«Darf ich Sie fragen, ob Sie im Westen von Bern wohnen?», ergeht an einen geschätzten 40-Jährigen. Nein, er komme aus Dübendorf, weshalb ich das wissen wolle. Ich erkläre mich. Umgehend will er wissen, ob ich es denn schätzen würde, von einem Fremden ausgefragt zu werden. Unverschämt, denke ich mir, er kann ja ablehnen. Ich sähe darin kein Problem, antworte ich, worauf er den Spiess umdreht, weil selber Journalist. Sagt er jedenfalls, einen Presseausweis hat er jedoch nicht dabei. Aber wieso nicht? Hier also das Gespräch unter umgekehrten Voraussetzungen.
Weshalb interessieren Sie sich für Menschen?
Man sagt, ich sei kommunikativ, ich interessiere mich für das eine oder andere, nicht bloss für Menschen. Politik, zum Beispiel (ich schmunzle).
Was ist daran so lustig?
Ich habe vor den letzten Wahlen in Amerika, also im Frühjahr 2020, hier geschrieben, man dürfe weder Biden noch Trump wählen. Meine Utopie: Sollte Biden wider Erwarten gewählt werden, müsse er altershalber 2022 zurücktreten und einer gewissen Kamala Harris Platz machen, im Hinblick auf den November 2024.
Nicht schlecht (lacht)! Und was beschäftigt oder nervt Sie?
Mich beschäftigt einiges, zum Beispiel die Unverfrorenheit, mit der wir von gewissen Politikern die Unwahrheit aufgetischt bekommen, aus Unwissenheit oder sogar vorsätzlich. Und ich nerve mich, wenn Gleichaltrige behaupten, früher sei alles besser gewesen und heute nur noch rummotzen, statt dankbar dafür zu sein, dass meine Generation die beste Zeit der Menschheit erlebt hat.
Und das in der Schweiz.
Genau. Keine Kriege, keine Naturkatastrophen. Vollbeschäftigung, stabile politische Verhältnisse. Und heute beziehen wir AHV und Pension. Wir sollten dankbar sein. Die nachfolgenden Genera-tionen werden es nicht gleich einfach haben.
Ärgern sich die Leute manchmal über Sie?
Hallo!? Haben Sie auch einen portablen Lügendetektor bei sich?
Ich stelle die Fragen.
Das müssten Sie die Leute fragen. Vielleicht, weil ich zu viel und zu lang rede, wenn ich aus meinem aussergewöhnlichen Leben erzähle.
Was soll daran so interessant sein?
Einspruch, das würde jetzt zu weit zu führen, ich wüsste nicht, wo beginnen. Nächste Frage.
Nein, die gleiche, Teil 2.
Ich bin recht impulsiv, neige dazu, meinen Sprachjargon spontan zu überdrehen. Also gehe ich dann auf Entschuldigungstour. Regelmässig.
Was reizt Sie, für eine kleine Lokalzeitung zu schreiben?
Drei Dinge. Erstens wird die BümplizWochen gelesen. Viele Redaktorinnen und Redaktoren gros-
ser Zeitungen würden sich wundern und freuen, gäbe es auf ihre Beiträge derart viele Rückmeldungen. Zweitens: Bei einer Lokalzeitung lernt man das journalistische Handwerk, präzise zu recherchieren und zu schreiben. Wehe, man vermerkt, die Katze von Frau Keller sei weiss, wenn sie schwarz ist. Über Herrn Trump kann ich hingegen schreiben, was ich will, niemand kann das überprüfen. Drittens: Ich erlebe bei der Redaktion eine unglaubliche Wertschätzung, ganz coole Truppe.
Würden Sie auch für grössere Zeitungen schreiben?
Falls ich überhaupt angefragt würde? Nein, mir passt der Mi-krokosmos in und um Bern. Hier ist derart viel los, über das die hiesigen Tageszeitungen nicht berichten, weil ihnen die Zeit zum Recherchieren fehlt. Sagen sie jedenfalls.
Sie glauben das nicht?
Sagen wir es so. Nicht in jedem Fall. Und noch etwas: Ich muss ein Foto für dieses Interview haben. Darf ich Sie abbilden?
Nein, verkehrte Welten bis zum Schluss.
Na denn. Viel Glück. (Und beim Betrachten des Fotos:) Na ja…