«Ehrensache, dass ich euch Bern zeige», schrieb Schmid in einer SMS, als er von deren Reise nach Bern erfuhr. Als das Duo aus Paris die Drehtüre zur Lobby erreicht hatten, kamen den Franzosen schreiende Menschen in Richtung Ausgang entgegen. Gleichzeitig hörte man einen lauten Knall. Die Lage war völlig unübersichtlich, der Knallkörper einer Rauchpetarde hatte den Raum teilweise vernebelt, überall rannten Menschen zillos herum. Sicher war nur eines: Dufour und Legrand waren mitten drin, in der Action.
«Merde! Was ist passiert?», fragte Legrand Chrigu Schmid, der ihm ebenfalls entgegenkam, während Pierette Dufour versuchte, sich im Tohuwabohu einen ersten Überblick zu verschaffen.
«Dort, im Lift liegt ein Mann, bewusstlos oder tot», bekam Legrand zu hören. «Ich rufe gleich die Polizei», gab sich Schmid erstaunlich abgeklärt. Charles Legrand hatte derweil zur Rezeption zurückgefunden, mit dem Auftrag an die Angestellte, sofort alle Zugänge zum Hotel zu schliessen, Einstellhalle inbegriffen. Er wies sich als Mitglied Pariser Polizei aus.
Zwei Minuten später waren Sirenen zu hören, unmittelbar danach standen unzählige Polizisten im Eingangsbereich. Einsatzleiter Viktor Kneubühl begab sich auf direktem Weg zur Rezeption, um Auskunft zu erhalten. Die Angestellte war jedoch nicht ansprechbar, so dass sich die Franzosen mit ihren Ausweisen vorstellten und erste Antworten gaben: Eine vermutete Rauchpetarde, um Verwirrung zu stiften, ein Mann im Lift, der Auftrag, alle Zugänge zu den Hinterräumen und zur Einstellhalle sofort zu sperren. Viktor «Fige» Kneubühl bedankte sich für ihren Einsatz, anschliessend forderte er im Nordring «das ganze Karussell» an, KTU, Rechtsmedizin und Notfallarzt für die Rezeptionistin.
«Herr Kneubühl, können wir…»
«Wenn’s recht ist, Viktor, das reicht, wir sind ja Kollegen. Charles, haben Pierette und du Dienstwaffen dabei? Sorry, ich muss dich das fragen.»
«Kein Problem. Nein, wir sind unbewaffnet, unser Freund dort drüben will uns die Stadt zeigen.»
«Tut mir leid, dass dies euer erster Eindruck von Bern ist. Ach, das dort ist ja Schmid Chrigu, bekannt wie ein bunter Hund.»
«Hast Du etwas dagegen, wenn Pierette und ich uns umschauen? Vielleicht fällt uns etwas auf.»
«Zum Beispiel?» wurde Kneubühl neugierig.
«Zum Beispiel, weshalb die Frau an der Rezeption allein zu sein scheint, hier ist doch Hochbetrieb.»
«Gute Frage. Also denn, ihr Berner, ihr kriegt vollen Auslauf. Ach, noch etwas: Merci beau-coup!»
Der Instinkt der beiden Polizisten führte sie in den Untergrund des Hotels, mit allen haustechnischen Installationen, so auch die Wäscherei, wo jedoch niemand mehr zu sehen war. Der Pariserin fiel auf, dass die Wäsche offenbar auswärts in eine naheliegende Grosswäscherei ging, stand doch ein Lastwagen abfahrbereit an der Rampe, mit noch offener Ladetüre, die der Fahrer gleich schliessen wollte.
«Attendez! Police!»
«Weit sind wir hier in Bern gekommen», bekam sie zu hören, «wenn wir bereits Romands beschäftigten», worauf Dupont den Fahrer zu sich bat. Im Flüsterton erklärte sie, dass sich einem grossen Sack etwas bewege, er solle die Türe abschliessen. Zwei Minuten später lag ein junger Mitarbeiter der Rezeption mit gefesselten Händen auf dem Boden. Die Ermittlungen sollten ergeben, dass er im Aufzug seinen Drogendealer erschossen, anschliessend mit der Petarde Panik und Verwirrung gestiftet hatte, um sich unbemerkt abzusetzen.
Chrigu Schmid konnte den beiden Gästen am Abend doch noch Bern zeigen. Staunen war einige Tage später angesagt, als sich die beiden Franzosen auf der Titelseite der BümplizWochen abgebildet sahen, mit lobenden Worten für ihren Einsatz.