Jahrhundertealt und doch wieder aktuell: Die Geschichte der Täufer prägte Kirche und Gesellschaft und bewegt noch immer. Auch der vormalige Bümplizer und heutige Könizer Autor Markus A. Jost ist fasziniert davon. Im Herbst 2022 schrieb er, der unter anderem protestantische und katholische Theologie studiert hatte, deshalb seinen ersten historischen Roman: «Die Suchenden.» Nun folgt mit «Unpassend» wieder ein Roman, diesmal zu den Anfängen der Täuferbewegung.
Kirche und Politik
Wie politisch soll Kirche sein? «Diese Frage beschäftigt die Kirche seit ihrem Entstehen vor 2000 Jahren. Im 16. Jahrhundert, zur Zeit der Reformation, erhielt die Frage mit der Entstehung der Reformierten Kirche zusätzliche Brisanz», erläutert Jost. Die neue, von Papst und Klerus unabhängige Reformierte Kirche habe sogleich die Nähe und Anbindung an die politischen Institutionen gesucht. «Nun musste», erklärt er weiter, «der Stadtrat darüber entscheiden, ob alle Neugeborenen zwingend getauft werden müssen oder nicht, und er musste seinen Entscheid durchsetzen.»
Kirche der Freiwilligkeit
Nicht alle Menschen befürworteten diese neue Art von Kirche. Einige Kantone – insbesondere in der Innerschweiz – wollten bei der alten Kirche mit Papst und Bischöfen bleiben. Nebst diesen beiden Blöcken formierte sich eine dritte Bewegung, die die Frage nach dem Verhältnis von Kirche und Politik aus einer anderen Perspektive beantwortete: die Täuferbewegung. Jost zeigt auf, was so brisant daran war: «Sie verwarf die Idee einer christlichen Gesellschaft und Obrigkeit und machte sich für eine christliche Kirche der Freiwilligen stark.» Die Täuferbewegung habe deshalb sowohl von reformierter wie auch von katholischer Seite seit Beginn starke kirchliche und staatliche Repression erfahren. Ihre Anhänger flohen in tolerantere Gebiete, die sie in Mähren (heutige Tschechische Republik) und in den Vereinigten Provinzen der Niederlande fanden.
Roman beschreibt die Anfänge
Im soeben erschienenen Roman beschreibt Jost deren Anfänge im 16. Jahrhundert. Er erzählt die Geschichte des Ehepaars Georg und Els Cajacob aus Graubünden. «Georg kann als eigentlicher ‹Urtäufer› bezeichnet werden, weil er 1525 in Zürich als erster wiedergetauft wurde», so der Autor. Auch diesmal seien historische Fakten die Grundlage der Geschichte, welche er mit unterhaltsamen Dialogen und fiktiven Episoden angereichert habe. «Alle Hauptpersonen im Roman sind historisch belegt», hält er fest. Im zweiten Teil sind das Täufer-Paar Leupold und Anna Scharnschlager aus Tirol die Hauptpersonen. Von Leupold ist die Schrift «Aufruf zur Toleranz» überliefert. Der Reformator Huldrych Zwingli und der habsburgische Erzherzog Ferdinand I. sind die beiden Hauptgegner der Täufer. «Die Dialoge zwischen Zwingli und den Täufern sind spannungsgeladen, nur so wird der Roman glaubwürdig», begründet Jost. «Ich stelle aber auch die schwierige politische Situation dar, weshalb die Täufer als unpassend empfunden wurden.» Am meisten hätten ihn bei seiner Recherche die Herren von Liechtenstein überrascht, die Vorfahren der heutigen Fürstenfamilie von und zu Liechtenstein: Diese hätten in ihren Herrschaften in Mähren Täufer aufgenommen und sogar eine täuferische Reformation durchgeführt. Auch Bern spielt eine Rolle im Roman: Georg nimmt an der Berner Disputation im Januar 1528 teil. Er landet aber im Gefängnis und erhält Landesverweis, während Bern in der Folge reformiert wurde.
Die 203 Seiten starke, bei Edition Königstuhl erschienene Geschichte sei nicht nur für Historikerinnen oder Theologen interessant. Auch ohne Vorkenntnisse könne der Roman gelesen werden. Beim Lesen lerne man quasi beiläufig die Geschichte der Täuferbewegung besser kennen, so der Autor.
Zum Buch
«Unpassend – Die Anfänge der Täuferbewegung», Edition König-
stuhl, 2024, 203 S., ca. 25 Franken.