Serap Özgel, welche Ausbildung haben Sie nach der Schule abgeschlossen?
Ich war im Inselspital, habe mich zur Kauffrau ausbilden lassen. Aktuell wirke ich jedoch als Hausfrau und Mutter, das ist manchmal ein 24/7-Job (schmunzelt). Unsere Tochter ist 14 Jahre alt, ihr Bruder vier Jahre jünger. Einmal pro Woche bin ich Gastgeberin beim Elternkaffee im Schulhaus Stöckacker.
Slavica Bove, auf welchem Sektor haben Sie sich ausbilden lassen?
Als Pharmaassistentin. Ich habe 20 Jahre in der Stadt Bern gearbeitet, seit drei Jahren bin ich in Flamatt tätig.
Wären Sie Bundesrätin, wo würden Sie den Hebel ansetzen, um die Kosten im Gesundheitswesen zu reduzieren?
(überlegt kurz) Es gehen viele Leute zu schnell zum Arzt oder in den Notfall. Man müsste derartige Bagatellfälle in Rechnung stellen. Weigert sich dann die Krankenkasse, diese Kosten zu übernehmen, würde sich das Verhalten vieler Leute schlagartig ändern.
… apropos «Wischen vor der eigenen (Apotheker-)Tür»: Weshalb muss ich für das Vieraugenprinzip in der Apotheke bezahlen?
Erstens stellen wir damit sicher, dass Sie die korrekten rezeptpflichtigen Medikamente erhalten. Zudem sind in diesen angeblichen Kosten viele Dienstleistungen inbegriffen, die wir in der Apotheke leisten. Wenn wir Sie eingehend beraten, so kostet Sie das nichts, um nur ein Beispiel zu erwähnen.
Serap Özgel, Ihre Tochter ist 14, voll in der Pubertät. Kommen Sie damit klar?
(spontanes Lachen) Als Eltern müssen wir damit klarkommen. Aber einfach ist das nicht wirklich. Verbote sind schnell ausgesprochen, nützen aber wenig, bewirken oftmals das Gegenteil. Vieles von unserer Tochter müssen wir einfach zur Kenntnis nehmen, sofern sie nicht die berühmte rote Linie überschreitet. Wir sind uns aber bewusst: kleine Kinder, kleine Sorgen. Im Moment geht es für sie in der 9. Klasse darum, was sie nach dem Schulabschluss machen wird.
Nämlich?
Sie möchte ins Gymnasium, um später einmal Lehrerin zu werden. Wir werden sehen … Eine Unbekannte ist im Moment die Entwicklung der KI. Wie sehr werden wir uns nach ihr richten müssen?
Slavica Bove, Sie haben angedeutet, dass sie modeln. In welcher Branche?
Ich arbeite mit einer Berner Agentur zusammen, die mich in den verschiedensten Bereichen vermittelt, und zwar für Werbeaufnahmen, also nichts mit Catwalk und solchen Sachen. (lacht) Im Moment habe ich dafür aber keine Zeit. Unsere beiden Söhne, 5- und 6-jährig, beschäftigen auch mich vollauf.
Bei Kindern in diesem Alter haben Sie wohl weniger Probleme als Ihre Freundin, Stichwort Handysucht und so.
Das stimmt. Weil aber einige Schulkameraden bereits in der 1. Klasse teure Handys haben oder häufig Markenartikel
tragen, wird dieses Thema dann und wann bei uns zuhausethematisiert. Wir sprechen deshalb offen darüber, erklären den Buben, weshalb gewisse Sachen einfach noch nicht drinliegen, und dass sie dafür noch zu klein sind. Der Dialog ist ein Muss.
Serap Özgel, bei Ihnen liegt der Fall vermutlich leicht anders.
Das ist so, aber wir versuchen, ebenso offen mit den Kindern darüber zu sprechen, wie auch Slavica. Die ganzen Sozialen Medien sind für Jugendliche wirklich ein Problem: Sie denken, dass sie dort die reale Welt erleben. Sie in die Wirklichkeit zu holen, ist in vielen Fällen sehr schwierig. Verrückt: Wenn wir Gäste nach Hause einladen, kommt von Kindern und Jugendlichen vielfach als Erstes die Frage: Habt ihr WLAN? Und klar: Das, was Slavica vorhin gesagt hat, mit den Markenkleidern, das beschäftigt auch uns. Dieses «Must-have».