Traurig sitzt Sylvia Blattner in ihrem Garten und blickt auf das Foto ihres geliebten «Simis». Den letzten Sack Katzenfutter verteilt sie später an die Igel, die sich über den Snack freuen werden. Blattner war vor ihrer Pensionierung jahrelang in der Pflege und in der Gastronomie tätig. Sie war es sich gewohnt, stets unter Menschen zu sein.
Das Alleinsein war ihr fremd. Ihr Ehemann ist tragischerweise früh verstorben und ihre zwei Kinder und ihre zwei Enkelkinder sind seit Jahren mit ihrem eigenen Alltag beschäftigt. Sylvia Blattner fühlte sich daher vermehrt einsam. Vor sechs Monaten beschloss sie, sich eine Katze anzuschaffen. «Es war Liebe auf den ersten Blick», so die Bümplizerin über den Tag, als sie «Simi» zum ersten Mal sah. Die Rentnerin blühte als frischgebackene Katzenmutter regelrecht auf. Der kleine Kater bekam einen Futternapf, ein Katzenklo, hochwertiges Tierfutter und viele Spielsachen. «Am Anfang bin ich mit Simi an der Leine spazieren gegangen, damit er lernte, wie weit er sich bewegen kann und wo die Gefahren lauern», erklärt sie.
Dann die Horrornachricht am 22. August. Die Bümplizer Polizei hat die Meldung einer toten Katze erhalten, die nahe der Tramhaltestelle «Bümpliz Unterführung» gefunden wurde. Dank des Chips konnte man die Katze als Blattners «Simi» identifizieren. Das Kuriose dabei war die nicht erkennbare Todesursache, denn Simi lag regungslos auf dem Rasenboden, direkt hinter der Tramhaltestelle, wo sich auch Blattners Garten befindet, und nicht etwa wie erwartet auf dem Trottoir oder der Strasse, wo man vom Aufprall eines Fahrzeugs ausgehen konnte. Zudem gab es weder Anzeichen von Fremdeinwirkung noch Blutspritzer oder irgendwelche Bremsspuren. Es wirkte beinahe, als sei die Katze von einem Moment auf den anderen tot umgefallen.
Während sich der Schreibende den Garten des Wohnblocks anschaut, erzählt ihm ein benachbartes Ehepaar (Teresa und Mario), dass sie erst vor kurzem dasselbe durchgemacht hätten. Ihre geliebte «Mimi» wurde nur dreieinhalb Jahre alt. Anfangs Juli fand ein Spaziergänger ihre Katze tot in der Nähe des Sportplatzes Bodenweid. Er verständigte umgehend die Polizei, welche die Katze einsammelte und den Besitzern vorbeibrachte. «Die Polizisten waren sehr nett und man erkannte bereits an ihrem Gesichtsausdruck, dass keine guten Nachrichten folgen», so Mario. Auch bei Mimi gab es keinerlei Spuren.
Das mysteriöse Ableben der beiden Katzen gibt in der Nachbarschaft zu reden. Auffällig sei zudem, wie viele «Katze vermisst»-Flugblätter in letzter Zeit überall in Bümpliz aufgehängt werden, erklären die Anwohner. Teils werden dabei Belohnungen von bis zu fünfhundert Franken versprochen. Es kursiert das Gerücht, dass es jemand auf die Katzen abgesehen hat, doch Beweise gibt es dafür keine. «Ich habe vor einigen Monaten eine Gruppe Jugendlicher dabei erwischt, wie sie mit einem Stock eine Katze schlagen wollten», erzählt mir Teresa, «und da habe ich sofort eingegriffen und den Jungs eine Standpauke gehalten. Ich glaube, sie haben ihren Fehler eingesehen, jedenfalls haben sie sich aufrichtig entschuldigt und ich habe sie danach im Quartier nicht mehr gesehen.»
Bei «Mimi» wie auch bei «Simi» konnten sich die Halter eine Obduktion der Katze nicht leisten, wodurch man unter anderem eine Vergiftung hätte feststellen können. Eines ist auf jeden Fall klar: Gewalt gegen Tiere darf nicht tolleriert werden. In Bümpliz halten die Katzenliebhaberinnen und Katzenliebhaber nun besonders wachsam ihre Augen offen.
Die Anwohnerinnen und Anwohner sind besorgt und hoffen, dass sich die Ungewissheit bald auflöst. «Simi» und «Mimi» wird das nicht mehr helfen können, hoffentlich bleiben weitere Katzen von solchen Vorfällen verschont.