Ein Schwätzer oder gar ein Angeber ist er bestimmt nicht, der Musiker Jan Fürst alias «Plouderi», obschon sein Künstlername so ausgelegt werden kann. Positiv betrachtet steht der Ausdruck für eine Person, die anregend und geistreich erzählen kann. Demnach schliessen sich Tiefgang und Plaudern nicht aus. Diese Kombination prägt das künstlerische Schaffen des Musikers, dessen Lieder von Beobachtungen des menschlichen Alltags beeinflusst sind; mal leichtfüssig, mal tiefgründig und meistens mit persönlichen Erfahrungen verbunden. «Irgendwann stellte sich die Frage, unter welchem Namen ich Musik mache; klar war jedoch immer, dass ich dies nicht mit meinem bürgerlichen Namen tue», blickt der Musiker zurück, und dann sei halt der Name Plouderi im Kopf aufgetaucht. Das passe zum Erzählen von Geschichten, was schon zu Schulzeiten ein charakteristisches Merkmal von ihm gewesen sei: «In den Schulberichten stand meistens, ich sei gesellig und kommunikativ und könne es gut mit Menschen. Das ist bis heute so und daran ist nichts verkehrt; also passt der Name doch ganz gut.»
Erfüllung eines Bubentraums
Die Sache mit dem Namen ist also geklärt, die Sache mit dem musikalischen Werdegang noch nicht. Der Plouderi fand den Zugang zur Musik in seiner Kindheit auf dem Land und absolvierte in der örtlichen Dorfmusik eine Tambour-Ausbildung. Später sass er am Schlagzeug einer Rockband, heute beschränkt er sich auf der Bühne und im Studio auf das Singen der Musikstücke, die er selbst schreibt und für deren Stilrichtung die Bezeichnung Mundart-Pop-Rock am ehesten passt. In den letzten zehn Jahren veröffentlichte er als Solokünstler Plouderi acht Singles und eine EP, nun folgt sein erstes Studioalbum mit dem Titel «putzt u gschträut». Die Ansprüche von Jan Fürst an sich selbst sind hoch, also nimmt er sich Zeit für die künstlerische Weiterentwicklung. «Was ich heute als Musiker mache, ist die Verwirklichung eines Bubentraums», sagt er, obschon es im kleinen Markt Deutschschweiz extrem schwierig sei, vom musikalischen Schaffen zu leben.
Die Kraft der Mundart
Auch er kann das nicht und arbeitet in einem Teilzeitpensum im kaufmännischen Bereich. Was ihn nicht stört, denn: «Viel zentraler ist mir, Sorge zu meinem Schaffen und zu mir selbst zu tragen, damit ich die Freude und die Leidenschaft nicht verliere.» Er stellt die Authentizität in den Vordergrund und macht musikalisch das, was er fühlt und kann: «Ich will meine Musik nicht auf Biegen und Brechen dem Erfolg oder einem Trend unterwerfen.» Das gelte auch für das neue Album, die Vielfalt an Instrumenten ergebe einen frischen, zeitgemässen Sound und jeder Ton sei in Handarbeit eingespielt, was ihm sehr wichtig sei. Auf die Frage, ob es denn wirklich noch mehr Mundartmusik braucht, wo doch der Markt klein und das Angebot gross ist, antwortet der Plouderi nicht im Plauderton, dafür sehr vehement und emotional: «Zu viel Mundart? Nein, ich habe das Gefühl, davon gibt es zu wenig. Ich bin ein grosser Fan des schweizerischen Musikschaffens mit seiner enormen Dichte und ich finde es etwas Wunderbares, sich dabei in seiner Sprache auszudrücken.»
Inspiration durch Veränderungen
Während eines Konzertes glaubt er, den Leuten anzusehen, dass die Worte direkt bei ihnen ankommen, ohne Übersetzung im Kopf und ohne Übersetzung der Gefühle. Das passt zu einem Musiker, der mit seinen Liedern Geschichten erzählen und Menschen berühren will. «Meine Inspiration hole ich vor allem dann, wenn ich in Bewegung bin, wenn ich Neues entdecke und erlebe.» Dadurch stillt Jan Fürst seine angeborene Neugierde, was er als äusserst wichtigen Teil seines Schaffens bezeichnet; daraus entsteht auch sein Bedürfnis, immer wieder aus der monotonen Routine auszubrechen. Damit er seinen Bubentraum weiterleben kann und mit seiner Band an kleineren Festivals im Sommer und während der folgenden Clubsaison die Krönung seines Schaffens erleben darf: «Bei Auftritten erhalten wir immer sehr viel Anerkennung und Wärme.»