Ich schreibe Kriminalromane, nächstes Jahr letztmals. Noch ist es aber nicht soweit. Buchautoren sind daran interessiert, dass ihre Publikationen in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Auf der einen Seite gibt der Verlag – bei mir der Weber Verlag in Thun – Gas, auf der anderen Seite ist es den Schreibenden überlassen, nachzudoppeln. Das ist bei mir nicht anders. Immer im September werden die Redaktionen auf das neueste Buch aufmerksam gemacht, meistens in Verbindung mit einer Verlosung. So haben auch zehn Lesende dieser Zeitung eine Ausgabe von «Emmental» mit Widmung erhalten.
Thun im Emmental
Weil der aktuelle Krimi vor allem in Thun spielt – es geht um einen veritablen Skandal in einer nicht existierenden Käserei –, habe ich das Buch einer Tageszeitung gesandt, die in und um Thun verteilt und gelesen wird. Vier Wochen lang passierte nichts, so dass ich bei der Redaktion nachgedoppelt und eine Mail geschrieben habe. Den Inhalt werden Sie sich vorstellen können: Ist das Buch angekommen, besteht die Möglichkeit einer Rezension? Tags darauf kommt die Antwort von Barbara Blocksberg*. Sie erinnert sich nicht, ein Buch erhalten zu haben. Ich schicke also im Oktober Nummer 2 auf die Reise, an Frau Blocksberg adressiert. Und gebe mich auf die Buchbesprechung gespannt. Ich erkläre ihr zuvor, dass auch das Emmental eine Rolle im Roman gleichen Namens spielt, samt dem bekanntesten Käse aus der Region. Auch Amsterdam kommt zu Ehren, Holland bekanntlich eine weitere Käsenation.
1, 2, 3, 4…
Weil weitere Wochen ohne Rezension verstreichen, bekommt Frau Blocksberg eine neuerliche Mail. Sie gibt sich darauf erstaunt, denn das zweite Buch ist nicht eingetroffen. Hoppla. Sie haben es erraten, liebe Lesende, ein drittes Buch wird im November A-Post eingeworfen, wiederum an Frau Blocksberg adressiert. Eine komische Sache, habe ich doch in den letzten zehn Jahren nie (!) eine Beanstandung erhalten, ein Buch wäre bei der Post untergegangen. Henusode. Es vergehen drei Wochen, die Zeitung hat mich nicht zur Kenntnis genommen. Stimmt, man sollte sich selber nicht als Nabel der Welt betrachten… Dennoch. Kürzen wir diese Berichterstattung ab: Buch 3 kommt nicht bei Frau Blocksberg an, auch Nummer 4 im Dezember nicht, denn längst geht es bei mir nicht mehr nur um die Buchbesprechung – mein Interesse als Krimiautor ist geweckt. Übrigens: Der Weber Verlag hat mir die Bücher ersetzt, auch Nummer 5, aber dazu gibt es noch eine Vorgeschichte.
…und 5
Dazu eine nicht ganz unwichtige Randbemerkung: Frau Blocksberg ist sehr freundlich, auch am Telefon, sie gibt sich Mühe, nach den Büchern zu forschen. Aber äbe. Ich teile ihr abschliessend mit, dass ich dem Chefredaktor eine süffisante Mail schreiben werde, was sie einfach zur Kenntnis nimmt, mich machen lässt. Keine halbe Stunde später hat der Chef eine typische Bo-Mail in seiner Kiste. Ich erkläre ihm, was passiert ist, vier Bücher, die trotz korrekter Anschrift nicht bei der Empfängerin landen. Es folgen Fragen, ob da wohl jemand einen Bücherverkauf im Personalrestaurant betreibt oder ob die Zeitung eine versteckte Kamera parat hat. Ich frage ihn auch, ob ich vorbeikommen soll, um das fünfte Buch Frau Blocksberg persönlich zu überreichen? Nach knapp einer Woche noch kein Echo, weshalb ich ihm eine sehr kurz gehaltene Mail mit einer einzigen Frage schicke: Was würde er von einem Mediensprecher halten, der auch nach sechs Tagen nicht auf eine doch etwas heikle Frage eines Journalisten antwortet? Einige Stunden später ruft er an. Mir scheint allerdings, dass er abgelenkt ist. Meine Frage beantwortet er nicht, meint nur, dass sei schon «komisch». Finde ich eben auch. Dann beenden wir das Gespräch.
Persönliche Übergabe
Ich schlage Frau Blocksberg vor, dass ich den Krimi eben doch persönlich auf der Redaktion vorbeibringe, da mich ihre Einschätzung wirklich interessiert. Das tue ich denn auch. Weil sie nicht da ist, übergebe ich das Buch einer Mitarbeitenden. Persönlich.
Einverstanden, liebe Lesende: Es ist schwer vorstellbar, dass der gelbe Riese gleich viermal versagt hat…
*Name geändert