Da braut sich was zusammen

Anna Weiss
Leyla Gül und Andreas Hauser in der BrauBar.

Foto: AW

Einfach erklärt
In Bern West gibt es zwei besondere Bierprojekte. Kurbelbräu aus Oberbottigen lässt sein Bier heute von einer anderen Brauerei herstellen und liefert es mit dem Velo aus. In der BrauBar in Bümpliz brauen Freiwillige selbst Bier und verkaufen auch Bier von Kurbelbräu.
Beide Ideen entstanden bei einem Bier: die eine am Berner Stadtfest, die andere nach dem Triathlontraining. Was zunächst nach zwei Schnapsideen klang, entwickelte sich zu zwei Bierbrauereien im Verteilgebiet dieser Zeitung.

Es ist das Jahr 2013, und die Triathleten Peti Studer und Philip Walker feiern mit Leuten aus verschiedenen Ausdauersportszenen gerade das Ende der Saison. Bereits nach Ladenschluss, geht ihnen das Bier aus. Die Sportler schwingen sich auf ihre Velos und suchen in allen Ecken der Stadt nach Bier, um dem Abend noch kein Ende setzen zu müssen. Damit ist die Idee für Kurbelbräu geboren. Nach einem Bierbraukurs beginnen Studer und Walker in ihrem Keller in Oberbottigen mit ersten eigenen Brauversuchen. Ebenso wichtig wie das Bier selbst ist ihnen dessen Transport: Es sollte Oberbottigen möglichst umweltfreundlich und auf zwei Rädern verlassen.

Das Brauen ist nicht ihr Bier
Zu Beginn experimentieren die beiden mit verschiedenen Hopfensorten und Bierarten. Bald ist ihnen jedoch klar, dass sie nicht gleichzeitig die Velolieferung anbieten und «kompliziertes Bier» brauen können. «Die Velolieferung macht uns einzigartig», erzählt Studer und begründet damit den Entscheid, von da an ein einfacheres naturtrübes Bier zu brauen. Neben Vollzeitstellen und Familie lässt sich das Brauen nach einigen Jahren nicht mehr selbst bewältigen, und sie entscheiden sich fürs Lohnbrauen.

Ein Selbstfahrer
Der Fokus auf ihr eigentliches Markenzeichen, die Auslieferung per Velo, zeigt sich auch sonst. Im Projekt «Mir sattlä um!» der Stadt Bern demonstrieren Studer und Walker, wie die Umstellung im Wirtschaftsverkehr vom «Büsli» zum Lastenvelo in der Praxis aussehen kann. Später meldet sich Bern Welcome, um ein Video über sie zu drehen. Beide Aktionen sind «Glückstreffer» und verschaffen ihnen einiges an Rückenwind. Mittlerweile funktioniert das Kurbelbräu-System ziemlich eigenständig. Das Bier wird extern gebraut und von Velokurier Bern ausgeliefert. Studer und Walker regeln die Kundenbetreuung, posten auf Instagram, brauen ab und zu ein Spezialbier oder liefern bei Gelegenheit auch mal selbst aus. Studer hat einige Ideen für die Zukunft, von denen viele auf dem Rennrad entstehen.

Ein «erweitertes Wohnzimmer»
Einige Kilometer östlich von Oberbottigen, in Bümpliz, findet im Jahr 2016 nach 25 Jahren Pause ein Berner Stadtfest statt. Die Historikerin und Politikerin Leyla Gül wünscht sich an diesem Abend, dass «es so bleiben würde». Damit meint sie ein nachbarschaftliches Zusammenkommen bei Bier und Gesprächen. Mit dieser Idee ist sie nicht allein. Zusammen mit weiteren Initiantinnen und Initianten suchen sie einen Ort, der sowohl Bar als auch Brauerei sein konnte. Durch viele Zufälle, Bekannte und «wenig strategisches Vorgehen» finden sie ihr «erweitertes Wohnzimmer». Im Gewölbekeller des Bienzguts ist genug Platz für eine Bar, Tische und eine Nische zum Brauen. Die im Jahr 2018 eröffnete BrauBar ist genossenschaftlich organisiert.

Hinter Bar und Bier
«Man übernimmt so viel Arbeit, wie man will», erklärt Gül. Daher sind einige alle zwei Wochen und andere zweimal im Jahr hinter der Bar zu sehen. Ein grosser Teil der rund 70 Ehrenamtlichen sind pensioniert. Während diese Bier ausschenken, entsteht hinten mehr davon. Zurzeit wechseln sich fünf Brauer ab und werden jeweils von einer anderen Person unterstützt. Vor ihrem Engagement in der BrauBar hatte keiner von ihnen Brauerfahrungen. Andreas Hauser, einer der Brauer, bagatellisiert diesen Umstand aber: «Es kann nur gutes Bier geben. Um schlechtes Bier herzustellen, muss man sich Mühe geben.» Der Brauprozess dauert sieben Wochen. Davon erfordern etwa sieben Stunden aktive Arbeit. Doch auch während der Gärung muss das Bier regelmässig kontrolliert werden. Hinzu kommen das Abfüllen und Etikettieren. Etwa 45-mal im Jahr kommt der 50-Liter-Kessel zum Einsatz. Daraus können 150 Flaschen abgefüllt werden. Die BrauBar verkauft diese exklusiv vor Ort. Wer am Donnerstag- oder Freitagabend Lust auf ein hauseigenes Bier hat, hat meistens fünf zur Auswahl. Neben den Standardbieren sorgen Spezialbiere für Abwechslung. Passend zur Saison degustieren Gül und Hauser gerade ein «Pumpkin Spice Ale» mit Kürbis, Nägeli und Koriander. Neben den eigenen Kreationen bietet die BrauBar auch «Fremdbiere» an. Immer wieder gehört auch das Kurbelbräu Bier dazu – selbstverständlich per Velo geliefert.

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