Die SP Bümpliz/Bethlehem sagt:

«Ein Lohn muss zum Leben reichen»

PD
Von PD
Ali Nauroozy & Michael Spahr sammeln Unterschriften beim Bienzgut

Foto: zvg

Einfach erklärt
4300 Franken sollen Bernerinnen und Berner mindestens verdienen, wenn sie 100 % arbeiten. Das fordert eine Initiative. Michael Spahr war mit diesem Anliegen auf den Strassen auf Unterschriftenfang. 
Gegenwärtig sammelt die SP Unterschriften für die Initiaitve «Ein Lohn zum Leben». Co-Präsident SP Bümpliz/Bethlehem Michael Spahr gibt hier einen Erfahrungsbericht von den Strassen im Stadtteil VI.

Kürzlich stand ich vor dem
Bienzgut in Bümpliz und sammelte Unterschriften für die Initiative «Ein Lohn zum Leben». Positiv überrascht war ich, dass fast alle, die ich ansprach, die Initiative unterschrieben. Berührt hat mich eine Frau, die sich mit den Worten bedankt hat: «Endlich unternimmt jemand etwas.» Dann erzählte sie mir, dass sie zwei bis drei Jobs brauche, um über die Runden zu kommen.

Im reichsten Land Europas, im Land mit der grössten Millionärsdichte der Welt, im Land, wo ein Döner Kebab durchschnittlich 12 Franken kostet (der wohl höchste Döner-Preis auf der Erde), gibt es immer noch Menschen, die von ihrem Lohn nicht leben können. 8000 bis 10’000 Menschen, die in der Stadt Bern wohnen und 100 % arbeiten, verdienen weniger als 4000 Franken. Es sind Menschen, die in der Gastronomie, in der Reinigung oder in der Logistik arbeiten, die sich mit ihrem Lohn kaum das Wohnen, Essen und die Gesundheitskosten leisten können. Kommt dann plötzlich eine hohe Zahnarztrechnung oder ein Schicksalsschlag hinzu, ist der Weg in die Armutsfalle nicht weit.

Das darf nicht sein. Deshalb hat ein Bündnis von Gewerkschaften, SP und anderen Parteien in der Stadt Bern eine Mindestlohninitiative lanciert. «Ein Lohn soll zum Leben reichen» heisst die Forderung. Im Minimum 23.80 Franken pro Stunde sollen Arbeitgeber in der Stadt Bern ihrem Personal zahlen, rund 4300 Franken im Monat. Ausnahmen gelten für Lernende und Personen, die ein Praktikum absolvieren – notabene ein «echtes» Praktikum, wo man in erster Linie etwas lernt. Die Sozialpartner, also Arbeitgeber, Gewerkschaften und die Stadt Bern, kontrollieren dann, dass die Regeln eingehalten werden, und erstatten bei Missbräuchen Anzeige.

«Schaden solche Mindestlöhne nicht der Wirtschaft und führen zu Arbeitslosigkeit?», wurde ich beim Unterschriftensammeln gefragt. Nein, wissenschaftliche Studien zeigen: Wo es einen Mindestlohn gibt, verdienen die Menschen mehr, was auch der Wirtschaft nützt. Steigt die Kaufkraft der Betroffenen geben sie mehr aus oder investieren es längerfristig, zum Beispiel in Bildung. Eine Win-win-Situation, denn vom Mindestlohn profitieren am Schluss alle.

Noch bis im Oktober sammeln wir in Bern für die Mindestlohninitiative. Hoffentlich schon nächstes Jahr stimmen wir darüber ab. In Zürich und Winterthur hat die Stimmbevölkerung bereits Ja gesagt. In Biel und Schaffhausen wird im Moment auch gesammelt. Und in mehreren Kantonen gibt es den Mindestlohn bereits – und er wurde nirgends rückgängig gemacht.

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