«Ihr Paket wird morgen zugestellt – es passt in den Milchkasten.» Diese Mail hat mich mitten ins Herz getroffen. Nicht etwa wegen des Pakets, sondern wegen des Wortes: Milchkasten.
Lange Zeit habe ich mich geschämt, es zu benutzen. «Leg es einfach … äh … in den Milchkasten», murmelte ich, immer in Sorge, altmodisch zu wirken. Schliesslich holt heute niemand mehr Milch an der Haustür ab. Und doch: Das Wort hat überlebt. Offiziell, digital, ganz selbstverständlich.
Der Milchmann dagegen ist verschwunden, man braucht ihn nicht mehr. Die Migros oder der Coop sind gleich um die Ecke. Aber der Kasten selbst trotzt allen Umbrüchen, steht da wie ein stiller Zeitzeuge – unauffällig und unerschütterlich.
Natürlich passt der Name nicht mehr so recht. «Zalandokasten» wäre zeitgemässer. Oder «Zalandinokasten» – schliesslich finden darin nur handliche Päckchen Platz.
Aber vielleicht liegt genau darin sein Zauber: Der Milchkasten bleibt Milchkasten, egal, was wir hineinstopfen. Und wer weiss: Vielleicht taucht eines Tages doch noch ein Milchmann – oder eine Milchfrau – 2.0 auf, klimafreundlich auf dem E-Bike, mit Kühltaschen voller Online-Bestellungen.
Bis dahin öffne ich meinen Milchkasten jedes Mal mit einem kleinen Lächeln. Denn er erinnert mich daran, dass nicht alles Alte verschwindet. Manche Dinge bleiben – und sei es nur deshalb, um uns daran zu erinnern, wie viel Charme im analogen Alltäglichen steckt.