Hansjürg Engel, Bereichsleiter Friedhöfe und Stadtgärten, begrüsst die vielen Gäste an diesem Samstag nicht ohne Stolz, denn der Friedhof Bümpliz ist eine weitläufige und attraktive Grünanlage, die historische und moderne Elemente verbindet.
Verschiedene Themen
Zum Thema «Friedhof heute» führen Andreas Sahli und Michelle Lüscher von der Friedhofsleitung durch die vielfältigen Grab-angebote, die für 20 Jahre vergeben und meist auch verlängert werden können. Den wenigsten bekannt sind die Urnennischen, in denen bis zu vier Menschen beigesetzt werden können. Die Urnenthemengräber wiederum, werden jeweils zu einem einheitlichen Thema gestaltet. Als Hommage an die Gartenidylle gibt es den Pavillongarten, einen verträumten Ort mit viel Leichtigkeit am Wasser. Und die Grabfelder «Schmetterling» werden wirklich von Sommervögeln umflattert. Am wilden Fenchel wachsen Raupen des Schwalbenschwanzes. Nahe bei den Verstorbenen
entsteht dort also immerzu neues Leben.
Spuren der Zeit
Die Antwort gibt der Berner Projektleiter für Gartendenkmalpflege, Ziu Bruckmann. «Alles begann 1885, als der Begräbnisplatz auf der Pfrundmatte eröffnet wurde. Vorher fanden die Bestattungen bei der Kirche statt. Der kleine Landfriedhof musste mehrmals erweitert werden, besonders 1919 wegen der grassierenden Spanischen Grippe.
Gibt es Grabmäler von bekannten Persönlichkeiten?
Ja und nein. Viele sucht man vergebens, weil sie nach Ablauf der Ruhedauer aufgehoben wurden. So zum Beispiel das Grab des «Störenfrieds» Carl Albert Loosli, der 1957 starb. Nur noch eine schmale Platte erinnert an den Schriftsteller, Dichter, Journalisten und unermüdlichen Sozialkämpfer. Mehr über ihn wird bald in der BümplizWochen zu lesen sein. Es wird ja bereits fleissig geprobt für das Theater beim Neuen Schloss Bümpliz im Sommer 2027.
Friedhof der Zukunft?
Diese Frage beantwortet Experte Walter Glauser. Er war Bereichsleiter Friedhöfe der Stadt Bern und wirkt heute als selbständiger Berater für Friedhöfe. Glauser sieht diese Ruhestätten künftig nicht einfach als abgegrenzte Orte, sondern eher als öffentliche Erinnerungsparks.
Denkbar sind:
• Naturnahe Bestattungen: Baum-, Wald- und Wiesenbestattungen, biologisch abbaubare Urnen sowie Grabfelder, die zugleich Lebensräume für Tiere und Pflanzen schaffen.
• Platzsparende Formen: Gemeinschaftsgräber, Urnenwände, Themengräber.
• Digitale Erinnerung: QR-Codes oder digitale Gedenkseiten mit Fotos, Lebensgeschichten und Tonaufnahmen, freiwillig und datenschutzgerecht.
• Klimagerechte Gestaltung: Schattenbäume, wassersparende Bepflanzung, Regenwassernutzung, entsiegelte Wege und Solartechnik.
• Vielfältige Rituale: Flexible Abschiedsräume für unterschiedliche Religionen, Weltanschauungen und persönliche Zeremonien.
• Neue Nutzung: Ruhige Bereiche für Trauer, Begegnung, Kultur und Naturerleben – ohne den würdevollen Charakter zu verlieren.
• Mensch und Tier: In Bern kann man über den Tod hinaus mit seinen geliebten Haustieren verbunden bleiben. In extra dafür angelegten Grabfeldern gibt es Bestattungen zusammen mit dem Tier in der Urne.
• Weniger Pflegeaufwand: Dauerhafte, gemeinschaftlich gepflegte Anlagen statt individueller Gräber mit hohem Unterhalt.
Kurz gesagt: Der Friedhof der Zukunft ist wahrscheinlich grüner, digitaler, vielfältiger und stärker in die Stadt integriert. Entscheidend bleibt, dass Technik und Mehrfachnutzung die Ruhe, Würde und Privatsphäre der Trauernden respektieren.
Für Interessierte
Wer einen Spaziergang durch den Friedhof Bümpliz unternehmen möchte, kann sich an der Information die kostenlose Broschüre «Ein Spaziergang mit Geschichten» holen. Sie liegt auch im Selbstbedienungs-Blumenladen auf. Zum Vormerken: Im 150. Jubiläumsjahr von Stadtgrün Bern findet der Tag des Friedhofs nächstes Jahr erneut auf dem Friedhof Bümpliz statt, und zwar am 18. September.