Dank Schweizerischem Roten Kreuz (SRK) stehen in Pflege und Betreuung viele Türen offen

Pflege zuhause als Chance entdecken

Thom Feuz
Von Thom Feuz
Unterwegs zum nächsten Einsatz: Dipl. Pflegefachfrau Claudia Flückiger.

Foto: Foto: zvg

Einfach erklärt
Einfach erklärt: Wer Menschen pflegen möchte, privat oder als Arbeit, kann beim Schweizerischen Roten Kreuz (SRK) eine Ausbildung machen. Franziska Bieri von der Spitex in Laupen erklärt, wieso das ein guter Quereinstieg sein kann.
Ein SRK-Angebot öffnet Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern einen Zugang zu Betreuungs- und Pflegeberufen. Worum geht es, wer ist angesprochen? Wir haben nachgefragt.

Praktisch kein Tag vergeht, an dem nicht vom Fachkräftemangel die Rede ist. Das gilt auch für die Bereiche Pflege und Betreuung. Die Bereichsleiterin der Spitex Laupen, Franziska Bieri, nimmt Stellung zur aktuellen Situation. Gleichzeitig wagt sie eine Prognose betreffend Pflegemodell in der Zukunft.

Das Interesse an Pflegeberufen nimmt ab. Warum?

Franziska Bieri: Ich habe den Eindruck, dass das Interesse grundsätzlich vorhanden ist. Das Problem besteht eher darin, ausgebildetes Fachpersonal längerfristig halten zu können. Die Arbeitsbelastung und die Verantwortung sind hoch, es gibt immer mehr administrative Arbeiten, der knapp bemessene Stellenplan lässt wenig Verschnaufpausen zu. Dies führt zu vermehrten Krankheitsausfällen und dem Einspringen der anderen Mitarbeitenden, was zusätzlichen Zeitdruck verursacht. Stets das Gefühl zu haben, den Pflegeempfängern und letztlich seinen eigenen Ansprüchen an Pflegequalität nicht gerecht werden zu können, führt viele Pflegende in ein ethisches Dilemma. Bleibt diese Situation lange Zeit bestehen, führt dies oft zur Kündigung, wenn nicht gar zum Ausstieg aus dem Beruf.

Wie äussert sich der Personalmangel bei Ihnen?

Im Moment können wir unseren Stellenplan besetzt halten. Aber wir kennen die Situation aus den letzten Jahren: Ausfälle oder unbesetzte Stellen führten zu Überbelastung und vielen Überstunden. Wer diese kompensiert, fehlt wiederum im Alltag.Gleichzeitig erhalten wir deutlich mehr und komplexere Aufträge und damit mehr Pflegestunden. Natürlich versuchen wir neue Mitarbeitende zu gewinnen. Temporäre Fachkräfte können in der Spitex nur bedingt eingestellt werden, da die Einführung mehrere Tage benötigt. Da es anderen Spitex-Organisationen ähnlich ergeht, ist auch ein «Ausleihen» von Mitarbeitenden keine Option. So mussten zwingend notwendige Einsätze priorisiert und Einsätze, wie zum Beispiel Duschen, auf ein Minimum reduziert werden.

Freie Stellen bedeutet gute Chancen für einen Umstieg?

Wer sein Arbeitsfeld verändern möchte, kann dies problemlos tun. Die Pflege ist so vielschichtig, dass es immer ein Gebiet gibt, in dem man sich weiterbilden kann: etwa in der Unterstützung von Menschen bei einer Mobilisation, in der Kommunikation oder in den verschiedensten medizinaltechnischen Verrichtungen. Die Pflege in der Spitex ist spannend, komplex und herausfordernd, aber auch befriedigend.

Die Spitex hat einen guten Ruf. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

(lächelt) Wir haben eine Versorgungspflicht, das heisst, wir müssen jeden Auftrag annehmen. Wo sind die Menschen, wenn sie in den Spitälern nicht aufgenommen werden können (zu Covid-Zeiten) oder wenn in den Pflegeheimen die nötigen personellen Ressourcen und Heimplätze fehlen? Zu Hause. Wir möchten es älteren Menschen und jenen, die vielleicht nach einer Operation Pflege brauchen, ermöglichen, so lange wie möglich zu Hause bleiben zu können. Zudem begleiten wir Menschen palliativ auf ihrem letzten Lebensabschnitt.

Stichwort «Quereinsteiger»?

Bei diesem Kurs des SRK geht es darum, qualifizierte Mitarbeitende für Gesundheitsberufe zu gewinnen. Ob man als Zweitberuf in die Lehre als Pflegefachfrau HF einsteigt oder einen Kurs als Pflegehelfer/in macht: Es ist eine Möglichkeit, einen sinnvollen sowie spannenden Beruf zu erlernen und Perspektiven zu erhalten.

An wen richtet sich das Angebot?

An alle Menschen. Wir haben Mitarbeitende, die früher als Coiffeuse, Konditorin, Laborantin oder Verkäuferin gearbeitet haben. Wichtig sind das Interesse an Menschen, gute Kommunika-
tionsfähigkeiten sowie Empathie. Das Angebot richtet sich zudem an Menschen, die ihre Angehörigen zu Hause pflegen möchten.  

Wie könnte der Arbeitsalltag von solchen Personen in Ihrer Spitex aussehen?

Die Mitarbeitenden mit einem Abschluss als Pflegehelfende SRK werden in Tätigkeiten der Grundpflege eingesetzt: Körperpflege, Mobilisation, An- und Auskleiden. Es gibt verschiedene Dienste oder Arbeitszeitmodelle. So kann zum Beispiel auch an «halben Tagen» gearbeitet werden oder auch an einem bestimmten Tag nur am Vormittag oder am Abend. Die Mitarbeitenden sind ein Teil des Pflegeteams, arbeiten mit Fachfrauen und diplomierten Pflegefachpersonen zusammen und nehmen an Teamsitzungen und fachlichen Sitzungen teil. Die Fallführung obliegt stets einer diplomierten Pflegefachfrau.

Wie gehen Interessierte nun vor?

Sie können sich direkt beim SRK informieren. Nach der obligatorischen Infoveranstaltung folgt eine dreimonatige Ausbildung mit Praktikum und dem Besuch der Schule mit Abschlussprüfung. Wer einen pflegebedürftigen Ehepartner versorgen möchte, meldet sich bei uns für eine Anstellung als pflegender Angehöriger. Eine solche Anstellung ist auch ohne SRK-Kurs möglich. Die Absolvierung des SRK-Pflegehelfenden-Kurses ist auch mit Unterstützung durch uns möglich. Für die geleisteten Stunden beim Ehepartner oder Familienangehörigen erhält der pflegende Angehörige von uns eine Entschädigung, üblicherweise im Stundenlohn.

Wo sehen Sie «Ihre» Spitex in der Zukunft?

Die Zukunft der Pflege ist ambulant. Die Spitalaufenthalte werden aus Kostengründen immer kürzer. Ältere Menschen wollen ihren Lebensabend zunehmend zu Hause verbringen. Die Herausforderungen bedingen intelligente Lösungen und kreatives Denken. Wir sehen uns in fünf bis zehn Jahren in einem grösseren Verbund, aber mit denselben Hauptaufgaben: pflegebedürftigen Menschen zuhause eine bestmögliche Pflege und Betreuung zu bieten.

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