zudem im stadtweiten Spitzenbereich.

Besonders stark fällt das Quartier Weidmatt auf, das 2024 mit 21,3 % die höchste Sozialhilfequote der Stadt Bern verzeichnet. In Hohliebe leben zudem durchschnittlich 2,72 Personen pro Haushalt, so viele wie in keinem anderen Quartier der Stadt – ein Hinweis auf dichte Wohnverhältnisse. Zusammengenommen ergeben diese Faktoren im Synthesewert ein klar unterdurchschnittliches Resultat. Quartiere wie Bümpliz Dorf und Bümpliz Süd zeigen demgegenüber ein durchmischteres Bild und fallen weniger stark durch extreme Werte auf.

Bethlehem: hohe Ausländeranteile und tiefe Einkommen

Auch in Bethlehem bestätigt das Monitoring eine überdurchschnittliche soziale Belastung in mehreren Quartieren. Besonders hervor sticht Untermatt, das mit 64 % den höchsten Anteil ausländischer Wohnbevölkerung der Stadt hat. Quartiere wie Blumenfeld, Bethlehemacker, Tscharnergut und Ackerli gehören zu jenem Gebiet zwischen Bremgarten- und Könizbergwald, das im Monitoring bei verschiedenen sozialen und strukturellen Kennzahlen auffällt. Dazu zählen unter anderem erhöhte Sozialhilfequoten, vergleichsweise tiefe steuerbare Einkommen sowie teilweise dichte Wohnverhältnisse. Gleichzeitig leben in diesen Quartieren überdurchschnittlich viele Personen ohne Schweizer Pass. In der Synthesekarte führen diese unterschiedlichen Faktoren insgesamt zu Werten unter 0. Im Quartier Holenacker kommt eine weitere Entwicklung hinzu: Zwischen 2018 und 2024 ist die Wohnbevölkerung hier um 17,2 % zurückgegangen – der stärkste Bevölkerungsrückgang aller Berner Quartiere. Brünnen und Eymatt zeigen hingegen stabilere Verhältnisse und zählen innerhalb Bethlehems zu den am wenigsten belasteten Gebieten.

Oberbottigen-Riedbach: Alternde Bevölkerung im Fokus

In Niederbottigen, Oberbottigen-Riedbach und Riedern stehen weniger Armutsindikatoren im Vordergrund als vielmehr die demografische Entwicklung. Besonders Riedern weist mit einem Altersquotienten von 78,1 einen der höchsten Werte der Stadt auf – hier leben besonders viele Personen über 65 Jahre. Das Monitoring macht damit deutlich, dass sich die Herausforderungen nicht nur sozial, sondern auch altersstrukturell unterscheiden.

Bern West nicht allein

Das Monitoring bestätigt, dass sich soziale Belastungen in Bern West räumlich konzentrieren, insbesondere dort, wo mehrere ungünstige Faktoren zusammenkommen. Gleichzeitig zeigt der gesamtstädtische Vergleich, dass ähnliche Muster auch in anderen Stadtteilen bzw. Quartieren auftreten – etwa in Wittigkofen, Freudenberg oder Tiefenau.

Die Ergebnisse liefern damit weniger ein statisches Urteil als vielmehr eine differenzierte Standortbestimmung: Während einige Quartiere seit 2018 Fortschritte gemacht haben, geraten andere stärker unter Druck. Für die Stadt Bern bietet sich mit der Erhebung die Möglichkeit, diese Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und sozialräumlich gezielt darauf zu reagieren.

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