Züglete: 155 Mietparteien an der Kasparstrasse 15

Ein ganzes Dorf in einem Hochhaus

Marc de Roche
An der Kasparstrasse 15 floriert schon bald das Alltagsleben von Mieterinnen und Mieter aus 39 Nationen.

Foto: zvg

Einfach erklärt
Im Hochhaus an der Kasparstras-se 15 ziehen im November 155 Mieterinnen und Mieter aus 39 Nationen ein. Diese Zeitung wird die Menschen bei ihrem Einzug begleiten und darüber berichten.
Nach fast fünfzig Jahren Betrieb war das 21-stöckige Wohnhaus an der Kasparstrasse 15 dringend sanierungsbedürftig. Es war an der Zeit, zum Beispiel die Wände mit erdbebensicheren Betonelementen zu ersetzen, damit diese im Erdbebenfall, aber auch bei starkem Wind, miteinander schwingen können. Aber auch das Wohungsangebot wurde verbessert.

Jetzt stehen 155 Einheiten in sechs verschiedenen Wohnungsgrössen vom Studio bis zur 5½-Zimmer-Wohnung zur Verfügung. Nadja Knutti, die Projektverantwortliche der Immobilienvermarktung von der Dr.Meyer Immobilien AG: «Wir wollen langjährigen Mietern die Möglichkeit geben, in eine ganz neue Wohnung mit wirklich passender Grösse einzuziehen. Deshalb sind die Mietpreise moderat. Die Anfrage war riesig, wir hatten wesentlich mehr Anmeldungen als Wohnungen. Deshalb wurden erst einmal alle Bewerbungen der Vormieterinnen und Vormieter berücksichtigt, und dann Familien mit Kindern bevorzugt.» Mit ein Grund: Die am nördlichen und östlichen Rand vom Bethlehemacker erbauten Gebäudekörper schirmen die Grünflächen mit Schlittelhügel von den Erschliessungsstrassen ab und erlauben den Eltern von den Balkonen aus einen guten Überblick über die Spielflächen. Die Tagesschule Kasparstrasse gleich daneben sorgt auch in der Freizeit für Kinderbetreuung. Im Kaspar darf Betrieb herrschen. 

Einzug in Etappen

Zwei schnelle Personenlifte führen in die Höhe, im dritten kann man auch ein ganzes Sofa transportieren. Attraktives Kleingewerbe richtet sich im Erdgeschoss und im ersten Stock ein: Hausarzt, Coiffeur, Kosmetik und das Kafi Kaspar.

Der Einzug der Mieterschaft ist eine Generalstabsarbeit. Bis Ende November kommen täglich zwei neue Mietparteien ins Haus, kriegen Schlüssel und einen ersten Einblick in diese Gemeinschaft. Nadja Knutti: «Am gleichen Tag kommen jeweils die Mieter und Mieterinnen, die nebeneinander wohnen. So lernen sie sich beim Zügeln bereits kennen.»   

Wäsche waschen mit Aussicht

Nicht ohne Stolz zeigt der Projektleiter Daniel Stebler von der Dr. Meyer Immobilien AG eine der sieben Waschküchen. Jeweils für drei Etagen gibt es einen geräumigen  Waschsalon mit modernsten Waschmaschinen, Tumbler, Trockenschränken, Waschmittelboxen und einem grossen Tisch. Da kann man nicht nur bequem die Wäsche falten, sondern auch mit den Nachbarn plaudern.

Diese Begegnungsräume sind keine tristen Arbeitsorte. Von unten nach oben sind alle in den Farben von der Erde zum Himmel bemalt, die Tapeten zeigen Sujets aus dem Westen von Bern, und wer hier wäscht, hat eine herrliche Aussicht über Bethlehem und Umgebung. 

Die Dr. Meyer Immobilien-Verwaltung, der Hauswart und die Mieterinnen und Mieter kommunizieren mit einer eigenen Haus-App auf dem Smartphone. Die neuen Bewohnerinnen und Bewohner kommen zwar aus 39 verschiedenen Nationen, aber sie sprechen durchwegs deutsch und wurden in der Schweiz geboren.

Ein vertikales Dorf

Das Hochhaus ist voll digitalisiert. Mit der App können alle jederzeit am richtigen Ort einen Schaden melden, wenn er anfällt,  zeitunabhängig Reservierungen für Gemeinschaftsräume, Waschmaschinenzeiten oder das Lastenfahrrad buchen, Energiedaten über Strom und Heizung einsehen und bewerten, Werkzeuge ausleihen, Mobiliar verkaufen und direkt Kontakt aufnehmen mit anderen Mieterinnen und Mietern. «Ich muss zum Arzt, habe aber kein eigenes Auto. Kann mich jemand um 15 Uhr fahren?»  – der Haus-Chat funktioniert. Die Mieterschaft findet in der App auch Infos zu Parkplätzen und Einstellhalle, alle Dokumente über das Haus und die Miete. Sogar aktuelle Quartiertnews sind abrufbar.

Die BümplizWochen sind dabei, wenn in den nächsten Wochen die neuen Bewohnerinnen und Bewohner einziehen. Wir werden über ihre ersten Eindrücke im neuen Kaspar berichten. Ein erster Mieter, ein Musikstudent, dem wir im Veloraum begegnen, meinte verschmitzt: «Das ist keine graue Schlafsiedlung. Jetzt hat mir gerade eine Frau vom 11. Stock im Lift gesagt, im Coop nebenan seien italienische Trauben Aktion. 2.60 anstatt 3.90. Das ist doch ein richtiges Dorf!»

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