Die Cabane B zieht um

Nadine Geissbühler
Von Nadine Geissbühler - Redaktorin
Die Cabane B als beliebter Ort für zeitgenössische Kunst.

Foto: Harumi Mumenthaler

Einfach erklärt
Die Cabane B ist ein Ort für Kunstausstellungen beim Bahnhof Bümpliz Nord. Nach rund 20 Jahren muss sie dort weg, weil die BLS auf dem Gelände bauen will. Die Cabane soll künftig in der Untermatt als Treffpunkt für die Menschen im Quartier dienen. Die Stiftung B unterstützt weiterhin Kunstprojekte in Bern West.
Nach rund 20 Jahren muss die Cabane B ihren Standort beim Bahnhof Bümpliz Nord verlassen. Der bekannte Kunstraum soll künftig in der Untermatt als Quartiertreffpunkt weiterleben. Für die Stiftung B geht damit eine Ära zu Ende. Doch der Abschied schafft auch Platz für neue Ideen.

Dass die Cabane überhaupt nach Bümpliz kam, ist einem eher ungewöhnlichen Zufall zu verdanken. Carola Ertle war mit ihren Kindern in Magglingen, wo der Künstler Schang Hutter seine Ausstellung aufbaute. Dabei sahen sie dessen Skulpturen in der Luft hängen. Ein Lastwagen war einen Hang hinuntergerutscht, weshalb die Skulpturen mit einem Kran zum Ausstellungsort transportiert werden mussten. Auch der Ausstellungsort war ungewöhnlich: eine Cabane, ähnlich jener, die später rund 20 Jahre in Bümpliz stehen sollte. Die Idee, einen solchen Kunstraum auch nach Bern zu bringen, begeisterte Alexander Tschäppät, der damit auch Carola Ertle ansteckte. Zusammen mit Housi Stucki, dem damaligen Geschäftsführer der Stiftung B, wurde daraus ein Projekt für Bümpliz. Tschäppät half bei der Finanzierung, zahlreiche lokale Unternehmen (KMU) unterstützten Transport und Aufbau. Allein diese Arbeiten kosteten laut Ertle rund 90 000 Franken.

Kunst ins Quartier bringen
Carola Ertle lebt seit 1984 in Bümpliz. Gemeinsam mit ihrem 2024 verstorbenen Mann Günther Ketterer, mit dem sie als Kunstsammlerpaar bekannt wurde, engagierte sie sich für die Kunst im Stadtteil. Ihr Anliegen: Kunst nicht nur in etablierten Institutionen zeigen, sondern zu den Menschen bringen. Daraus entstand die Kunstachse, die heute zur Stiftung B gehört. Die Cabane B wurde zu einem wichtigen Ort dieses Engagements. Anfangs organisierte eine Quartiergruppe die Ausstellungen. Kunstschaffende aus dem Stadtteil stellten aus oder wurden eingeladen. Nach den Vernissagen traf man sich bei Carola Ertle zu Hause zum Suppenessen. Später übernahmen verschiedene Kuratorinnenteams die Ausstellungen im Frühling und Sommer, während die Hochschule der Künste Bern (HKB) den Raum im Herbstsemester bespielte. Carola Ertle erinnert sich an eine hervorragende Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen. Die HKB entwarf beispielsweise auch die Programmplakate. Mit der Zeit etablierte sich die Cabane B als Off-Space für zeitgenössische Kunst, der auch über Bümpliz hinaus bekannt wurde. Die Ausstellungen knüpften immer wieder Verbindungen zum Stadtteil 6 und öffneten sich zugleich anderen Szenen und Bevölkerungsgruppen. «Für uns war wichtig, dass sich die Cabane zu einem Ort entwickelt, an dem zeitgenössische Kunst auf professionellem Niveau stattfinden kann», sagt Jaelle Eidam. Sie ist seit zehn Jahren Geschäftsführerin der Stiftung B.

Neuer Standort, neue Aufgabe
Dass die Cabane eines Tages weichen müsste, war von Anfang an bekannt: Die BLS stellte das Grundstück, das als Bauland deklariert ist, kostenlos zur Verfügung. Nun plant sie dort neue Gebäude und Anpassungen an der Bahninfrastruktur. Zwar sollte die Cabane ursprünglich in das Bauprojekt integriert werden, doch die vorgeschlagenen Lösungen überzeugten die Stiftung B nicht. Auf dem künftig dichter bebauten Areal würde auch der Freiraum fehlen, der für viele Ausstellungen wichtig wäre. Trotzdem zeigen sich Carola Ertle und Jaelle Eidam der BLS gegenüber dankbar, nicht nur für die jahrelange Unterstützung, sondern auch für die Hilfe bei der Suche nach alternativen Standorten. Nach einer längeren Suche zeichnet sich eine Lösung ab. Die Cabane soll, wenn alles gut geht, auf den Galenicaplatz im Weyermannshaus-West-Areal in der Untermatt ziehen, nahe dem Loeblager. Dort ist eine neue Begegnungsfläche vorgesehen. Die engagierte Quartiergruppe suchte bereits nach einem überdachten Ort für Begegnungen und eine Buvette. Künftig soll die Cabane deshalb nicht mehr als Kunstraum, sondern als Quartiertreffpunkt dienen. Die Stiftung B gibt das Projekt nach rund 20 Jahren ab. Für Carola Ertle ist das ein emotionaler Abschied. «Ich war immer ganz stolz, wenn ich aus dem Zug ausgestiegen und an der Cabane vorbeigelaufen bin», erzählt sie. Dennoch sei die Zeit für einen Wechsel gekommen. Auch die Formate der Kunstvermittlung hätten sich verändert. Jaelle Eidam sieht in der neuen Nutzung eine gute Perspektive für den Bau, der sich weiterhin in gutem Zustand befinde. Ein genaues Umzugsdatum steht noch nicht fest. Für den neuen Standort wurde ein Baugesuch eingereicht. Der Baustart der BLS ist für den 30. April 2027 vorgesehen. Im Frühling 2027 soll es voraussichtlich ein Abschiedsfest geben.

Die Kunstachse bleibt
Die Kunst verschwindet nicht aus Bümpliz. Die Stiftung B, die seit bald 30 Jahren im Stadtteil tätig ist, betreibt und unterstützt unterschiedliche soziale und kulturelle Angebote – vom Bienzgut über Künstlerateliers bis hin zur Schaffung von Räumen für Jugendliche. Die Kunstachse bleibt Teil dieser Arbeit. Sie hat neben den Ausstellungen auch Quartierrundgänge, Atelierbesuche und Kunstprojekte im öffentlichen Raum ermöglicht. Wer im Stadtteil 6 ein Kunstprojekt verwirklichen möchte, kann sich weiterhin an die Kunstachse wenden. Die Stiftung will ihre Netzwerke erhalten und neue Ideen unterstützen, auch ohne festen Ausstellungsraum. Für Jaelle Eidam liegt darin eine Chance: «Wenn etwas losgelassen werden kann, gibt es auch wieder Platz für etwas Neues.»

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