Abstimmung zum Landkauf (Galenica-Parkplatz) Untermatt

…oder der Blick in die Kristallkugel

Sacha Jacqueroud
Von Sacha Jacqueroud - Chefredaktor
Janosch Weyermann, Salome Mathys und Lionel Gaudy.

Foto: SJ

Einfach erklärt
Am 19. November stimmt die Berner Bevölkerung über einen Landkauf ab. Der Galenica-Parkplatz bei der Untermatt soll ein Park und Spielplatz werden. Doch das kostet 3,7 Mio. Franken.
Es liegt in der Natur der Abstimmungssache, dass Vorhaben aus der Zukunft im Hier und Jetzt beantwortet werden müssen. Im Fall des geplanten Landkaufs der Stadt Bern, um auf dem Galenica-Parkplatz bei der Untermatt eine Begegnungszone zu errichten, ist genau dieser Blick in die Zukunft vonnöten.

Es sei der dringend benötigte Freiraum in einem dicht bebauten Stadtteil, bei dem es an solchen Möglichkeiten seit Jahren mangle, sagen die Befürworter aus Quartierkommissionen, von SP und den Grünen. 

Es sei der vermutlich teuerste Spielplatz der Welt, sagt die SVP, hat Unterschriften gesammelt und bringt das Vorhaben vors Volk. Und die SVP steht nicht alleine. Mitte und GLP sehen dem Vorhaben der Stadt Bern ebenfalls kritisch entgegen. «Die Stadt Bern gibt mehr aus, als sie einnimmt, und hat einen immensen Schuldenberg. Mit Blick auf diese Situation ist ein Landkauf in der Höhe von 3,7 Mio. Franken schon sehr fragwürdig», sagt Lionel Gaudy (die Mitte). Solch finanzpolitische Begründungen stossen aber bei den Befürwortern auf wenig Verständnis. Es sei ein Landkauf und damit ginge das Geld ja nicht verloren, sondern sei im Gegenteil gut angelegt. Boden ist selten und die Stadt Bern hat in der Tat im Stadtteil VI wenig eigenes Land.

Doch auch dieses Argument lassen die Gegner nicht gelten. Laut Janosch Weyermann (SVP) sei es wohl ein Ding der Unmöglichkeit , eine Fläche, die mal als Begegnungszone genutzt und bebaut wäre, mit Gebäuden zu überbauen und jemals wieder anderweitig zu nutzen. Nicht unbedingt aus gesetzlichen Gründen, sondern weil sich die Bevölkerung wohl dagegen wehren würde.

Bliebe also die Frage, ob denn eine dringend benötigte Freifläche und etwas mehr Freiraum für den Bevölkerungsteil aus Bethlehem nicht etwas kosten dürfe? Und Land auf dem Stadtboden ist eben nicht nur rar, sondern entsprechend auch teuer. «Wenn es denn dabei bliebe», wendet Gaudy ein. Die Wunschliste all der Dinge, welche auf dem heutigen Parkplatz entstehen sollen, dürfte mehrere Hunderttausende von Franken zusätzlich in Anspruch nehmen, befürchtet der Mitte-Politiker. Es sei wie ein riesengrosses Geschenk mit einem zusätzlichen Wunschzettel. 

Nun darf man die Frage stellen, was denn an einem Geschenk so verkehrt ist? Ist es denn nicht vielmehr lobenswert, dass sich die Stadt für Bethlehem einsetzen will, auch wenn es teuer wird?

«Wenn denn das Geschenk überhaupt nötig ist», fragt sich Salome Mathys (GLP). Sie verweist auf ein Bauprojekt in unmittelbarer Nachbarschaft, das demnächst entstehen soll. Aufgrund der Projektierung sei es mehr als nur wahrscheinlich, dass dort Freiräume entstünden und damit auch ein Spielplatz, ist sie sich sicher. Zudem seien weitere Alternativen möglich, wenn man das Weyerli ganzjährig brauchen könne, wie etwa das Marzili.

Doch das Weyerli ist nicht unbedingt in Laufdistanz für die Kurzbeinigen in Bethlehem und gebaut ist heute noch nichts in Bethlehem, noch bewegt sich alles auf Projektniveau.

So wird die Frage des Landkaufs auf dem Galenica-Parkplatz zu einer Abwägung. Hat es genügend Alternativen? Kann sich die Stadt das leisten? Klar ist hingegen, was die Bevölkerung von Bethlehem erhält, wenn am 19. November ein Ja herauskommt: keinen einfachen Spielplatz sondern eine Begegnungszone, ein Stücklein Freiraum in einer dicht bebauten Zone. Es stimmt schon, dass just in diesem Quartier noch viele Projekte anstehen, aber wie viel Freiraum diese bieten, ist dann in der Tat ein Blick in die Kristallkugel.

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