zer Berufslernenden bei der Lehrabschlussprüfung durch. Angesichts dieser Durchfallquote stehen Lernende und junge Berufsleute der zwischen 1995 und 2010 geborenen Gen Z nun unter besonderer Beobachtung. Sie seien arbeitsscheu, fordernd und unzuverlässig, mutmasst wider besseren Wissen der Stammtisch. Ein anderes Bild zeigt sich, wenn nicht über, sondern mit den «Zoomers» geredet wird, wie das die in diesem Frühjahr erschienene SwissSkills-Studie getan hat. Fazit: Die Vorurteile gegenüber der Generation Z beruhen mehrheitlich auf den unterschiedlichen Erwartungen, die junge Berufsleute heute gegenüber ihren Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern haben. Höchste Zeit also, die Resultate der repräsentativen SwissSkills-Studie vorurteilsfrei zur Kenntnis zu nehmen.
Wertschätzung, Vertrauen, Sinnhaftigkeit, Arbeitsplatzsicherheit
Die Gen Z ist durch die Bedrohungen von Pandemien, Krieg, Terror und Klimawandel geprägt worden. Dies hat sie zu einer realistischen Sicht auch auf die Arbeitswelt geführt. Als Gegenentwurf zur unsicheren Zukunft hat sie ein starkes Bedürfnis nach Stabilität, Sicherheit und Verbindlichkeit entwickelt und erwartet auch in Zeiten niedriger Arbeitslosigkeit und zunehmenden Fachkräftemangels von ihrem Umfeld Arbeitsplatzsicherheit, klare Hierarchien und Vorgaben. Die teilweise von übervorsorglichen Helikopter-Eltern erzogene Generation ist es gewohnt, wertgeschätzt und ernst genommen zu werden. Dies erwartet sie selbstredend auch von ihrer Arbeitswelt. Wer etwas von jungen Mitarbeitenden dieser Generation will, muss also respektvoll und wertschätzend auftreten – und darf dafür im Gegenzug dasselbe einfordern. Waren Lohn und Karriere sowohl für die zwischen 1946 und 1964 geborenen Babyboomer als auch für die nachfolgende Gen Y noch starke Motivatoren, trifft dies auf die Gen Z nur sehr eingeschränkt zu. Für diese wird die Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit zusehends zur Triebfeder des beruflichen Engagements.
Ablehnung der ständigen Erreichbarkeit
Führungskräfte von Unternehmen sollten sich bewusst sein, dass Lernende und junge Mitarbeitende den heute vorherrschenden Trend zur Überblendung von Arbeit und Freizeit mehrheitlich ablehnen. Statt «Work-Life-Blending» ist nun «Work-Life-Separating» angesagt, also die zeitliche und räumliche Trennung von Arbeit und Freizeit. Dies sollte nicht als Ablehnung der Arbeit an sich missverstanden werden. Die Gen Z ist durchaus kreativ, leistungsbereit und leistungsfähig – jedoch nur innerhalb einer geregelten Aufteilung zwischen Arbeit und Freizeit. Kurzum: Sie lebt nicht, um zu arbeiten, sondern arbeitet, um zu leben. Damit geht sie auf Distanz zur Generation X der zwischen 1965 und 1980 Geborenen, für welche die ständige Erreichbarkeit auch in der Freizeit teilweise zur Normalität geworden ist – dies allerdings mit fatalen gesundheitlichen Auswirkungen. Eine Studie der «Initiative Gesundheit und Arbeit IGA» hatte bereits 2018 festgehalten, dass der «Alarmzustand», wenn wir permanent auf eingehende Nachrichten und Anrufe warten, einer körperlichen und psychischen Dauerbelastung gleichkommt und sich ohne weiteres in hohem Bluthochdruck, Diabetes, Infektionskrankheiten und schlimmstenfalls Burnout manifestieren kann. Ganz im Gegenzug dazu scheint es den jungen Erwachsenen ein Anliegen zu sein, ihre psychische und physische Gesundheit als Priorität anzuschauen. Eine Einstellung, von der auch Unternehmen und Arbeitgebende profitieren können – sowohl was die Anzahl der Ausfälle als auch das Wohlbefinden und -ergehen der eigenen Mitarbeitenden anbelangt.
Branchenübergreifend-repräsentative SwissSkills-Studie
Die vom Bund, den Kantonen und den massgeblichen Organisationen der Arbeitswelt getragene Stiftung SwissSkills ist seit 2014 Initiantin und Organisatorin der Schweizer Meisterschaften nichtakademischer Berufe aus den Branchen Handwerk, Industrie und Dienstleistung. Für die aktuelle Studie wurden im Frühling 2023 schweizweit knapp 600 sogenannte «Berufstalente» der SwissSkills 2022 befragt. Mit dieser repräsentativen Anzahl wurde gewährleistet, dass verschiedene Meinungen und Perspektiven in der Umfrage vertreten sind. Von den Befragten waren 38 % weiblich und 62 % männlich. Die höhere Anzahl männlicher Teilnehmer an der Studie bedeutet nicht, dass Männer motivierter waren, teilzunehmen, sondern spiegelt die höhere Anzahl männlicher Teilnehmer bei den SwissSkills wider.