Strenge Sitten im Entsorgungshof Fellerstrasse

«Die Kundschaft bestimmt, was entsorgt wird.»

Thomas Bornhauser
Einige Minuten vor Öffnung: Alles wird bereitgemacht.

Foto: Foto: BO

Einfach erklärt
Es wird beschrieben, was man im Entsorgungshof Fellerstrasse alles (nicht) abgeben darf. Zudem sind einige witzige Episoden zu lesen.
Nach einem «Erlebnistag» – Learning by doing… – in der Brocki der Heilsarmee und bei einer neunten Klasse im Schulhaus Schwabgut wage ich mich in den Entsorgungshof an der Fellerstrasse. Was passiert dort an einem Montag nach dem Weekend? Wer trennt sich von was? Was gibt es dort Besonderes zu erleben?

Grundsätzlich kann man im Entsorgungshof Abfälle aller Art, inklusive Sonderabfälle, abgeben. Nicht angenommen werden Munition, radioaktive und infektiöse Abfälle sowie Tierkadaver. Diese haben eigene spezifische Entsorgungswege. Alle Details dazu auf bern.ch, Stichwort Entsorgungshöfe.

Geschultes Auge

Einige Minuten vor dem abgemachten Termin um 7.30 Uhr stehe ich auf der Matte. Werner Gros-sen, Leiter des Bereichs Sammeldienst Stationär, ebenfalls für den Entsorgungshof Schermenhof beim Wankdorf an der Wölflistras-se zuständig, erwartet mich bereits, versetzt mich mit einer Dokumentation in seine Welt. In dieser unterscheidet das Team zwischen der mobilen Sammlung, also jene mit Kehrichtwagen, wo ca. 70 Leute beschäftigt sind, sowie den stationären Sammeldiensten. Bei letzteren arbeiten ungefähr 30 Leute, die sich zum grossen Teil stundenweise in ihren bestimmten Aufgabengebieten auf dem Entsorgungshof ablösen, was die Arbeit spannend(er) macht. 

Alle gesammelten Abfälle werden entweder verbrannt, daraus entsteht Wärme – primär aus Hauskehricht, der ungefähr 50 % der 380 kg des von Bernerinnen und Bernern jährlich versursachten Abfalls entspricht. Oder aber an für das Recycling spezialisierte Unternehmen weitergeleitet, Metall zum Beispiel an die Firma Thommen, die man optisch beim Vorbeifahren auf der A1 auf Höhe Thörishaus wahrnimmt. Während meinen paar Stunden als Hilfskraft merke ich rasch, dass die Mitarbeitenden das geschulte Auge haben, ob etwas tel quel weggeworfen werden kann – oder ob es in spezielle Container kommt, weil sich damit durchaus noch Geld verdienen lässt, zum Beispiel bei Kupferdrähten oder Elektroschrott.

Sogar «Särge»

Mein Kurz-Volontariat beginnt um 8 Uhr bei Simon Baumgartner, der im Empfangshaus sitzt und die Automobilisten – ähnlich einem McDonalds-Drive-in – dorthin dirigiert, wo sie entsorgen können. Eine Stunde später wechselt der Bümplizer zur Rampe, ich – mittlerweile in Überhosen, T-Shirt und Handschuhen – begleite ihn. Inzwischen hat sich Fabian Prillmann zu uns gesellt. In den paar Stunden, wo ich zum Schluss sogar selbst Kunden ohne Aufsicht abfertigen kann, kommt da so ziemlich alles zur Entsorgung, was eine Dreieinhalb-Zimmerwohnung benötigt. Ist den beiden Spezielles in Erinnerung. «Ja, durchaus», sagt Baumgartner schmunzelnd, «dann und wann kommt sogar ein Sarg, wenn auch… ohne Inhalt.» Angeliefert durch Bestattungsunternehmen. 

Einige Minuten vor Abschluss meiner Kurzlehre sagt ein Kunde, was mir schon seit einige Stunden auffällt: «Es ist einfach toll, wie freundlich und hilfsbereit die Leute hier sind. Ein echter Aufsteller.» Dem gibt es nichts hinzuzufügen. 

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