Zufällig getroffen – EIN AUTOFAN Mit Herz für die GUTE SACHE

«Die Überbauung würde Hinterkappelen gut tun»

Thomas Bornhauser
Reto Hermann aus Hinterkappelen.

Foto: Foto: BO

Einfach erklärt
Einfach erklärt: Wir unterhalten uns hier mit Reto Hermann aus Hinterkappelen. Er liebt sportliche Autos, kümmert sich aber ebenso rührend um eine 94 Jahre alte Frau.
«Zufällig getroffen» heisst unsere Serie, in der wir uns unbekannte Leute ansprechen und sie fragen, ob sie für ein Interview zur Verfügung stehen. Und das alles mit einem weissen Blatt Papier, ohne zu wissen, was wir fragen wollen.

Das ergibt sich erst aus dem Gespräch heraus. Heute mit Reto Hermann aus Hinterkappelen, den wir im Migros-Restaurant in Bethlehem treffen.

Reto Hermann, wo sind Sie aufgewachsen?

In Neuenburg, in Neuchâtel (lacht), später in Peseux und in Morges, aber seit 50 Jahren bin ich im Bärnbiet ansässig. Und damit zufrieden.

Also sind Sie bilingue.

(Man hört einen leichten Akzent) Ja, aber seit über 35 Jahren bin ich in Hinterkappelen zuhause. Schöne Gegend, mit dem Wohlensee, dem Bremgartenwald. Ein Erholungsgebiet par excellence. Und mit tollen ÖV-Verbindungen.

Kein Heimweh nach «Nöschatell»?

Nein, ich war schon Jahre nicht mehr dort. Zudem hat sich die Stadt und die Umgebung völlig verändert, viele ehemalige Geschäfte stehen leer. Trist.

Wieso denn das?

Sehen Sie, Ende des 20. Jahrhunderts zog die Schliessung oder der Wegzug der grossen Industriebetriebe – unter zu vielen anderen Suchard, Papeteries, Favag – tiefgreifende gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen nach sich. Aus einer Industriegegend wurde inzwischen eine Hightech-Landschaft, mit dem Resultat, dass es weit weniger Arbeitnehmer braucht. Ergo fehlen gewissen Läden die Kundinnen und Kunden. Die Innenstadt ist  im Vergleich zu vor der Jahrhundertwende überspitzt gesagt, am Veröden. Ich weiss deshalb nicht, ob das digitale Zeitalter ein Segen ist.

Andere Städte und Zentren haben das gleiche Problem.

Richtig, Zeichen unserer Zeit. Das gilt auch für Hinterkappelen.

Wie sollen wir das verstehen?

Nur ein Beispiel: Früher gab es hier noch einen Coop – und andere Läden, die verschwunden sind. Deshalb wäre es derart wichtig, dass auf dem Areal der Németh Automobile diese Überbauung, von der schon lange die Rede ist, endlich verwirklicht wird, samt einem Lebensmittelanbieter. Wenn ich richtig informiert bin, soll es dazu eine Abstimmung geben, hoffentlich noch dieses Jahr.

Womit wir indirekt bei den Autos angelangt wären. Sie fahren zwar keinen Ferrari oder Maserati, aber auch kein alltägliches Modell…

Was soll ich mit einem Ferrari? Mit dem kann man hierzulande zwar ausfahren, ein Ausflügli machen, aber den Motor nicht ausfahren. Aber logisch, ich schaue mir gerne die Autos von aussen an, die in Hinterkappelen gezeigt werden.

Nette Wortspielerei… Was für ein Modell fahren Sie?

Einen AMG Mercedes, ein Sportcoupé. Den Wagen hege ich, pflege ich, geniesse einfach das Motorengeräusch und die Leichtigkeit des Seins, trotz seines Gewichts.

Sie sind seit 10 Jahren pensioniert. Autopflege und -fahren füllen Ihre Zeit ja sicher nicht aus. Was machen Sie sonst?

Ich geniesse das Leben und betreue eine 94 Jahre alte Frau, die noch zuhause lebt, das im Auftrag von «Home Instead», einer privaten Institution für das Wohnen im Alter. Eben zuhause. Die Spitex schaut medizinisch zu ihr, ich kümmere mich um die Einkäufe, unterstütze sie im Alltag, schaue zu und nach ihr. Eine wirklich dankbare Aufgabe.

Hut ab – besser gesagt, Chapeau, wie man in der Romandie sagt. Sagen Sie, was haben Sie eigentlich gelernt?

Typograph, dann habe ich verschiedene Jobs gehabt, unter anderem bei der Galenica, zum Schluss war ich 15 Jahre Zen-trumswart im Shoppyland.

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