Vorpremiere: der erste Krimi von Sacha Jacqueroud

Töten erlaubt

Sacha Jacqueroud
Von Sacha Jacqueroud - Chefredaktor
So sieht das Cover des Erstlingswerks aus.

Foto: zvg/Silvio Stritt

Einfach erklärt
Journalistin Desiree Winter deckt einen faustdicken Skandal auf. Zusammen mit Ihrem Praktikanten ist sie einem Abkommen zwischen der Schweiz und China auf der Spur. Als sich eine Bundesrätin einschaltet, geht es um Leben und Tod.
«Es nervte sie gewaltig, dieses ohrenbetäubende Gepiepse. Wann würde sie endlich daran denken, in ihrem Handy die Weckermelodie zu ändern? Sie gab dem Unterfangen wenig Chance auf Besserung und kroch aus dem Bett, wie ein Maulwurf aus dem Erdreich: blind. Der Gang zur Kaffeemaschine, dann ins Bad, es waren routinierte Abläufe die sie taumelnd beherrschte. Und vor allen Dingen wortlos.»

«Diese morgendlichen Qualen, bis die ersten beiden Kaffees ihre Wirkung entfachten, waren mit ein Grund, weshalb Desiree Winter nicht gerne neben einem Mann erwachte. Schon alleine die Vorstellung, sich am Morgen diese Blösse zu geben, verdarb ihr jegliche Lust darauf. Endlich schenkte der Kaffee ihren Augen die Fähigkeit zu sehen.»

Desiree Winter stösst nur dank ihrer Gründlichkeit auf einen Fall, der die ganze Schweiz in einen bundesrätlichen Skandal verwickelt. Nicht, dass die Bundesräte gerne Geständnisse an die Volksrepublik China machen würden, aber wenn ein milliardenschweres Wirtschaftsabkommen winkt, sind kleine Gefälligkeiten eben plötzlich denkbar. 

«Julien, du weisst schon, dass, wenn du ausserhalb dieses Raumes solche Worte brauchst, China uns scharf attackieren würde und die ganzen Wirtschaftsabkommen dadurch gefährdet wären. Aufträge in Milliardenhöhe könnten mit einem Wimpernschlag von China storniert werden. Sie brauchen uns nicht, wir sie schon, wollen wir nicht auf Gedeih und Verderb wirtschaftlich lediglich auf die wankelmütige EU angewiesen sein.» 

Bundesrat Stärchi überzeugt sein Kollegium. Nur, was ist geschehen? Mitten in Bern, nur einen Steinwurf vom Bundeshaus entfernt? Winter ist nicht alleine auf der Suche nach Antworten. Stets an ihrer Seite entdeckt Praktikant Noël Affolter, wie aufreibend journalistische Arbeit sein kann. 

«Woher weisst du das?», fragte Desiree verwundert. Dieser unerfahrene Nerd hatte eine Info, die sie als Politikone der Zeitung nicht wusste. ‹Auch ich habe meine Quellen›, scherzte Noël und zeigte sein Handydisplay in Richtung von Desiree Winter. Darauf war ein Chatverlauf mit einer Simone zu erkennen. Zwischen den vielen Smileys und Herzchen stand genau diese Information. ‹Simone hat zusammen mit mir im Nebenfach Politologie studiert und hat einen guten Kontakt zu Judith Burren aufgebaut, der Bundeshaussekretärin. Eine reizende Dame, verschlossen bis zum zweiten Apérol-Spritz, dann jedoch eine Quaselstrippe›, gluckste er vergnügt.»

Was die beiden Schnüffelnasen jedoch nicht wissen: Zwei weitere Personen sind dem chinesisch-bundesrätlichen Geheimnis auf der Spur. 

«Lautlos rollte der alte Audi auf den Hausplatz. Schon als Sherif und Arjun das Schild ‹Curore Bestattungen› sahen, schaltete Sherif nach und nach alle Vitalzeichen des Autos ab. Erst die laute Musik, dann das Licht und auf den letzten Metern glitt das Auto im Leergang und mit abgestelltem Motor dahin, ehe es noch etliche Meter vom Vorplatz entfernt in sicherer Distanz zu stehen kam. 

Doch der chinesische Botschafter sieht in diesen zwei Gestalten keine ernstzunehmenden Gegner. 

«Am Fenster huschten die ersten schönen Gebäude von Muri vorbei. Der Botschafter musste schmunzeln. Manche hier würden die chinesische Strategie Erpressung nennen. In der chinesischen Kultur sah man das ganz anders. Loyalität sorgt für Stärke und wer stark ist, hat die Macht, so ist das seit tausenden von Jahren in China. Und schliesslich war dieses grosse Land schon eine hochzivilisierte Gesellschaft mit Wissenschaften und Schriftzeichen, als die Schweizer noch ein reines Volk von Bauern waren, schmunzelte der Botschafter und fühlte sich überlegen.»

Als sich jedoch Bundesrätin Käppeli einschaltet, geht es um Leben und Tod. Nur welche Rolle spielt in diesem Katz-und-Maus-Spiel Bundesanwalt Charlie Ducret? 

«Ist das deine Meinung oder jene des Wirtschaftsministers?», fragte Käppeli und begann sich langsam zu ärgern. «China verhandelt nicht, China schafft Anreize, um dich gefügig zu machen, damit du das Gesamtpaket annimmst. Den Vertrag anzupassen, das funktioniert bei den Chinesen nicht. Sie haben in der Regel das gleiche Angebot schon einem anderen Land in Aussicht gestellt, für den Fall, dass wir es ablehnen würden», antwortete Ducret stoisch ruhig.

Alles fiktiv? Gewiss, aber jeder guten Geschichte liegen einige handfeste Tatsachen zu Grunde.  Diskretion ist in der Schweiz so etwas wie eine Konstante. Dank ihr hat sich manch vorteilhafte Entwicklung eingestellt. Diskretion ist aber auch ein trüber See, in dessen Tiefen niemand so genau weiss, welche Leichen man finden wird. Ab und zu spült ein Zufall eine empor. Meist wirft das, was ans Ufer geschwemmt wird, obschon es politisch diskret hätte behandelt werden sollen, kein gutes Licht auf die Schweiz. Wer jedoch mehr als die zufällig angespülte Leiche aus der Schweizer Diskretion fischen will, der erkennt ein Knäuel voller Macht, Intrigen, Bevorteilungen und Ehrgeiz.

Die Buchreihe
«Töten erlaubt» ist der erste Fall von Desiree Winter und ihrem Praktikanten Noël Affolter. Autor und Journalist Sacha Jacqueroud spinnt Fäden einer Geschichte aus dem Knäuel der Politik rund um Bundesbern. Stets bemüht, einen Bezug in die heutige Welt zu schaffen, ohne dass der Krimi ein Ablaufdatum erhält. Der zweite Fall erscheint im Herbst 2025 mit dem Titel «Erpressen erlaubt». In diesem Krimi gerät Winter ins Schussfeld der halbstaatlichen Unternehmen und deren Verbandelungen mit dem Bundesrat.
Vorbestellungen
Der Krimi erscheint beim Neptun Verlag in Bern. Sichern Sie sich ihr Exemplar für 27.90 Franken und bestellen Sie direkt bei der BümplizWochen:
031 848 20 20 oder per Mail an info@bm-media.ch
Online können Sie das Buch auch beim herausgebenden Verlag bestellen:
www.neptunverlag.ch/detail/28321AB/

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